Versfabrik

Vers oder nicht Vers, das ist hier die Frage…

Die Selbstverliebten

25. November 2022 by author

Was seid ihr doch für Pfeifenstierler
Hosenbrunzer warme Würstchen
Devot bis zum Erbrechen
Und feige fast zum Fürchten
Was hat euch so gemacht und wer
Daß die Gedankenfäule Früchte trug
Was habt ihr selbst dafür getan
Daß jeder Spiegel sich in Scherben
Lacht wenn er die Gesichter sieht
Den stieren Blick
Ihr wißt es selbstverständlich
Nicht habt nie noch irgendwas gewußt
Außer vielleicht das Eine
Das hier ungenannt bleibt

Gedankenschotter (St)

13. November 2022 by author

Kängurus tanzen
In gelben Gummi
Stiefeln auf dem Dach
Tango beim Grillfest
Im Garten beißt ein
Polizist allen
Die ein Lied singen
Wollen knirschend die
Daumen aus ihren
Händen während an
Anderer Stelle
Ein Radfahrer sich
Heroin in die
Rostschwarze Eichel
Schießt wie das klingelt
Später im Schatten
Der Vernunft strampeln
Auf tausend Füßen
Gedanken im Kreis
Halbtags in Ketten
Zwischen die schmalen
Lippen den Knebel
Geschraubt mit Speichel
Saft nackter Nonnen
Aus dem Kaukasus
Frei Haus gekarrt statt
Der versprochenen
Sandalen aus Blech

Die Maschen der Zeit (St)

6. November 2022 by author

Ein rot gleißendes
Stahlnetz um den Leib
Geschnürt die Maschen
Eng die Drähte scharf
Darin sich über
Jahre fängt der Müll
Der Zeit ist das Ich
Gedrosselt Du
Ein seichter Traum auf
Krücken die Wörter
Mit Bajonetten
In Zungen geritzt
Die Augen schwarze
Äpfel an einem
Faden hängt das Glück
Über den Köpfen
Der Menschen schaukelt
Bis der Himmel reißt
Abends trennen sich
Schatten und Werfer
Ein blaues Kamel
Treibt am Horizont
In die Dämmerung
Während im Westen
Nichts Neues gastiert

Gespenster (St)

24. Oktober 2022 by author

Siehst du die Zeichen
Hingeschmiert an die
Wände aus Beton
Ein Gespenst sagt mann
Geht um und nimmt Maß
Von den Bildschirmen
Greift es den Kopf in
Händen haltend nach
Dir auf der Straße
Folgt es den Spuren
Wie neuschwänzige
Katzen schwanzlose
Hunde bös trillernd
Ein fauliges Lied
Die Brotaufstreicher
Haben die Fenster
Mit Talg tapeziert
Staub wohnt in nackten
Matratzen Staub den
Wir atmen morgens
Und mittags und nachts
Stauben wir selbst sind
Mumien Männer
Frauen und Kinder
Den Mund voll Pürre
Für Kotau und Kunst

Berg und Tal (St)

14. Oktober 2022 by author

Auf den Gipfeln der
Blauen Berge stehn
Nackte Skulpturen
Wie Riesen groß vor
Himmlischen Spiegeln
Haust ein flüchtiger
Gast im Wolkenschloss
Das Haupt aus Blei die
Brüste auf den Leib
Geschraubt die Beine
Verwanzt bis zum Schritt
Tag für Tag entfacht
Sich die Sonne und
Augen aus Stein zu
Neuem Leben rollt
Die Flut der Blicke
Sengend und seufzend
Hinab ins Tal trifft
Menschen Massen die
Treiben wie Korken
Auf brüchiger See
Furcht und Schatten
Pflücken die Wächter
Gehorsam die Tage
Gepflegt ohne Not

Radspur (St)

9. Oktober 2022 by author

Schon lange gehen
Wir nicht mehr zu Fuß
Rollen stets schneller
Werdend und tiefer
Hinab ins Gefecht
Wo Hohn uns abfüllt
Mit müdem Kaffee
Morgens schlägt uns der
Spiegel die Augen
Trübe während das
Ticken der Uhren
Ins Trommelfell sticht
Wie Dornen im Takt
Von Termiten sind
Deine Gedanken
Entlaubtes Gesträuch
Im bissigen Wind
Was bleibt fragst du bloß
Schleim der überall
Glitzert und klebt auf
Flügeln aus Pappe
Und Krücken olé
Klatschen Passanten
Auf den Mauern mit
Bröckelnden Hufen
Später am Abend
Ringen wir lustlos
Das Geziefer zu Bett
Und träumen hernach
Viel vom Anderssein

Zwischen gestern und morgen (St)

27. September 2022 by author

Unter den Augen
Stielen die aus dem
Gesicht des Himmels
Ragen die Spuren
Der Schläfer speichern
Hülsen ohne Frucht
Auf nacktem Papier
Hilflos über den
Ölig glänzenden
Wellen des Flußes
Auf zwei Pfeilern der
Eine ins Gestern
Gerammt der andere
Zum Morgen quert die
Brücke das Heute
Rollen die Stunden
Durch das Dunkel der
Nacht und verdämmern
Im Kommenden von
Gier umzingelt und
Wieder durch Brillen
Begafft liegt das Jetzt
Das Kreuz gebrochen
Im Staub ein roter
Fleck auf der Straße

Vor dem Umzug

19. September 2022 by author

In meiner Wohnung türmen sich Kartons und volle Kisten
Und an den Wänden kleben, schon verschmiert, Gedächtnislisten
Von jenen Dingen, die sich immer wie von selbst verstecken.
Ich schau durchs Fenster, auf dem Gehsteig spielt ein Hund Klavier
Mit seiner Schnauze. Plötzlich klopft wer heftig an die Tür.
Die Nachbarin verlangt, ich soll ihr noch die Zehen lecken.

Das Schweigen der Wörter

10. September 2022 by author

Die Tage kommen
Und gehn als wären
Sie Schemen nichts bleibt
Vom Fluß der Stunden
Dem monotonen
Haften nur fremde
Stimmen die den Kopf
Mit dissonanten
Sonaten bespieln
Nichts bleibt ein Schleier
Deckt zu das Gestern
Das Heute gewebt
Aus dunklem Speichel
Mürrischer Münder
In einer kalten
Hütte weit draußen
Hingehaucht auf die
Knöcherne Erde
Der Ahnen liegen
Die Wörter ganz eng
Beisammen ohne
Ordnung unter Staub
Liegen sie verbraucht
Und vergessen hab
Ich wann oder wo
Die Hoffnung verbrannt
Ist Asche mein Herz

Die schrägen Strahlen (T)

1. September 2022 by author

Die schrägen Strahlen
Der Sonne machen Zwerge
Zu Riesen abends
Schwanken die hohen Pappeln
Im kühler werdenden Wind

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