Versfabrik

Vers oder nicht Vers, das ist hier die Frage…

Die guten Ratschläge *

12. August 2022 by author

Bleibt mir vom Leib mit all den netten Leuten
Und ihrem ach so gut gemeinten Rat.
Gebt dem Matrosen Popey doch Spinat!
Bedarf ich seiner, meld ich mich beizeiten.

Doch sonst erspart mir solch Zutraulichkeiten,
Und sucht euch einen andren Kandidat`.
Bleibt mir vom Leib mit all den netten Leuten
Und ihrem ach so gut gemeinten Rat.

Geht doch ins Fitness-Center Bullen reiten.
Nehmt euch als Ball beim Spielen einen Schrat.
Kauft kleinen Kindern einen dünnen Draht,
Dann hören sie beim Schaukeln Engel läuten.
Bleibt mir vom Leib mit all den netten Leuten
Und ihrem ach so gut gemeinten Rat.

* für Gerda

Schizophren

4. August 2022 by author

Ich bin nicht ich und bin nicht du.
Ich weiß nicht, wer ich wirklich bin.
In meinem Kopf ist niemals Ruh,
In meinem Leben selten Sinn.

Ein fremdes Wesen fand die Tür
Und hat mein Ich zum Heim erwählt,
Hat es verwandelt zum Geschwür,
Und mich mit einem Nein vermählt.

Doch manchmal hab ich es im Griff,
Dann bin ich kurz nur wieder ich,
Bevor ich wie ein leckes Schiff
Zu Grunde sink elendiglich.

Du Hund *

23. Juli 2022 by author

Genaugenommen bist du bloß ein Hund,
Ein Heulbetrieb mit Hebebein und Schal,
An jedem Kotloch leckend und total
Fixiert auf Fressen, Saufen, Rammeln und

Mit Käfig vor dem schleimverklebten Mund,
Erbärmlich feig, gehorsam bis brutal.
Genaugenommen bist du bloß ein Hund
Ein Heulbetrieb mit Hebebein und Schal.

Du leidest leider an Gedankenschwund
Im Vollgalopp. Tatsächlich ein Skandal
Ist dein Verhalten, sklavisch trivial,
Und was weiß ich noch steht in dem Befund.
Genaugenommen bist du bloß ein Hund,
Ein Heulbetrieb mit Hebebein und Schal.

* für Gerda

Modemarionetten, weiblich *

14. Juli 2022 by author

Von schwulen Modemachern intentiert,
Sind Mädchen heute dürr, fast wie Skelette,
Als krumme Sklaven an der Zeitgeist-Kette,
Wie Schemen, körperlos und deplaziert

In dieser Welt, auf Puppen reduziert,
Indes sich ringsum blökend bläht das Fette,
Von schwulen Modemachern intentiert,
Sind Mädchen heute dürr, fast wie Skelette.

Ich weiß, auch anderes ist pervertiert,
Was ringsum läuft. Der Rauch der Zigarette
Beruhigt manchmal. Aber jede Wette
Halt ich, daß unser Weg ins Abseits führt.
Von schwulen Modemachern intentiert,
Sind Mädchen heute dürr, fast wie Skelette.

Anmerkung:
Ob schwul, ob bi, ob hetero,
Das ist mir so was von egal,
Wie ihr mit wem es treibt und wo,
Mit Onan oder nur anal.
Ein jeder tue, wie´s beliebt,
Solang er nicht die Umwelt trübt.

*für Gerda

Plan B

8. Juli 2022 by author

Die Luft ist runzelig und zäh wie Leder
Von einer abgewetzten Ärzte-Tasche.
Wir werden und wir werden ständig blöder.
Wir nehmen Formen an, die einer Flasche

Mit Hals und Kopf, da gibt es nichts zu streiten,
Und einem Bauch, gefüllt stets und sehr dick,
Falls uns die grauen Männer schneller reiten,
Dann wiehern wir in unsrem Schmerz vor Glück.

Die Straßen sind verstopft und die Kanäle.
Auch auf dem Trottoir ist niemals Ruh.
Heut hat mir wer gesagt, daß eine Seele
So weich ist wie die Fladen einer Kuh.

Ich sitze im Wagon und möchte lachen,
Wenn ich die Leute anschau, ist es Wahn,
Der mich gefangen hält, es gibt solch Sachen.
Doch andre meinen, alles läuft nach Plan.

Zeigt her eure Löcher

28. Juni 2022 by author

Sie reißen euch die
Ärsche auf bis  zur
Naht durchleuchten die
Scheiße und stopfen
Euch das Maul damit
Worauf ihr Bitte
Lallt und Dankeschön

Unwetter (FG)

18. Juni 2022 by author

Am Horizont dräun düstere Kohorten
Schafwölkchen rudeln ziellos um ihr Leben
Augäpfel wurmen hinter Wimperstäben
Rauchfahnen winden sich zu halben Worten

Senile Dächer husten Ziegelsteine
Sensible Bäume brechen sich die Zweige
Passanten kugeln über Bürgersteige
Schoßhündchen wedeln durch die Luft samt Leine

Und Blitze fahrn in Häupter und aus Händen
Ein Donnerschlag verbeult das Firmament
Die Hausfassaden krächzen impotent
Die Fensterrahmen flüchten aus den Wänden

Staub scheuert Leute ohne lang zu fragen
Windzungen lecken Ohrenschmalz in Moll
Der Regen tanzt auf Straßen Rock ‘n Roll
Den steifen Göttern platzt der sture Kragen

Dichterfantasie

9. Juni 2022 by author

Ach, ich wär so gerne so was wie ein Dichter.
Möchte meine Wörter auf den Bildschirm rotzen,
Dass die Pickel nächtens leuchten wie Laternen,
Von den Käsestangen in verlausten Votzen,
Die den Juckreiz auserwähln zum höchsten Richter,
Über Schweißfußkämpen in Kausalkasernen,
Möcht ich meine Wörter in die Netze kotzen.

Stadt (T)

2. Juni 2022 by author

Die Hausfassaden
Beobachten mich manchmal
Grinsen sie lustlos
Aber heute stieren sie
So stumpf wie Idioten
Auf die schweigenden Straßen

An einem dieser Nachmittage

19. Mai 2022 by author

An einem dieser Nachmittage,
Wenn Zufall alles kontrolliert,
Da krachte aus dem Lot die Waage.
Ich hab´s in jedem Nerv gespürt,
Dass nichts mehr war wie kurz zuvor.

Der Regen trommelt an die Scheiben
Wie Fingerknöchel an die Tür
Und zwingt mich, wo ich bin, zu bleiben:
Im Teehaus, aber nicht bei mir.
In den Gedanken irgendwo

Weit draußen auf dem Feld der Lügen,
Wo eine Schlacht die nächste zeugt,
Wo Wörter stürzen, statt zu fliegen,
Ein Stiefel deinen Rücken beugt,
Als Zeichen, Zeugnis und als Lohn.

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