Versfabrik

Vers oder nicht Vers, das ist hier die Frage…

Datura

6. Mai 2019 by author

Durch dunkle Gassen
Rollt ein dicker Mond und singt
Vergessene Lieder

Vom Strauch der Götter
Mit violetten Blüten
Die wie Trompeten

Sich öffnen zum Licht
Voll mit Stacheln ist das Kleid
Der grünen Früchte

An den Wänden im
Tempel hängen Tierköpfe
Und sprechen mit mir

Über den Torso
Einer verwunschenen Welt
Wo alles nackt ist

Bevor ein Nebel
Auf meine Gedanken fällt
Und der Mond aufbricht

Wie eine reife
Melone in zwei Hälften
Mit schrillem Gewürm

Dunkle Früchte

28. April 2019 by author

Was für ein Traum: Die Hausfassaden rot lackiert
Ringsum, die Straßen braun, der Himmel schwarz wie Kohlen,
Ein blauer Mond, der zitternd meinen Hals berührt,
Und aus den Fenstern schießen Leute mit Pistolen
Auf dicke Hunde, die von den Laternen hängen,
Am Horizont ein Schiff voll finsterer Korsaren,
Die sich in Eisenstiefeln auf den Planken drängen,
Mit Bärten bis zum Bauch und grün verfilzten Haaren,
Die Kinder kommen heim am Kopf mit Drahtgestellen,
Weil ihre Eltern im Zickzack und rückwärts rennen,
Dazwischen schlängeln sich Minuten wie Forellen
Im Strom der Zeit, wo die Gedanken heller brennen.

Hexen

22. April 2019 by author

Um einen hohen
Finger aus Stein, der aufzeigt
Zum Himmel, singen

Und tanzen wir nackt
Mit Wölfen im Kreis, vom Mond
Verzaubert, der Wind

Träumt in deinen schwarz
Glänzenden Haaren, silbern
Schweigen die Sterne.

Meine Poren sind
Höhlen, die reichen tief in
Den Leib der Erde,

Und heraus sprießen
Blaue Blumen und Bäume,
Nacht schattet mein Herz.

Ich öffne den Mund
Voller Spinnen mit tausend
Und noch mehr Augen;

Während dort unten
Im engen Tal die Zwerge
Sich rüsten zum Mord,

Fliegen wir hoch in
Die Lüfte, reiten das Tier
Mit Hörnern aus Stahl.

Tau netzt die Schläfen,
Und die Glut der Gedanken
Brennt von Pol zu Pol.

Der dunkle Kontinent

14. April 2019 by author

Ich hab mich verirrt
Im Dickicht meiner
Gedanken streifen
Hyänen an den
Ufern der Flüße
Auf Beute lauernd
Oder uralte
Zedern träumen vom
Tod in lehmigen
Stiefeln und Gibbons
Schaukeln an langen
Schwänzen vom Astwerk
Dämmert der Abend
Unter den kalten
Augen des Mondes
Auch viel anderes
Getier haust in der
Wildnis der weiten
Zwischen den Schläfen
Atmen die Winde
Den Dünkel der Zeit
Ans Herz greift die Furcht
Mich auf Grund meiner
Selbst zu zerschellen
Fern am Horizont
Hängt der Himmel ein
Umgestülptes Meer
Auf Stelzen aus Stein

Die Eroberer

8. April 2019 by author

Lasst bleiben den Mond
Der alte Schwere
Nöter braucht Schminke
Braucht Krücken vielleicht
Wär’s besser ihn ganz
Zu vergessen ja
Zart ist die Haut der
Venus ein Mädchen
Schön wie der Morgen
Im glitzernden Tau
Wir aber wollen
Über die Grenzen
Wolln trinken Benzin
Und träumen vom Mars
Denn fremd sind wir selbst
Uns geworden schon
Längst mit Raketen
Und Wörtern wollen
Wir brennen wie einst
Die Barbaren als
Blutige Fackeln
Im lichtlosen All

