Ein heißer Wind

August 15th, 2008

Ein heißer Wind peitscht zornig auf die Dächer,
Gebeugte Greise hinter Fenstern lehnen,
Mit leerem Blick das längst Vergangne sehnen.
Vom Tische säuert scharf ein Plastikbecher.

Krank ist die Mutter, stündlich wird sie schwächer.
Die eigne Brut saugt gierig an den Venen.
Ein heißer Wind peitscht zornig auf die Dächer,
Gebeugte Greise röchelnd Pillen nehmen.

Des Vaters Zahn liegt schmutzig in dem Becher,
Aus umgehackten Bäumen sickern Tränen
Und Fischblut strömt aus weichen Wasserhähnen.
Ein heißer Wind peitscht zornig auf die Dächer,
Gebeugte Greise vor Verzweiflung gähnen.

Im Blutgebüsch

August 14th, 2008

Im Blutgebüsch, wo Jäger tiefer zielen
Die Wolkenfront verschluckt ein Aeroplan
Vom Wandkreuz wiehert des Erlösten Scham
Am Boden liegen bleierne Kanülen.

Die letzte Tram

August 14th, 2008

Die letzte Straßenbahn ist abgefahren.
Die späten Zweifler dürfen sich genieren.
Ein Schließhund prüft die Schlösser an den Türen.
Ein Sportler spürt im Knie den Sand von Jahren.

Ein guter Bürger riecht rundum Gefahren.
Ein Passagier spuckt schleimig röchelnd Viren.
Ein Urologe zündelt an Papieren.
Die letzte Straßenbahn ist abgefahren.

Zu Hause wartet wer im trüben Licht.
Ein Rentner zuckt in seinem Bett verschwommen.
Am Bildschirm ist der Held total verkommen.
Im Spiegel wächst ein rußiges Gesicht.

Aus Wänden steigen Schatten, nicht die frommen.
Im Keller wird zum Spaß ein Balg erstickt.
Die Zeit steht kopf, doch irgendetwas tickt.
Der letzt Zug ist noch nicht angekommen.

Der Außenseiter

August 13th, 2008

Kaum, daß ich ins Freie gehe,
Werd´ich blöde angestiert
Von den Leuten, aus der Nähe,
Gar mit Fernrohr scharf fixiert,
Ohne daß ich nur verstehe,
Was da eigentlich passiert.

Manche zeigen mit dem Finger,
Bilden um mich einen Kreis,
Und der Abstand wird geringer,
Während ich nicht einmal weiß,
Ob sie mich in einen Zwinger
Stecken möchten, das Geschmeiß.

Also dreh´ich meinen Rücken
Ihnen zu und mache schnell.
Laut hör´ich die Schläfen ticken
Und ein häßliches Gebell.
Hunde jagen ohne Krücken,
Aber noch trag´ich mein Fell.

Ich gedenke, es zu tragen
Morgen noch und nächstes Jahr.
Und ich hör´nicht auf zu fragen,
Was gelogen ist, was wahr.
Denn das ganze Unbehagen
Wächst nicht auf dem Trottoir.

Es gedeiht im Herz des Feigen,
Wenn wir uns im voraus bücken,
Daß uns andere besteigen,
Und wir freundlich dazu nicken.
Und im übrigen stets schweigen.

So soll unser Dasein glücken?

