Die Zeit ist reif
August 2nd, 2008Die Zeit ist reif, die Kunst ist faul,
Der Markt regiert, der Mensch sein Knecht
Und auch sein eigner Ackergaul.
Das findet unser Mensch gerecht
und manchmal sogar schön.
Die Zeit ist reif, die Kunst ist faul,
Der Markt regiert, der Mensch sein Knecht
Und auch sein eigner Ackergaul.
Das findet unser Mensch gerecht
und manchmal sogar schön.
Die Zeiger drehn den Morgenhimmel grau;
Verschlafen schmeißen Leute ein paar Bissen
Den Schlund hinab. Die Schläfen ticken, müssen
Den Tag beginnen, Blechgewölk und Stau.
Die Zeiger drehn sich schneller, Stunden rinnen
Wie Rotz von Blutern, braun verfärbter Schweiß.
Verraucht ein Mensch, dann war er glühend heiß.
Es sind die Zeiger, die den Tag gewinnen.
Im Stoßverkehr, da heißt es Finger schärfen.
Am Lenkrad krallt im Manne sich die Wut.
Falls Therapeuten sich vor Räder werfen,
Dann wird gemäht, der Meister mitsamt Brut.
Die Zeiger drehn den Abendhimmel grau.
Heim will ein jeder, rasch in seine Stube.
Doch mancher steckt noch immer fest im Stau,
Und mancher fährt direkt in eine Grube.
Ein Rüpelslave, neureich rhythmisiert,
Vom Schuppenhals tropft eine Fettkrawatte,
Den Bauch gefüllt mit Champus, Fischlaich, hatte
Wohl unter Zwang die Rückwand braun lackiert.
Das Ehefleisch, nicht faul, sie treibt Karate,
Hat ihm deshalb die Warzen eingeseift,
Das Geld im Haus, auch Groschen, eingestreift.
Jetzt geigt ihr stündlich ein Potenzmulatte.
Den ödet schon das Hin-und Hergeschiebe,
Ihr welker Schenkelduft, der ekle Saft.
Und in der Nacht versetzt er ihr drei Hiebe,
So stark, daß sie im Tod noch reizvoll klafft.
Ein Knorpelfischer knüpft den frühen Morgen,
Da hängt ein freches Weibsbein an der Schnur.
Welch Fest und keine hormonellen Sorgen,
Schnaubt er. Am Grund, da tickt die Knochenuhr..
Am Sinn des Lebens ist so manche Stirn zerschellt.
Das Gute scheidet nach wie vor die Geister.
Das Böse ist zu oft der wahre Meister,
Wenn es aus Menschenhirnen eilig quillt.
An der Gerechtigkeit verzweifeln noch die Leichen,
Und Frömmeln ist beizeiten hochmodern.
Doch winkt den Eiferern kein heller Stern,
Wenn sie ein glattes Ziel erreichen.
Den Lohn für lebenslanges Pflichterfüllen
Erfährt der Mensch meist im Spital
Und endet dort erbärmlich trivial.
Es fehlte nicht am Willen.
Am Sinn des Lebens hängt ein Fragezeichen
Für jene, die nichts haben und doch sind
Ein Spielball in den Händen von zu Reichen,
Und eins vor allem, hundert Jahre blind.
Wer Tauben füttert,
Füttert Ratten,
Sagt der Affe
Zur Banane,
Die ins Maul
Er sich schiebt
Mit Genuß.
Und die Schale
Fällt zu Boden,
Wo sie liegt
Und verfault.
