Juni (S)

Juni 20th, 2024

m Efeu hausen fette China-Wanzen,
In jedem Zustand, Eier, Nymphen, Stinker.
Vom Fenster gegenüber glotzt der Trinker
Auf Mücken, die um seine Fratze tanzen.

Die Hitze treibt Gewürm aus allen Poren
Und auch die Worte stinken schon im Mund.
Wer weiß, ist es ein Tag, ist es ein Hund?
Am Bildschirm ist, wie immer, nichts verloren.

Der Sommer kommt anscheinend in die Jahre.
Aus seinem Hintern wachsen spitze Zähne
Und beißen knirschend in die Arschfanfare.

Ein Dummkopf macht ganz eifrig neue Pläne,
Indes die Wälder brennen. Und wir blicken
In keine Zukunft, denn die Bomben ticken.

Wahn (TS)

Juni 9th, 2024

Aus Träumen hochgeschreckt, im Bad, vorm Spiegel,
Aus dem ein Alligator mürrisch blickt,
In meine Augen, bis der Schädel tickt
Wie eine Bombe. Hätte ich doch Flügel

Für all die Tage, Wochen, für das Leben.
Um aufzusteigen aus dem Sumpf der Leute
Und wegzubiegen vor dem hier und heute,
Statt durch den Dreck zu schlingern und zu kleben.

Ich habe das so tun als ob echt satt,
Die Ego-Filmerei, das Daseinsspiel,
Die betonierte Wüste namens Stadt.

Ich fürchte schwarze Bärte unter Steinen.
Ein Sichelmond verstopft das Hauptventil.
Und dicke Hunde landen auf acht Beinen.

Sommersprossen

Juni 4th, 2024

Sechs Leoparden im Geschirr vorm Wagen,
Vom Mars zum Jupiter und immer weiter.
Milchstraßen ziehn an mir vorbei. Wir jagen
Ins tiefe All, verfolgt vom blauen Reiter.

Die Sterne funkeln, die Kometen blühen.
Gedanken drehen heftig Pirouetten.
Die Wörter fallen aus dem Mund. Sie fliehen
Ins wüste Land. Ich brauche Zigaretten.

Mein kleiner Kahn treibt in den sanften Wellen
Des Archipels aus Sommersprossen. Wind
Schläft in den Segeln. Träume von Libellen,
Die sich verwandeln, plötzlich Wespen sind.

Die alte Fahne

Mai 21st, 2024

Steine knirschen höhnisch unter meinen Füßen,
Doch dann schluckt ein dichter Nebel jeden Laut,
Während die Gedanken stets nach Süden fließen,
Warten Krokodile, bis der Morgen taut,

In den seichten Ufersümpfen, ihre Blicke
Zielen auf mich durch das graue Dämmerlicht.
Doch es ist der Tag, sein Antlitz spiegelt Tücke,
Der das ferne Echo an den Schläfen bricht.

Träume enden nicht, sie laufen schneller,
Da ein dünner Mond in schwarzen Flammen steht,
Und im Osten steigt der Morgen heller
Mit dem Wind, in dem die alte Fahne weht.

Datura

Mai 5th, 2024

Durch dunkle Gassen
Rollt ein dicker Mond und singt
Vergessene Lieder

Vom Strauch der Götter
Mit violetten Blüten
Die wie Trompeten

Sich öffnen zum Licht
Voll mit Stacheln ist das Kleid
Der grünen Früchte

An den Wänden im
Tempel hängen Tierköpfe
Und sprechen mit mir

Über den Torso
Einer verwunschenen Welt
Wo alles nackt ist

Bevor ein Nebel
Auf meine Gedanken fällt
Und der Mond aufbricht

Wie eine reife
Melone in zwei Hälften
Mit schrillem Gewürm

Frühlings Erwachen (T)

April 26th, 2024

Aus der Nase fließt
Ein roter Zeppelin taucht
Ein ins Blütenmeer
Das dem Wind die Sporen gibt
Voll Käfer die Gedanken

Zukunft

April 14th, 2024

Die Augen brennen und die Nase rinnt.
Wir schreiten schneller als erwartet fort.
Die Kehle ausgedörrt, der Körper schwitzt.
Die Zukunft, die wir schaffen, ist ein Ort,
Wo das gerühmte Zweibein nicht gewinnt.
Nein, Kakerlaken, Wanzen herrschen dort.
Und wir, wir hinterlassen Berge Müll,
Wo einzig der Gestank noch hausen will.

Ballade vom kurzen Leben (St)

April 1st, 2024

Ins blinde Auge
Einer zu engen Welt
Gepresst voll Schmerz
Auf öffentlicher
Toilette von der
Mutter genabelt
Und mit Lippenstift
Den Namen Jesus
Auf die Brust gemalt
Hernach abgelegt
Im Müllcontainer
Vorm Hauptbahnhof
Von Bettlern entdeckt
Durch schwaches Wimmern
Ins Spital gebracht
Und dort verstorben
Nach ein paar Tagen
Verscharrt irgendwo
Oder konserviert
Im Spiritusglas

* Neufassung des Gedichts “Jesus” vom 13.1.10

Sommerzeit (St)

März 24th, 2024

Über den spitzen
Köpfen der ziellos
Wabernden Massen
Spreizt sich das Gift
Am Himmel darin
Ein gelbes Auge
Den Leib Welt entblößt
Heulend und hupend
Kriecht Blechgewürm auf
Gekreuzten Pisten
Von Plakaten grinst
Das Glück der Sieger
Ein heißer Wind reibt
Sich an Hausfassaden
In der U-Bahn platzt
Fett aus den Nähten
Auf der Kellertreppe
Döst ein alter Hund
Weiter unten hängt
Zwischen Gerümpel
Mit Pilzbefall eine Puppe
Mit grauem Gesicht

Du aber (St)

März 10th, 2024

Mit Bambustöcken
Schlagen wir auf die
Kniescheiben der Zeit
Trinken den Wein in
Vollen Zügen den
Roten und tanzen
Flamenco unter
Dem Schein des Mondes
Der sanft fließt in die
Offenen Fenster
Tiefer Gedanken
Du aber stehst im
Schatten des Ahorns
Und Tränen dunkeln
Dein Lied auf dem Grund
Der Verzweiflung wo
Die Träume hausen
Als Bettler im Müll