Du aber…

30. März 2019 by author

Mit Bambustöcken
Schlagen wir auf die
Kniescheiben der Zeit
Trinken den Wein in
Vollen Zügen den
Roten und tanzen
Flamenco unter
Dem Schein des Mondes
Der sanft fließt in die
Offenen Fenster
Tiefer Gedanken
Du aber stehst im
Schatten des Ahorns
Und Tränen dunkeln
Dein Lied auf dem Grund
Der Verzweiflung wo
Die Träume hausen
Als Bettler im Müll

Der Käfig

20. März 2019 by author

Der Tag ist gesperrt
Wir kommen nicht rein
Und kommen nicht raus
Der Tag ist gesperrt
So lang er noch ist
Fallen die Stunden
Ihr brüchiger Leib
Nieder zur Erde
Der Himmel gleich mit
Während wir warten
Auf Zeichen vielleicht
Brennen Propheten
In Stiefeln der Mond
Der alte Bandit
Bleich wie der Tod ist
Treiben wir halt und
Grundlos und schneller
Im schaumigen Meer
Blasser Gedanken.

Fantasie in Es-Dur *

11. März 2019 by author

Nächtens durch den Tau der Wiesen
Tanzen wir den Feen-Reigen,
Unsre Schatten werden Riesen
Unterm Mond, und in den Zweigen

Sitzt der Wind und pfeift Sonaten,
Die der Zeit ihr Antlitz geben.
Hier im Tanzen, nicht in Raten,
Offenbart sich wahres Leben.

Und die Augen wilder Tiere
Leuchten uns Topasen gleich
Aufs Parkett in grün, ich spüre
Deine Haut an meiner weich,

Höre unsre Herzen schlagen,
Einen Takt uralter Weisen.
Fern vom Horizont der Fragen
Wolln wir ohne Ende kreisen.

* für Gerda

Vokal total

6. März 2019 by author

Häng mir die Feigen strenger in den Mund,
Auf daß ich Saft um Säfte endlos schlürfe,
Mit feuchter Schnauze, wie ein Hund,
In den Gebüschen schürfe.

Mit Wiehern wetz den Sattelknauf zuschanden.
Komm, dreh die Backen, kreise immerfort,
Bis wir vor Lust an scharfen Klippen stranden,
Nur mehr und mehr und sonst kein Wort.

Was birgt der Schmerz an unerkannten Schätzen?
Schlag mir die Krallen tiefer ins Gesicht.
Rot blüht der Mond in wundgerissnen Netzen
Und träufelt Milch in braungedämpftem Licht.

Zerspringt die Lunge, stirbt die Atemluft.
Als Steppenfeuer muß ich heftig rasen.
Was riecht so stark, welch schwerer Duft?
Da wolln die Lippen grasen, grasen.

Die Spannung steigt, die wilden Trommeln schweigen.
Da bricht es von tief unten los,
Und alle Sterne tanzen Reigen,
Und der Moment ist ewig groß.

Nein, nicht das Spiel jetzt schon beenden.
Den Wurstel mach noch einmal steif zum Stab.
Hernach mag sich der Papst verpfänden,
Ich fahr dann gern ins kalte Grab.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Das Problem

26. Februar 2019 by author

Auch wenn er´s selbst noch nicht begriffen,
Er würde es auch nicht verstehn.
Nicht Haie lauern an den Klippen.
Er selbst ist einzig sein Problem.

Schon morgens glotzt es klebrig aus den Spiegeln
Und mittags ist es schärfer noch zu sehn,
Der abend singt´s auf dunklen Flügeln,
Allein der Mensch ist das Problem.

Die Vögel zwitschern es aus allen Zweigen,
Der Wind läßt es durch Gassen wehn,
Die letzten Tiere stimmen in den Reigen,
Der Mensch ist ihres, ist der Welt Problem.

Und flußwärts strömt es in Kanälen,
In Kreisen sickernd, wenn die Zeiger schneller drehn.
Und konnte einstens er noch wählen,
So wächst er heute einzig als Problem.

Die Sonne brennt es tief in unsre Häute,
Im Regen glüht es als Ekzem.
Und was vor kurzem uns noch freute,
Ist heute krank, wird zum Problem.

Und wenn ich es vom Mond betrachte,
Das Menschsein selbst ist schizophren.
Und jeglich Denken, das Gedachte,
Ist menschlich und somit Problem.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

« Vorhergehende Einträge Nächste Einträge »