Im Sprachsumpf (1)

August 5th, 2008

Nun, eigentlich sollten wir uns nicht darüber wundern, daß die Berichterstattung in den Medien so oberflächlich, so ungenau, ja, schlicht falsch ist, wenn sich alle Journalisten stets “vor Ort” einfinden, um dann direkt vom Ort des Geschehens zu berichten, jenem Ort, an dem sich die Journalisten wirklich befinden sollten und nicht davor.
Unerträglich anzuhören und obendrein grammatikalisch falsch ist die Floskel “außen vor” (statt draußen), die auf der verbalen “Agenda” (noch so ein Unwort, und zwar für Tagesordnung) der Journalisten ganz oben steht.
Ganz von selbst demaskiert sich das v.a. bei Politikern überaus beliebte “Andenken” von Problemen, wobei es nicht auszudenken wäre, wenn alle, die ständig etwas andenken, tatsächlich denken würden. Ja, wo kämen wir da noch hin - möglicherweise zur Vernunft statt ständiger Phrasendrescherei und Gedankenmüll.

Am Fenster sitzend

August 5th, 2008

Am Fenster sitzend streift mein Blick
Die Straßen hin, die Hausfassaden her,
Zum Himmel hoch, herab auf den Verkehr,
Und fällt dann wieder auf mich selbst zurück.

Zurück auf Schatten von verdammten Jahre,
Und auch zurück auf manche schönen Tage.
Doch taugen meine Verse nicht zur Klage.
Und außerdem hör´ich schon die Fanfare.

Der freie Markt spielt auf, er spielt allein.
Was einst ein Mensch war, ist nun Konsument.
Wer hat, der ist, wer ist, ist prominent.
Und alle leiden wir am Glücklichsein.

Rückblick

August 3rd, 2008

Als Kind, da hast du alle Zeit
Der Welt, doch später gehen Jahr um Jahr
Viel schneller, als es früher war;
Und manches tut uns dann auch leid
Und ist nicht mehr zu ändern.

Zynisch oder dumm

August 3rd, 2008

Vor einigen Tagen hörte ich im Radio ein Zitat von Bob Dylan, das möglicherweise ungenau und folglich falsch übersetzt war, denn die Aussage: “Was bedeutet schon Geld, wenn man zwischen Aufstehen und Schlafengehen tun kann, was man will”, setzt voraus bzw. gilt nur für den, der schon ausreichend Geld besitzt, um für sich selbst die Bedeutung des Geldes solchermaßen relativieren zu können, d.h. Ursache und Wirkung sind hier vertauscht: Wer kein Geld hat, hat auch keine Möglichkeit, in der “freien” Marktwirtschaft solch großkotzige Aussagen zu tätigen, denn er muß, um überhaupt überleben zu können, vor allem danach trachten, das dafür notwendige Geld irgendwie aufzutreiben, etwas, das für zig Millionen von Menschen auf diesem Planeten trotz größter Kraftanstrengungen nach wie vor ans Unmögliche grenzt. Erst der Besitz von Geld eröffnet den Menschen die Wahlfreiheit, zwischen Aufstehen und Einschlafen das zu tun, was sie gern tun möchten. Insoferne ist das Zitat, falls es tatsächlich korrekt wiedergegeben ist, zynisch oder schlicht dumm.

Hampelmänner

August 2nd, 2008

Hampelmänner da und dort,
Hampelmänner sind am Wort.

Will es wirklich keiner sehen,
Daß die Schreiber Wichte sind,
Daß die Künstler beinlos gehen,
Sänger taub und Maler blind,
Und die Blender auf der Bühne
Und am Steuer nur Betrüger,
Stürzt vom Gipfel die Lawine,
Bleiben Tote nur als Sieger.

Die Zeit ist reif

August 2nd, 2008

Die Zeit ist reif, die Kunst ist faul,
Der Markt regiert, der Mensch sein Knecht
Und auch sein eigner Ackergaul.
Das findet unser Mensch gerecht
und manchmal sogar schön.

Die Zeiger drehn

August 2nd, 2008

Die Zeiger drehn den Morgenhimmel grau;
Verschlafen schmeißen Leute ein paar Bissen
Den Schlund hinab. Die Schläfen ticken, müssen
Den Tag beginnen, Blechgewölk und Stau.

Die Zeiger drehn sich schneller, Stunden rinnen
Wie Rotz von Blutern, braun verfärbter Schweiß.
Verraucht ein Mensch, dann war er glühend heiß.
Es sind die Zeiger, die den Tag gewinnen.

Im Stoßverkehr, da heißt es Finger schärfen.
Am Lenkrad krallt im Manne sich die Wut.
Falls Therapeuten sich vor Räder werfen,
Dann wird gemäht, der Meister mitsamt Brut.

Die Zeiger drehn den Abendhimmel grau.
Heim will ein jeder, rasch in seine Stube.
Doch mancher steckt noch immer fest im Stau,
Und mancher fährt direkt in eine Grube.

Fleischballade

August 2nd, 2008

Ein Rüpelslave, neureich rhythmisiert,
Vom Schuppenhals tropft eine Fettkrawatte,
Den Bauch gefüllt mit Champus, Fischlaich, hatte
Wohl unter Zwang die Rückwand braun lackiert.

Das Ehefleisch, nicht faul, sie treibt Karate,
Hat ihm deshalb die Warzen eingeseift,
Das Geld im Haus, auch Groschen, eingestreift.
Jetzt geigt ihr stündlich ein Potenzmulatte.

Den ödet schon das Hin-und Hergeschiebe,
Ihr welker Schenkelduft, der ekle Saft.
Und in der Nacht versetzt er ihr drei Hiebe,
So stark, daß sie im Tod noch reizvoll klafft.

Ein Knorpelfischer knüpft den frühen Morgen,
Da hängt ein freches Weibsbein an der Schnur.
Welch Fest und keine hormonellen Sorgen,
Schnaubt er. Am Grund, da tickt die Knochenuhr..

Der Sinn des Lebens

August 1st, 2008

Am Sinn des Lebens ist so manche Stirn zerschellt.
Das Gute scheidet nach wie vor die Geister.
Das Böse ist zu oft der wahre Meister,
Wenn es aus Menschenhirnen eilig quillt.

An der Gerechtigkeit verzweifeln noch die Leichen,
Und Frömmeln ist beizeiten hochmodern.
Doch winkt den Eiferern kein heller Stern,
Wenn sie ein glattes Ziel erreichen.

Den Lohn für lebenslanges Pflichterfüllen
Erfährt der Mensch meist im Spital
Und endet dort erbärmlich trivial.
Es fehlte nicht am Willen.

Am Sinn des Lebens hängt ein Fragezeichen
Für jene, die nichts haben und doch sind
Ein Spielball in den Händen von zu Reichen,
Und eins vor allem, hundert Jahre blind.

Magistratsweisheit

August 1st, 2008

Wer Tauben füttert,
Füttert Ratten,
Sagt der Affe
Zur Banane,
Die ins Maul
Er sich schiebt
Mit Genuß.
Und die Schale
Fällt zu Boden,
Wo sie liegt
Und verfault.