Versfabrik

Vers oder nicht Vers, das ist hier die Frage…

Die ganze Bande

5. Januar 2019 by author

Die ganze Bande
Von Beutel und Hals
Abschneidern die Tod
Schläger sind immer
Zu allem bereit
Und bleibt nur die Flucht
Laufen und Stolpern
Stolpern und Laufen
Vor dem Gesindel
Als Ausweg wie´s scheint
Bist du erledigt
Schon früh am Morgen
Krümmt sich der Spiegel
Vor dem Gesicht das
Sich auftut entsetzt
Aber die Augen
Fließen die Lippen
Kleben am Bildschirm
Steigen Dämonen
Im Regen im Schnee
Unter dem schweren
Himmel auf Pferden
Ins flimmernde Ziel
Bei Tag oder Nacht
Wochen und Jahre
Die ganze Bande
Ist immer bereit

Fukushima (T)

30. Dezember 2018 by author

Die rote Sonne
Hat sich plötzlich schwarz verfärbt,
Das Maul des Windes
Speit Gift, und Fluten rasen
Über den brechenden Leib
Der Erde. Die Zeit steht still.

Ein glückliches Jahr *

24. Dezember 2018 by author

Sag, weißt du noch, wie wir am Donauufer
Die Steine tanzen ließen auf dem Fluß.
Und hörten wir den schrillen Halbmond-Rufer,
Dann gaben wir uns einen langen Kuß,
Der in uns ließ ein sanftes Lied erklingen.

Gern gingen wir am großen Strom spazieren,
Und machten Rast bei einem alten Baum,
In dessen Schatten manche Wege führen.
Dort träumten wir im Wachsein unsern Traum,
Und flogen hoch mit breiten Adlerschwingen.

Im Winter saßen wir oft in Lokalen,
Und schauten den verklemmten Leuten zu,
Die ihre Rollen spielten wie in Schalen.
Wir aber waren anders, ich und du,
Als die, die lebenslang das Leben zwingen.

Auch heute noch, nach, ach, so vielen Jahren,
Lacht mir das Herz, denk ich an einst zurück.
Als wir zusammen wie ein Wesen waren,
Begriff ich damals schon, daß wahres Glück
Sich selbst genügt, allein von allen Dingen.

* für Gerda

Tausend Fürze

18. Dezember 2018 by author

Tausend kleine Fürze
Schenk ich dir heut nacht.
Jeder ist voll Würze,
Daß dein Herz laut lacht.

Tausend kleine Fürze
Fahren zart und mild,
Ohne Stolpern, Stürze.
Und nicht einer brüllt.

Leg ab deine Schürze,
Komm ganz nah heran.
Tausend kleine Fürze
Schafft ein echter Mann.

Sag´s in aller Kürze,
Du, Geliebte, du.
Tausend kleine Fürze
Willst du. Gib es zu.

Wintersonne (T)

16. Dezember 2018 by author

Gespenstern gleich stehn
Die kahlen Birken am Rand
Des Weges Schatten
Zittern im Schnee der sich rot
Färbt beim Aufgang der Sonne

Was du willst *

14. Dezember 2018 by author

Willst du´s, bin ich dir Laterne
Durch das Dunkel einer Nacht,
Daß auf Wegen in die Ferne
Stets das Helle in dir lacht.

Willst du´s, bin ich dir auch Brücke
Über jenes tiefe Tal,
Wo sich Neid und Haß und Tücke
Paaren in der Zeiten Qual.

Willst du´s, bin ich dir Gebäude,
Das dich schützt vor Sturm und Schnee,
Wo im Winter dann wir beide
Träumen sanft vom grünen Klee.

Was du willst, ich will´s dir bringen,
Ob in Worten, ob im Tun.
Will dir sanfte Lieder singen
Und im Schaffen niemals ruhn.

* für Gerda

Dezember

4. Dezember 2018 by author

Als letzter der Bäume ließ
Die Birke ihr goldenes
Kleid sanft zu Boden sinken.

Auf weiß schimmernder Rinde
Des nackten Gezweigs hocken
Krähen mit höhnischem Blick.

Die Morgendämmerung steckt
Spät ihre grauen Fühler
Durch verriegelte Fenster,

Und die Tage schultern nun
Krumme Schatten. Den Stunden
Wird die zähe Haut zu eng.

Gedanken bauen Brücken
Zurück zum Sommer oder
Eilen fort ins Kommende,

Während ein eisiger Wind
In den Gesichtern lagert
Und die Augen füllt mit Staub.

Kein Horizont ist zu sehn.
Fern hinter farbloser Wand
Steht die Sonne am Himmel.

Weihnachtsbrauch (T)

25. November 2018 by author

In der Nacht flackern
Auf dem Fensterbrett Kerzen
Damit die Toten
Auf ihren langen Wegen
Endlich nach Hause finden

Novembernebel *

18. November 2018 by author

Ein dichter Nebel überzieht das Land,
Von irgendwo das Kreischen vieler Krähen.
Ich kann den Boden unter mir nicht sehen
Und hebe vors Gesicht die rechte Hand.

Getrennt von allem wie durch eine Wand,
Allein mit meinen haltlosen Ideen,
Ein dichter Nebel überzieht das Land,
Von irgendwo das Kreischen vieler Krähen.

Ein kalter Wind fährt stechend durchs Gewand
Und läßt die unsichtbaren Bäume flehen.
In welche Richtung soll ich weitergehen?
Was bleibt zurück von uns, nur leerer Tand?
Ein dichter Nebel überzieht das Land,
Von irgendwo das Kreischen vieler Krähen.

*für Gerda
(2008)

November - Atem (T)

12. November 2018 by author

Ein trüber Schleier
Ist die Luft, mit Feuchtigkeit
Gefüllt wie ein Schwamm,
Daraus Menschen wie Schemen stumm
Auftauchen und verschwinden.

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