Karzinose Mensch

August 12th, 2008

Bei den olympischen Spielen in Peking kämpfen vor den Augen der Weltöffentlichkeit Sportler gegen andere Sportler um Medaillen; diesen Zeitpunkt hat ein kaukasischer Kleinstaat-Napoleon für einen militärischen Überraschungsangriff gewählt, der voll in die Hose dieses Herrn gegangen ist; die wirklichen Opfer sind aber wie in jedem Krieg die unschuldige, die wehr- und hilflose Zivilbevölkerung, die mit Hab und Gut, Leib und Leben für den perversen Machtwahn ihrer Führer zahlen muß, während die Kriegstreiber, falls ihr kriegerischer Plan nicht aufgeht, unbeschadet wieder zur Tagesordnung übergehen.
Dieser Kreislauf der Gewalt ist so alt wie das Menschengeschlecht selbst. Dennoch überrascht es, daß sich diesbezüglich seit dem Römischen Weltreich, dem ersten auf militärischer Macht basierendem Imperium der Menschheitsgeschichte, im Prinzip nichts verändert hat, daß die Menschheit in ihrer Jahrtausende währenden Entwicklungsgeschichte, nichts dazugelernt hat - ganz im Gegenteil - durch die heutige massive Überbevölkerung, durch eine rasante technisch-technologische Entwicklung, die wir einer Kaste frankensteinkonditionierter Wissenschafter zu verdanken haben und durch das Prinzip der Beschleunigung unter der Prämisse des “freien Marktes”, wurde das Bewohnen der Erde zu einem schädlichen Befall für den Planeten, so schädlich, daß ein unbefangener Betrachter den menschlichen Befall inzwischen als höchst karzinomatös erkennt, mehr noch, am Beginn des 21.Jh. ist der ganze Erdball von der Karzinose Mensch irreversibel befallen. Allerdings führen (Selbst)betrug und kollektive Verdrängung, die in breitestem Ausmaß funktionieren, zum Ignorieren bzw. zum sinnlosen Versuch, der Katastrophe durch Hinausschieben zumindest für sich selbst Herr zu werden, als Kredit auf die Zukunft, die jetzt schon nicht mehr kreditwürdig ist. Aber auch für jene, deren Sinne noch taugen, ist es meist ein unlösbares Problem, aus dem Horror, den seine Spezies zu verantworten hat, persönliche Konsequenzen zu ziehen.

Ihr Mädels

August 11th, 2008

Ihr Mädels von der andern Seite,
Seid was ihr seid und kommt mal rüber.
Was kümmern uns denn all die Leute,
Die Glatzenträger, Vorhautschieber,
So wie der Rest der dumpfen Meute.
Das sind doch nichts als Schrumpfkaliber.

Ihr Mädels, öffnet Augen, Ohren:
Hier wird getanzt, Musik gemacht.
Hier bleibt nicht Zeit zum Nasenbohren.
Hier wird gefeiert Tag und Nacht.
Und die uns hindern, sollen schmoren,
Sie werden einfach weggelacht.

Ihr Mädels von der andern Seite,
Jetzt seid ihr endlich alle da,
Auf daß die Welt nur Kopf steht heute,
Der Teufel lispelt: Heureka,
So jung, so frisch, welch geile Bräute
Für einen Ritt et cetera.

Geht in Deckung

August 11th, 2008

Wenn hierzulande Polizisten deine Wege kreuzen und du kannst nicht rechtzeitig in Deckung gehen, dann hast du Pech gehabt, wobei es noch einen großen Unterschied ausmacht, ob du den Zusammenstoß, wenn auch mißhandelt und gedemütigt, überlebst oder ob du mit einem 9mm Geschoß im Rücken im Leichenschauhaus liegst und nicht mehr aufwachen kannst, wie es vorletzte Nacht einem Motorradfahrer erging, der aus guten Gründen nicht anhielt, als er von Polizisten dazu aufgefordert wurde. Jetzt ist er tot, ermordet von einem Polizisten, der ihn wie in einem Wildwestfilm mit seiner “Glock”-Pistole aus dem Sattel fegte, jener Faustfeuerwaffe, die seit den 90er Jahren, als ein farbloser Bürokrat Innenminister spielen durfte und der Polizei jeden Wunsch ad hoc erfüllte, an den überproportional fetten Hüften eines jeden Polizisten hängt, ob männlich oder weiblich, und die einer der Hauptgründe dafür ist, daß Einsätze mit der Waffe so oft letal enden. Doch früher hieß es meist, der Schuß hätte sich irrtümlich gelöst, wohingegen heute sofort genau gezielt und scharf geschossen wird, wie bei jenem als Polizist verkleideten Autofahrer, der aus unmittelbarer Nähe durch das Seitenfenster des Wagens exekutiert wurde, wie wir es nur von der Mafia kennen.
Aber die Killer in Uniform bedürfen hierzulande nicht einmal der schützenden Hände korrupter Staatsanwälte oder Richter, um ungeschoren davonzukommen.
Denn in diesem Land verhindern schon die Gerichtsgutachter eine unbefangene Sicht auf den Vorfall, indem sie reflexartig von Notwehr, letztem Ausweg oder von Querschlägern, am liebsten aber von einer Verkettung unglücklicher Umstände, sprechen. Noch sehr gut in Erinnerung sind die Gutachten über Schwarzafrikaner, die während der Abschiebung im Flugzeug grausam erstickt wurden: Zwei Fremdenpolizisten hatten den an den Sitz gefesselten Mann den Kopf total mit Klebebändern umwickelt, sodaß nicht eine Pore offen blieb, geschweige denn Nase und Mund. Das Opfer erstickte unter qualvollen Umständen, was der Gutachter in Bukarest, wo der Tod festgestellt wurde, auch korrekt zu Papier brachte. Aber was wissen schon diese Balkanesen mit ihrer altertümlichen Ausstattung. Der Gerichtsmediziner in Wien fand als einziger einen bisher unentdeckt gebliebenen Herzfehler des getöteten Afrikaners, der die eigentliche Ursache des Sterbens desselben gewesen sein soll, wie übrigens bei vielen anderen gewalttätigen Einsätzen von Polizisten gegen Schwarzafrikaner mit letalem Finale; bei der Obduktion fanden die Gerichtsgutachter jedesmal einen bisher nicht erkannten Herzfehler - das ist leider kein schlechter Scherz sondern tödliche Realität in Österreich am Beginn des 21.Jh.,wo es jedem, der weder berühmt noch wohlhabend ist,
schlecht ergeht, wenn er in die Fänge einer sich in ihrer Macht gottähnlich fühlenden Polizei bzw. einer um nichts besseren Justiz geraten sollte.

