Besuch bei Nacht *

Mai 16th, 2012

Ich schau zum Fenster raus. Es dämmert schon.
Der Notarzt und die Bullen sind gerufen.
Ich warte jetzt auf bröckeligen Hufen.
Trotz voller Speicher giert der Skorpion.

Sirenen. Gestern war es noch das Leben.
Am Abend kam der Onkel mit Geschenken
Von den Bahamas. Gleich ging´s ans Versenken,
Im Ozean bis auf den Grund zu schweben.

Es war ein Uhr, als dich der Schlaf berührte.
Ich zog noch eine Runde, folgte dann
Und träumte rote Pferde. Irgendwann

Bin ich im Dunklen aufgewacht. Ich spürte
Den fremden Gast. Die Tür stand einen Spalt
Weit offen. Deine Haut war eisig kalt.

* für die Zwillinge Peter und Christian

Luftig leben

Mai 14th, 2012

Der Bauch des Himmels ist voll grauer Flecken
Am frühen Morgen. Der Minuten Schlamm
Verklebt die Augen. Gebt mir einen Kamm,
Denn statt der Haare wachsen mir nur Schnecken

Am Kopf. Die Menschen auf den Straßen, alle,
Sind nackt vom Nabel abwärts. Kein Igitt.
Ich laß die Hosen runter und mach mit.
Im Keller wartet schon die Gartenkralle.

Wohin ich blicke, sammeln sich die Leute.
Dazwischen jaulen aufgeregte Hunde.
Jetzt gilt´s. Jetzt schließen wir die Wunde.

Schnell wird die Masse eine wilde Meute.
Die Zähne reißen Löcher in den Bauch,
Den grau gefleckten. Ringsum krümmt sich Rauch.

Wien vertikal

Mai 8th, 2012

Ein Riesenrad befährt das Salz der Stunden
Ein Kleinformat maskiert sich mit Moral
Die Himmelpforte gängelt Kapital
Die Gruft beheizt nicht stubenreine Kunden

Im Kino läuft das Leben ohne Krücken
Im Zoo spüln Orang Utans Klarinetten
Im Grauen Haus stehn mehr als tausend Betten
Museen präparieren Bolschewiken

Im Park flanieren Hunde mit Passanten
Am Stadtrand wuchern Rentnerdeponien
Am Donauufer kräht der Muezzin
Wer Tauben füttert füttert Asylanten

In Marmorsocken fiedeln güldne Sträuße
Am Gürtel regeln Schnallen den Verkehr
Die Turbolippen spannen das Gewehr
Am Morgen dampft aus den Kanälen Scheiße

Der Ritt auf dem Tiger

Mai 4th, 2012

Heut reite ich auf einem weißen Tiger,
Der nur in Burma lebt, am Saum der Nacht,
Im Blütensturm, der Stern um Stern entfacht,
Und bin für ein paar Stunden dann ein Sieger.

Noch gestern saß ich in der Luft im Flieger,
Kam von Kalkutta mit der teuren Fracht,
Und habe nur an jenen Fluß gedacht,
In Afrika, den sanft gewellten Niger.

Der Dschungel öffnet sich mit Krokodilen,
Die nach Libellen schnappen, spitze Zähne
Im Maul, im Hintergrund schreit die Hyäne.

Im roten Cadillac, voll von Gefühlen,
Fahr ich, die Zigarette in der Hand,
Dahin, dahin in das gelobte Land.

Träume*

Mai 3rd, 2012

Durch Labyrinthe
Gehetzt und kaum wach
Seh ich vor mir die
Sprachamphore schlägt
Ein Zwerg das Ding in
Scherben die Wörter
Zuvor gelagert
In Gallert purzeln
Durch die Luft Köpfe
In Stiefeln tropfen
Augen vom Plafond
Ja manchmal kommt ein
Schanker vor dem Punkt
Geht kein Beistrich im
Konjunktiv allein
Spazieren Bäume
Von den Tapeten
Ruft Eva Ahoi
Ihr Matrosen werft
Aus eure Anker
Im Rinnstein frisiert
Ein Feuer die Nacht
Im Zwei Finger Takt

*Erstfassung am 20.4. 2010

Fantasie in Es-Dur *

April 26th, 2012

Nächtens durch den Tau der Wiesen
Tanzen wir den Feen-Reigen,
Unsre Schatten werden Riesen
Unterm Mond, und in den Zweigen

Sitzt der Wind und pfeift Sonaten,
Langsam, leise und dann schnell,
Blätter rascheln, Pilzpiraten
Ziehn die Hüte, lacht der Quell.

Und die Augen wilder Tiere
Leuchten uns Topasen gleich
Aufs Parkett in grün, ich spüre
Deine Haut an meiner weich,

Spüre, wie die Herzen schlagen,
Blaue Funken an den Saum
Der Minuten, platzt ihr Kragen,
Tor um Tor im Flug, im Traum.

* für Gerda

Erstfassung am 24.8.2009

Fragen eines lesenden Arbeitslosen

April 23rd, 2012

An B.B. angelehnt

Wer Theben baute, seine sieben Tore,
Das mehrmals zerstörte Babylon oder
Die Chinesische Mauer,
Das Rom der Triumphe, Byzanz,
Das vielbesungene…
Ob der junge Alexander Indien
Allein eroberte, Cäsar
Die Gallier schlug nach dem Frühstück,
Wen kümmert es heute noch?

Was in den Büchern geschrieben steht,
Hab ich vergessen.
Was die Zeitungen tagtäglich drucken,
Sind Lügen.

Was ich wissen muss, ist, wie
Ich bis zum Monatswechsel über die Runden
Komme mit gesperrtem
Konto und gähnend leerer Brieftasche,

Wann die Zeiten wieder
Besser werden, und

Warum wir nicht handeln,
Statt sinnlos zu fragen.

Pflegevorsorge

April 20th, 2012

Krücken, Leute, kauft euch Krücken
Und auf Rädern Gitterbetten,
Denn wer liegt, braucht sich nicht bücken,
Und wer rollt, ist noch zu retten,
Darf kurz in die Zukunft blicken,
Durch den Vorhang schwerer Ketten,
Wo Maschinen freudig warten.
Uns zu pflegen wie den Garten.

Blütenkranz (T) *

April 16th, 2012

Kirschblüten treiben
In milder Luft kränzen dein
Blond fließendes Haar
Tanzen will ich mit dir jetzt
Und hier unter den Bäumen
Zum Lied der Amsel
Will vergessen was gestern
war und morgen kommen wird

* für Gerda

15. April (T)

April 15th, 2012

Die Birke vorm Haus
Beginnt sich grün zu kleiden
Wir hängen Mantel
Und Schal zu den Motten und
Hören nicht auf zu niesen