Weltuntergang (St)

März 1st, 2024

Schon beginnt der Tag
Ranzig zu werden
Die Sonne ertrinkt
Im nahtlosen Meer
Dämmernder Dächer
Während im Keller
Das Licht der Kerzen
Die Schatten tanzen
Läßt am Tisch sitzen
Wir den Bauch voll Furcht
Und grau das Gesicht
Aus einem alten
Schuh Whiskey trinkend
Reihum im Kreis und
Flüsternd wartend ob
Draußen die Nacht sich
Entlädt zum Gefecht

Invasion

Februar 17th, 2024

Am Himmel schwärmen
Mücken millionenfach
Während ich schlafe
Legen sie Eier
In die Gedanken
Ameisen treiben Läuse
Die Peitschen schwingend
Durch die Poren in den Leib
Morgens wenn ich erwache
Ist das Hirn voller Maden
Der ganze Körper verwanzt
Unerträgliches Jucken
In der Haut lässt mich rasen
Beim Duschen verstopft
Larvenschleim den Abfluss und
Es werden immer noch mehr

Ausblick

Februar 9th, 2024

Der Junge vor mir sagt, he, alter Mann,
Die Welt ist voll im Arsch, ich tanz auf ihr.
Ich blicke um mich, seh ihn lange an,
In den Gedanken juckt mich ein Geschwür.

Ich fühl´s in jeder Zelle, ich bin alt
Geworden, doch ich spreche zu ihm, Kind,
Ja, tanze heute, tanze morgen, bald
Fehln dir die Beine, um zu tanzen. Wind

Und Kakerlaken balzen in den Gassen,
Begrenzt von himmelhohen Hausruinen,
Aus deren Fenstern Pilze wachsen. Fassen
Wird dich wohl eine von den Menschlawinen.

Und dann geht´s immer schneller Richtung Grund
Mit dir und all der andern jungen Brut.
Vielleicht bellt irgendwo ein netter Hund
Als Epilog, weil mancher das halt tut.

Der Käfig (St)

Februar 1st, 2024

Der Tag ist gesperrt
Wir kommen nicht rein
Und kommen nicht raus
Der Tag ist gesperrt
So lang er noch ist
Fallen die Stunden
Ihr brüchiger Leib
Nieder zur Erde
Der Himmel gleich mit
Während wir warten
Auf Zeichen vielleicht
Brennen Propheten
In Stiefeln der Mond
Der alte Bandit
Bleich wie der Tod ist
Treiben wir halt und
Grundlos und schneller
Im schaumigen Meer
Blasser Gedanken.

Friedhof im Winter (T)

Januar 21st, 2024

Verschneite Steine
In Reih und Glied Laternen
Flackern da und dort
Vor der brüchigen Mauer
Trägt der nackte Birnbaum jetzt
Schwarze Früchte der Wind beißt

Spital

Januar 13th, 2024

Ein weißer Kittel schwebt an mir vorüber.
Aus spitzen Lippen schrumpft ein hohles Wort.
Ich weiß, ein Teufel sitzt auf dem Abort.
Im Nachbarbett freut sich ein Rechenschieber.

Die Zimmer sind gefüllt mit Mensch - Maschinen,
Und Parasiten herrschen in den Gängen.
Wo sich die Perspektiven nur verengen,
Da sterben die Gedanken schnell wie Bienen.

Ich steh beim Fenster, höre die Sirenen,
Seh Blaulicht, Nachschub für das große Tier
Wird rangekarrt in Mengen, und ich spür
Den Wahn ringsum in allen meinen Zähnen.

Kalte Tage (T)

Januar 5th, 2024

In diesen kalten
Tagen im Dezember denk
Ich gerne zurück:
Als wir noch Kinder waren,
Hat jeder Schnee uns verzückt.

Was es ist (St)

Dezember 24th, 2023

Ist es die Zunge
Vielleicht ein Schwanz der
Aus dem Munde kriecht
Umzingelt von blau
Blähenden Lippen
Fragen mich Leute
Ob ein Beißkorb für
Den Sonnentau in
Winterzeiten nicht
Das Mittel der Wahl
Oder so ähnlich
Nennen die Leute
Es ist ist es nicht
Ist Scheiße sag ich
Sag´s euch ins Gesicht
Falls das was ich dort
Sehe und rieche
Der wörtliche Saft
Das saftlose Wort
Nicht ausreicht um mich
Zu vertreiben dann
Wird es lästig noch
Furzen die Hunde
Gehorsam wie du
Es so gerne hast
Ein Bein in der Höh
Und ohne Pause
Färbt sich das Ende
Am Anfang kausal

Das Manifest (St)

Dezember 16th, 2023

Mensch gebt ihren
Krücken endlich
Einen festen
Tritt schraubt ab die
Hirnprothesen
Und reißt ihnen
Die Sauerstoff
Masken vom Mund
Die Schläuche die
Ihren feisten
Leib mit Lobsang
Blähen durchtrennt
Mit der Schere
Oder einem
Schnappmesser all
Die Mumien
Deren Gestank
Zu lang schon die
Nasen umweht
Kippt schneller
Den Müll auf
Die Halde schreibt
Falls es gefällt
Einen Nachruf
Auf die Pickel
Am After der
Poesie schreibt
Briefe für die
Nachgeburten
Schreibt jetzt oder
Lasst es bleiben

Dezember

Dezember 4th, 2023

Als letzter der Bäume ließ
Die Birke ihr goldenes
Kleid schwer zu Boden sinken.

Auf weiß schimmernder Rinde
Des nackten Gezweigs hocken
Krähen mit höhnischem Blick.

Die Morgendämmerung steckt
Spät ihre kranken Fühler
Durch verriegelte Fenster,

Und die Tage schultern nun
Krumme Schatten. Den Stunden
Wird die zähe Haut zu eng.

Gedanken bauen Brücken
Zurück zum Sommer oder
Brökeln hart ins Kommende,

Während ein eisiger Wind
In den Gesichtern lagert
Und die Augen füllt mit Staub.

Kein Horizont ist zu sehn.
Fern hinter farbloser Wand
Treibt die Sonne am Himmel.