Versfabrik

Vers oder nicht Vers, das ist hier die Frage…

Zwischen gestern und morgen (St)

27. September 2022 by author

Unter den Augen
Stielen die aus dem
Gesicht des Himmels
Ragen die Spuren
Der Schläfer speichern
Hülsen ohne Frucht
Auf nacktem Papier
Hilflos über den
Ölig glänzenden
Wellen des Flußes
Auf zwei Pfeilern der
Eine ins Gestern
Gerammt der andere
Zum Morgen quert die
Brücke das Heute
Rollen die Stunden
Durch das Dunkel der
Nacht und verdämmern
Im Kommenden von
Gier umzingelt und
Wieder durch Brillen
Begafft liegt das Jetzt
Das Kreuz gebrochen
Im Staub ein roter
Fleck auf der Straße

Vor dem Umzug

19. September 2022 by author

In meiner Wohnung türmen sich Kartons und volle Kisten
Und an den Wänden kleben, schon verschmiert, Gedächtnislisten
Von jenen Dingen, die sich immer wie von selbst verstecken.
Ich schau durchs Fenster, auf dem Gehsteig spielt ein Hund Klavier
Mit seiner Schnauze. Plötzlich klopft wer heftig an die Tür.
Die Nachbarin verlangt, ich soll ihr noch die Zehen lecken.

Das Schweigen der Wörter

10. September 2022 by author

Die Tage kommen
Und gehn als wären
Sie Schemen nichts bleibt
Vom Fluß der Stunden
Dem monotonen
Haften nur fremde
Stimmen die den Kopf
Mit dissonanten
Sonaten bespieln
Nichts bleibt ein Schleier
Deckt zu das Gestern
Das Heute gewebt
Aus dunklem Speichel
Mürrischer Münder
In einer kalten
Hütte weit draußen
Hingehaucht auf die
Knöcherne Erde
Der Ahnen liegen
Die Wörter ganz eng
Beisammen ohne
Ordnung unter Staub
Liegen sie verbraucht
Und vergessen hab
Ich wann oder wo
Die Hoffnung verbrannt
Ist Asche mein Herz

Die schrägen Strahlen (T)

1. September 2022 by author

Die schrägen Strahlen
Der Sonne machen Zwerge
Zu Riesen abends
Schwanken die hohen Pappeln
Im kühler werdenden Wind

Komm tanz mit mir *

22. August 2022 by author

Die Hände fliegen über Tablas, die Gitarre
Spielt auf, und Flöten pfeifen eine Melodie.
Komm, öffne jetzt den Knoten deiner langen Haare,
Und laß uns unterm Regenbogen tanzen wie
Hoch in den Lüften mit dem Wind der Kormoran.

Zuvor wolln wir den Nektar wilder Pflanzen trinken,
Daß alle Schranken hochgehn bis zur letzten Tür,
Wo Tag und Nacht sich kosend in die Arme sinken.
Beim Hin und Her, beim Auf und Ab im Traumrevier
Befinden wir uns Aug in Aug mit dem Orkan.

Es sieht beinah so aus, als würden wir still stehen,
Derweil die Dinge um uns wie entwurzelt rasen,
Obwohl es wir sind, die sich schnell und schneller drehen,
Bevor die Hörner noch ein steiles Solo blasen,
Und wir auf tiefem Wasser landen wie der Schwan.

* für Gerda

Die guten Ratschläge *

12. August 2022 by author

Bleibt mir vom Leib mit all den netten Leuten
Und ihrem ach so gut gemeinten Rat.
Gebt dem Matrosen Popey doch Spinat!
Bedarf ich seiner, meld ich mich beizeiten.

Doch sonst erspart mir solch Zutraulichkeiten,
Und sucht euch einen andren Kandidat`.
Bleibt mir vom Leib mit all den netten Leuten
Und ihrem ach so gut gemeinten Rat.

Geht doch ins Fitness-Center Bullen reiten.
Nehmt euch als Ball beim Spielen einen Schrat.
Kauft kleinen Kindern einen dünnen Draht,
Dann hören sie beim Schaukeln Engel läuten.
Bleibt mir vom Leib mit all den netten Leuten
Und ihrem ach so gut gemeinten Rat.

* für Gerda

Schizophren

4. August 2022 by author

Ich bin nicht ich und bin nicht du.
Ich weiß nicht, wer ich wirklich bin.
In meinem Kopf ist niemals Ruh,
In meinem Leben selten Sinn.

Ein fremdes Wesen fand die Tür
Und hat mein Ich zum Heim erwählt,
Hat es verwandelt zum Geschwür,
Und mich mit einem Nein vermählt.

Doch manchmal hab ich es im Griff,
Dann bin ich kurz nur wieder ich,
Bevor ich wie ein leckes Schiff
Zu Grunde sink elendiglich.

Du Hund *

23. Juli 2022 by author

Genaugenommen bist du bloß ein Hund,
Ein Heulbetrieb mit Hebebein und Schal,
An jedem Kotloch leckend und total
Fixiert auf Fressen, Saufen, Rammeln und

Mit Käfig vor dem schleimverklebten Mund,
Erbärmlich feig, gehorsam bis brutal.
Genaugenommen bist du bloß ein Hund
Ein Heulbetrieb mit Hebebein und Schal.

Du leidest leider an Gedankenschwund
Im Vollgalopp. Tatsächlich ein Skandal
Ist dein Verhalten, sklavisch trivial,
Und was weiß ich noch steht in dem Befund.
Genaugenommen bist du bloß ein Hund,
Ein Heulbetrieb mit Hebebein und Schal.

* für Gerda

Modemarionetten, weiblich *

14. Juli 2022 by author

Von schwulen Modemachern intentiert,
Sind Mädchen heute dürr, fast wie Skelette,
Als krumme Sklaven an der Zeitgeist-Kette,
Wie Schemen, körperlos und deplaziert

In dieser Welt, auf Puppen reduziert,
Indes sich ringsum blökend bläht das Fette,
Von schwulen Modemachern intentiert,
Sind Mädchen heute dürr, fast wie Skelette.

Ich weiß, auch anderes ist pervertiert,
Was ringsum läuft. Der Rauch der Zigarette
Beruhigt manchmal. Aber jede Wette
Halt ich, daß unser Weg ins Abseits führt.
Von schwulen Modemachern intentiert,
Sind Mädchen heute dürr, fast wie Skelette.

Anmerkung:
Ob schwul, ob bi, ob hetero,
Das ist mir so was von egal,
Wie ihr mit wem es treibt und wo,
Mit Onan oder nur anal.
Ein jeder tue, wie´s beliebt,
Solang er nicht die Umwelt trübt.

*für Gerda

Plan B

8. Juli 2022 by author

Die Luft ist runzelig und zäh wie Leder
Von einer abgewetzten Ärzte-Tasche.
Wir werden und wir werden ständig blöder.
Wir nehmen Formen an, die einer Flasche

Mit Hals und Kopf, da gibt es nichts zu streiten,
Und einem Bauch, gefüllt stets und sehr dick,
Falls uns die grauen Männer schneller reiten,
Dann wiehern wir in unsrem Schmerz vor Glück.

Die Straßen sind verstopft und die Kanäle.
Auch auf dem Trottoir ist niemals Ruh.
Heut hat mir wer gesagt, daß eine Seele
So weich ist wie die Fladen einer Kuh.

Ich sitze im Wagon und möchte lachen,
Wenn ich die Leute anschau, ist es Wahn,
Der mich gefangen hält, es gibt solch Sachen.
Doch andre meinen, alles läuft nach Plan.

« Vorhergehende Einträge