Versfabrik

Vers oder nicht Vers, das ist hier die Frage…

Sonne, Mond und Wellen *

12. Juni 2019 by author

Komm, lass uns doch für eine Weile plauschen,
Gleich hier, nur du und ich, von Mund zu Mund.
Hörst du die Wellen in den Ohren rauschen
Bei all dem Schweigen ringsum ohne Grund.

Siehst du am Horizont die Dromedare
Nach Norden ziehn, zu einem kühlen Ort.
Dort meißeln Männer das Gesicht der Jahre,
Und tausend Zäune trägt ein einzig Wort.

Wir wollen lieber in den Dünen bleiben,
Am Meer, und wenn die Sonne untergeht,
Beginnen wir im Dunklen fortzutreiben,
Indes ein voller Mond am Himmel steht.

* für Gerda

Status

2. Juni 2019 by author

Die Jahre, die vergangen sind,
Die hatten spitze Zähne.
Heut bin ich beinah taub und blind,
Es gibt auch keine Pläne

Für jenen Sumpf, der vor mir liegt,
Für aufgedrehte Münder.
Ich seh das Leben, wie es flieht.
Ich seh die stumpfen Kinder.

Ich drehe mich herum im Kreis,
Ich kann die Krankheit riechen.
Ich spüre es noch mehr, ich weiß
Wer leben will, muss kriechen.

Mohn (T)

30. Mai 2019 by author

In meinen Schläfen
Wurzelt der Mond der volle
Doch an den  Lippen
Friert der Tau zu spitzem Eis
Und bohrt sich tief in das Herz

Marktschluß (FG)

22. Mai 2019 by author

Die Käufer fließen ringsab in die Gassen
Die Bettler schimmeln um die Marktkapelle
Dahinter öffnen schmierige Bordelle
Die Tauben landen auf den Schlafterassen

Die Arbeitszeit verflacht im Ausgedinge
Rolläden rasseln nieder aus Metall
Am Horizont ertrinkt ein roter Ball
Taglöhner tragen dunkle Augenringe

Motoren fangen zornig an zu brüllen
Container schlucken gierig Müll und Früchte
Der Wind verbreitet staubige Gerüchte
Zu Haus erzeugt der Alkohol Idyllen

Die Hütten bleiben leergeräumt zurück
Laternen uriniern auf den Asphalt
Der Mond klebt zwischen Wolken krumm und kalt
Die Abfallsammler haben heut kein Glück

Die rote Fahne

15. Mai 2019 by author

Steine knirschen höhnisch unter meinen Füßen,
Doch dann schluckt ein dichter Nebel jeden Laut,
Während die Gedanken stets nach Süden fließen,
Warten Krokodile, bis der Morgen taut,

In den seichten Ufersümpfen, ihre Blicke
Zielen auf mich durch das graue Dämmerlicht.
Doch es ist der Tag, sein Antlitz spiegelt Tücke,
Der das ferne Echo an den Schläfen bricht.

Träume enden nicht, sie laufen schneller,
Da ein dünner Mond in schwarzen Flammen steht,
Und im Osten steigt der Morgen heller
Mit dem Wind, in dem die rote Fahne weht.

Datura

6. Mai 2019 by author

Durch dunkle Gassen
Rollt ein dicker Mond und singt
Vergessene Lieder

Vom Strauch der Götter
Mit violetten Blüten
Die wie Trompeten

Sich öffnen zum Licht
Voll mit Stacheln ist das Kleid
Der grünen Früchte

An den Wänden im
Tempel hängen Tierköpfe
Und sprechen mit mir

Über den Torso
Einer verwunschenen Welt
Wo alles nackt ist

Bevor ein Nebel
Auf meine Gedanken fällt
Und der Mond aufbricht

Wie eine reife
Melone in zwei Hälften
Mit schrillem Gewürm

Dunkle Früchte

28. April 2019 by author

Was für ein Traum: Die Hausfassaden rot lackiert
Ringsum, die Straßen braun, der Himmel schwarz wie Kohlen,
Ein blauer Mond, der zitternd meinen Hals berührt,
Und aus den Fenstern schießen Leute mit Pistolen
Auf dicke Hunde, die von den Laternen hängen,
Am Horizont ein Schiff voll finsterer Korsaren,
Die sich in Eisenstiefeln auf den Planken drängen,
Mit Bärten bis zum Bauch und grün verfilzten Haaren,
Die Kinder kommen heim am Kopf mit Drahtgestellen,
Weil ihre Eltern im Zickzack und rückwärts rennen,
Dazwischen schlängeln sich Minuten wie Forellen
Im Strom der Zeit, wo die Gedanken heller brennen.

Hexen

22. April 2019 by author

Um einen hohen
Finger aus Stein, der aufzeigt
Zum Himmel, singen

Und tanzen wir nackt
Mit Wölfen im Kreis, vom Mond
Verzaubert, der Wind

Träumt in deinen schwarz
Glänzenden Haaren, silbern
Schweigen die Sterne.

Meine Poren sind
Höhlen, die reichen tief in
Den Leib der Erde,

Und heraus sprießen
Blaue Blumen und Bäume,
Nacht schattet mein Herz.

Ich öffne den Mund
Voller Spinnen mit tausend
Und noch mehr Augen;

Während dort unten
Im engen Tal die Zwerge
Sich rüsten zum Mord,

Fliegen wir hoch in
Die Lüfte, reiten das Tier
Mit Hörnern aus Stahl.

Tau netzt die Schläfen,
Und die Glut der Gedanken
Brennt von Pol zu Pol.

Der dunkle Kontinent

14. April 2019 by author

Ich hab mich verirrt
Im Dickicht meiner
Gedanken streifen
Hyänen an den
Ufern der Flüße
Auf Beute lauernd
Oder uralte
Zedern träumen vom
Tod in lehmigen
Stiefeln und Gibbons
Schaukeln an langen
Schwänzen vom Astwerk
Dämmert der Abend
Unter den kalten
Augen des Mondes
Auch viel anderes
Getier haust in der
Wildnis der weiten
Zwischen den Schläfen
Atmen die Winde
Den Dünkel der Zeit
Ans Herz greift die Furcht
Mich auf Grund meiner
Selbst zu zerschellen
Fern am Horizont
Hängt der Himmel ein
Umgestülptes Meer
Auf Stelzen aus Stein

Die Eroberer

8. April 2019 by author

Lasst bleiben den Mond
Der alte Schwere
Nöter braucht Schminke
Braucht Krücken vielleicht
Wär’s besser ihn ganz
Zu vergessen ja
Zart ist die Haut der
Venus ein Mädchen
Schön wie der Morgen
Im glitzernden Tau
Wir aber wollen
Über die Grenzen
Wolln trinken Benzin
Und träumen vom Mars
Denn fremd sind wir selbst
Uns geworden schon
Längst mit Raketen
Und Wörtern wollen
Wir brennen wie einst
Die Barbaren als
Blutige Fackeln
Im lichtlosen All

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