Eigentlich ist es schon öde und ermüdend, ständig darauf aufmerksam zu machen, daß und wie wir von Politikern und Medien für dumm verkauft werden, geschieht dies doch ständig, und jeder, der sich darüber noch ärgern kann, läuft wahrscheinlich mit Magengeschwüren durch die Gegend. Daß es aber immer wieder die gleiche Masche, der gleiche Taschenspielertrick ist, der von den diversen Repräsentanten des Staates an den Haaren herbeigeschleift und von ihren medialen Speichel-bzw. Arschleckern unters “Volk” gebracht wird, grenzt schon, nein, ist Abgehobenheit, Ignoranz und Selbstverliebtheit pur. Zu den beliebtesten Verdummern gehört nach wie vor die Behauptung, 500 Millionen Europäer würden durch den Egoismus von einer Million irrer Iren oder der Dummheit von ein paar Millionen Österreichern in ihrer Entwicklung massiv behindert, wiewohl es tatsächlich 20! und ein paar Staats.-u. Regierungschefs sind, die sich bei ihren antidemokratischen Plänen von der eigenen Landesbevölkerung gestört fühlen. Denn kein einziger, der so gern zitierten 500 Millionen Europäer bekam die Möglichkeit, sich demokratisch, also via Volksabstimmung, zum Vertrag von Lissabon zu artikulieren; das wurde von den Staats-u. Regierungschefs strickt unterbunden, wohl wissend, daß die große Mehrheit der 500 Millionen sich genauso wie eine Million Iren entschieden hätte, also gegen dieses neoliberale und antidemokratisch-militaristische Machwerk, für dessen Unverständlichmachung die Bürokraten in Brüssel zwei Jahre benötigten. Und so entblöden sich diese Damen und Herrn Politiker nicht, die Behauptung, ganz Europa werde von einer ignoranten Minderheit blockiert, immer wieder aufs neue auszuschleimen, eine Peinlichkeit, die nur noch von ihrem Demokratieverständnis, das aus ihren Wortspenden zum Instrument der Volksbefragung bzw.-abstimmung ablesbar ist, übertroffen wird.
Es hat schon was für sich, dieses Österreich, in dem ich geboren wurden, v.a. sein Wasserkopf, die Bundeshauptstadt Wien, wo ich zur Zeit lebe, und wo eine seit Jahrzehnten fast immer absolut herrschende Partei das öffentliche, aber auch das private Leben in einem Ausmaß unterminiert hat, wie es sonst wohl nur mehr in totalitären Staaten vorkommt. Von der Gebärklinik bis zur Bestattung, vom Verkehr bis zur Mietwohnung, vom Riesenrad bis zum Scheißkanal, die Partei ist überall und überall dort, wo politische Monopole langfristig agieren, agieren sie ausschließlich zu ihrem eigenen Nutzen und so zum Schaden der Bürger, denn die Gleichstellung von Öffentlichkeit mit der Partei, also die Einverleibung des öffentlichen Eigentums, der öffentlichen Strukturen durch die Partei, entspricht ihrem antidemokratischen Selbstverständnis: Die Partei ist alles und alle anderen sind nichts! Vor den Kulissen geben sich die Parteibonzen ähnlich anmaßend wie Feudalherren im Mittelalter, hinter den Kulissen verhöhnen sie schenkelklopfend und magenvollstopfend alles Parteifremde, während sie ohne irgendwelche Skrupel das öffentliche Eigentum Freunden, Bekannten und anderen Parteilingen zuschanzen. In den Medien, die sie größtenteils bestochen und korrumpiert haben, lassen sie sich für die Wohltaten, die sie den Bürgern nicht erweisen, beweihräuchern. Und so unglaublich es auch scheinen mag, das System funktioniert: Bei der nächsten Wahl entscheiden sich die Belogenen und Bestohlenen wieder für die Lügner und Diebe, sei es aus Gewohnheit, sei es aus Dummheit, sei es aus irgendeinem anderen Grund, das bleibt dahingestellt.
Die Häuser stehen aneinand gedrängt,
Die Dächer flach, der Himmel weit,
Die Fenster blind und voll verhängt,
Die Tore zu, als ob wer scheut
Vor dieser Welt, vor dieser Zeit.
Ich rinne, rinne, rinne;
Der Körper schwimmt in Schweiß.
Was ich dabei gewinne,
Ist weder kalt noch heiß.
Ich renne, renne, renne,
Mein Herz ist vorm Zerspringen,
Wobei ich das schon kenne,
Die Flucht vor Tag und Dingen.
Ich liege, liege, liege
Am Boden und ganz flach,
Indes Gedanken fliegen
Hinfort von diesem Krach.
Ich hasse, hasse, hasse
Die Menschen allesamt,
Ganz gleich aus welcher Klasse,
Verdammt sind sie, verdammt.
40 Jahre Postmoderne,
40 Jahr´ Beliebigkeit,
Und ich würde doch so gerne
Spucken wie ein Lama weit.
Doch die Herren vom Feuilleton
Und die Herrn Verleger
Bräuchten eine Injektion
Oder Hosenträger.