Versfabrik

Vers oder nicht Vers, das ist hier die Frage…

An einem dieser Nachmittage

19. Mai 2022 by author

An einem dieser Nachmittage,
Wenn Zufall alles kontrolliert,
Da krachte aus dem Lot die Waage.
Ich hab´s in jedem Nerv gespürt,
Dass nichts mehr war wie kurz zuvor.

Der Regen trommelt an die Scheiben
Wie Fingerknöchel an die Tür
Und zwingt mich, wo ich bin, zu bleiben:
Im Teehaus, aber nicht bei mir.
In den Gedanken irgendwo

Weit draußen auf dem Feld der Lügen,
Wo eine Schlacht die nächste zeugt,
Wo Wörter stürzen, statt zu fliegen,
Ein Stiefel deinen Rücken beugt,
Als Zeichen, Zeugnis und als Lohn.

Ein dicker Fuß

28. April 2022 by author

Heut gibt´s von mir für keinen einen Gruß.
Nicht jede Stunde eignet sich zum Küssen.
Ich hab´ Probleme mit dem linken Fuß.
Doch das Warum, das braucht ihr nicht zu wissen.
Ich weiß es selbst nicht, nun, was soll ich sagen?
Vielleicht, dass Dummheit sich oft hüllt in Fragen.

Lausige Tage (FG)

11. April 2022 by author

Ein mürbes Zinshaus irgendwo in Wien
Ein Zimmer Küche und das Klo am Gang
Erinnerung währt manchmal viel zu lang
Die Jahre brennen schneller als Benzin

Ein Tag ist wie der andere beschissen
Die Leute jammern jeder braucht Moneten
Die Beine knirschen und die Hände beten
Betäubung hilft im Traum vielleicht auch Küssen

Die Hoffnung wohnt auf einem fremden Stern
Der Putz beginnt sich selbstlos abzuschälen
Das Klopfen an die Tür will mich nur quälen
Die Fäulnis frisst sich tiefer bis zum Kern

Die Schaukel *

26. März 2022 by author

Lass den Josef nicht verhungern, mach
Mir die Flöte für das Zwischenspiel.
Wendeltreppen führn hinauf zum Dach,
Und im Keller haust ein Krokodil.

Zwischen blauen Polen träumt mein Reich.
Karawanen ziehn den Schorf von Tagen
In die Mitte, lagern um den Teich,
Während aus der Ferne Hunde klagen.

Schatten steigen aus den weißen Wänden,
Tanzen Walzer um das Kerzenlicht.
Funken spiegelt der Kristall in Händen,
Und ein Lächeln schminkt zart dein Gesicht.

*für Gerda

Die Zähne des Katers

17. März 2022 by author

Früh morgens trinke
Ich ein Glas Ballantines auf
Das Seufzen der Welt

Mittags erwach ich
Im Klosett Erbrochenes
Als Kissen um mich

Am Abend steig ich
Auf den Hügel und klage
Den Wolken mein Leid

Wo Mensch Mensch ist *

2. März 2022 by author

Der Ort , der alle gleich macht, ist das Klo,
Der Ort, wo jeder Mensch ein Mensch nur ist,
Ein Wesen, das viel säuft und noch mehr frisst,
Ob Schwuchtel, Schwattler oder Hetero.

Wer von euch kennt nicht das Szenario
Beim harten Stuhlgang oder wenn er pisst?
Der Ort, der alle gleich macht, ist das Klo,
Der Ort, wo jeder Mensch ein Mensch nur ist,

Verkrampft beim Reingehn, beim Verlassen froh,
Ob Bauer, Pfaffe oder Polizist,
Wenn in der Muschel schwimmt der ganze Mist,
Dann fühlt ihr euch als großer Zampano.
Der Ort der alle gleich macht, ist das Klo,
Der Ort, wo jeder Mensch ein Mensch nur ist.

* für Gerda

Zimmer ohne Aussicht (FG)

21. Februar 2022 by author

Eng Arsch an Arsch knarrn Ablaufkandidaten
Humankompost gärt in der Warteschleife
Der Virenzirkus tanzt zur Panik-Pfeife
Hier mault und fault die Krone der Primaten

Hier tummeln sich die Hülsen der Symptome
Bronchitis tuschelt röchelnd mit Arthrosen
Hämorrhoiden pflanzen Gürtelrosen
Im Zystenalltag lecken Schmerzkondome

Von Arzt zu Arzt verfettet der Befund
Krampfadern blubbern in gebeizter Rinde
Vieldärmig pfeift es im Palast der Winde
Rezepte machen räudig wie ein Hund

Und Jahr um Jahr verkommt im Allgemeinen
Hohlköpfe füllt primär Prothesenneid
Schweißfüße gehen manchem viel zu weit
Wär´s nicht so eklig wär´s vielleicht zum Weinen

(2006)

Aus schwarzen Mauern *

12. Februar 2022 by author

Aus schwarzen Mauern lauschen rote Ohren,
Und Schädelhülsen glotzen von der Decke.
Ein feistes Arschloch furzt in jeder Ecke,
Im Otto-Takt von stinkenden Motoren.

Am Tisch ein Bildschirm, Sattelzeug und Sporen
Am Stuhl bereit. Gedanken voll mit Zecken.
Aus schwarzen Mauern lauschen rote Ohren,
Und Schädelhülsen glotzen von der Decke.

Am Türknauf hängt ein Hampelmann verloren.
Am Boden hündisch heulendes Gelecke,
Im frischen Blut der schmutzigen Bestecke.
Die Zeit verstirbt und wird zugleich geboren.
Aus schwarzen Mauern lauschen rote Ohren
Und Schädelhülsen glotzen von der Decke.

*für Gerda

Sarmakand *

6. Februar 2022 by author

Schwester, willst du mit mir gehen
In das ferne Sarmarkand,
Wo sich Mensch und Tier verstehen
Wie im Regenbogenland,
Wo in himmelhohen Bäumen
Vögel singen, hell und klar,
Wollen wir gemeinsam träumen;
Während Blüten in dein Haar
Wie gehauchte Kronen schweben,
Ist die Welt so schön, so weit,
Daß es Freude macht zu leben.
Schwester, bist du schon bereit?

* für Gerda

Ohne Rast und Ruh *

27. Januar 2022 by author

Immer unterwegs
Von einem Land zum nächsten
In den Gedanken

Immer unterwegs
Von Stadt zu Stadt und übers
Meer im Flug der Zeit

Immer unterwegs
Bin ich seit Anbeginn
Auf meinem Weg zu dir.

* für Gerda

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