Wir hatten Ideale

August 9th, 2008

Wir hatten Ideale,
Ein Ziel, viel Energie
Und wollten das totale
Primat der Theorie.

Die Wende kam, sie kam nicht so,
Wie wir uns das so dachten.
Der Zeitgeist schlug mit rechts K.O.
Und ging sofort ans Schlachten.

Da drehten wir uns schnell im Wind
Und heulten mit den Hunden.
Ja, damals waren wir so blind,
Das will ich laut bekunden.

Heut lieben wir den Markt, das Geld,
Das Wachstum ohne Grenzen
Beschleunigt bis ans End`der Welt.
Auf das wir glänzen, glänzen.

Nachtrag zur Exkursion…

August 9th, 2008

24 Stunden sind seit der Exkursion im Netz vergangen und die Irritation hat sich inzwischen gelegt. Die Hoffnung auf reiche Ernte lag darin begründet, daß, anders als der Buchmarkt, den ein Kartell der Kurzsichtigen beherrscht - gemeint ist die unheilige Dreifaltigkeit aus ahnungslosen, kommerzgeilen Verlegern samt impotentem Lektorenschwanz, den pseudointellektuellen Kritikern im Feuilleton sowie den Autoren, die ihr Schreiben danach ausrichten, von diesen Wichtelmännern der Literatur gewürdigt zu werden -das seit Jahrzehnten das Erscheinen von neuer Lyrik unterbindet, das Netz keine Vorabzensur selbsternannter Experten zuläßt. Außerdem eignet sich das Gedicht aufgrund seiner Kürze, seiner formalen Prägnanz sowie seiner Bildhaftigkeit als literarische Form viel besser für das Netz als Prosatexte, deren Umfang allein schon, z.B. bei Romanen, dem Lesen am Bildschirm im Wege steht. Die versfabrik.at wird jedenfalls den Vorteil, keinem Verleger in den Arsch kriechen - bzw. keinem Kritiker den käsigen Schwanz lutschen zu müssen, den ihr das Netz bietet, nützen, indem sie sich einzig der Literatur und dem Leser verpflichtet sieht, wobei es nicht um Anbiederung an den Leser geht, sondern schlicht um den Respekt, den er sich als Adressat der hier publizierten Texte verdient.

Einfach so hingesagt

August 8th, 2008

Sie haben mir die Haut vom Leib gezogen,
Hernach gevierteilt und zuletzt verbrannt.
Die Asche streuten sie vom Brückenbogen.
Ein Pfaffe hat die Seele noch verdammt.

Hoch in der Stratosphäre ziehn die Winde
Die Glut der Seele um die weite Welt,
Wo heute das Kommando haben Blinde,
Wo Kinder schlagen Alte tot für Geld.

Sie haben euch verkauft, verhöhnt, verraten.
Und was tut ihr, ihr sagt: Was solln wir machen?
Wie Schlachtvieh blökt ihr, echte Demokraten
Sperrn sich ins Scheißhaus, wo sie auch nicht lachen.