Versfabrik

Vers oder nicht Vers, das ist hier die Frage…

Kleines Liebeslied II *

9. April 2020 by author

Will schminken dem Tag
Die Lippen so rot. Für dich,
Mein Engel, für dich.

Laß Worte fliegen
Wie Blüten im Wind. Zu dir,
Mein Engel, zu dir.

Und Träume netzen
Die Schläfen der Nacht. Für dich,
Mein Engel, für dich.

Will streuen die Saat
Und ernten die Frucht. Mit dir,
Mein Engel, mit dir.

* für Gerda

Sprachlos (T)

31. März 2020 by author

Zwischen den Wörtern
Klebt roter Speichel manchmal
Träumen die Tage
Vom Frühling aber öfter
Ist der Mund trocken wie Laub

Weltuntergang

21. März 2020 by author

Schon beginnt der Tag
Ranzig zu werden
Die Sonne ertrinkt
Im nahtlosen Meer
Dämmernder Dächer
Während im Keller
Das Licht der Kerzen
Die Schatten tanzen
Läßt am Tisch sitzen
Wir den Bauch voll Furcht
Und grau das Gesicht
Aus einem alten
Schuh Whiskey trinkend
Reihum im Kreis und
Flüsternd wartend ob
Draußen die Nacht sich
Entlädt zum Gefecht

Stehen und Greifen

10. März 2020 by author

Was ich jetzt brauche - auf die Schnelle - ist ein Lied,
Ganz streng gepaart im Reim, was immer auch geschieht.
Ob nun am Handgelenk die Zeiger tick tack wabern,
Ob kleine Kinder quieken, alte Männer sabern,
Egal, der Alltag treibt, und ich muss shoppen gehen,
Sonst steigt mein Fräulen mir am Abend auf die Zehen.
Ich geb´es zu, ich bin alter, fauler Sack
Und treib nur selten noch ´nen kleinen Schabernack.
Doch unterwegs im Freien treff´ich kaum noch Leute.
Nur Mensch-o-maten, fremd gesteuert ist das Heute,
Von kleinen Dingern, die ein jeder in der Hand
Und blöde darauf glotzend mit sich trägt. Verstand
Ist im Exil, was soll´s, solang die kleinen Dinger
Nicht offline sind, so liebt ein jeder diesen Zwinger
Mehr als das Leben, wie es immer öfter scheint.
Ich mach jetzt Schluss mit diesen Versen, denn der Feind
Hat eine Lache, häßlich und auch schallend laut.
Die dringt durch alle Poren und verätzt die Haut.

Wandel *

28. Februar 2020 by author

Märzmund mein Freund küss
Kirschblüten wach und singe
Mit Amseln ein Lied
Spürst du ein leichtes
Ziehen im Magen sprudeln
Frische Gedanken über
Den Rand ins Freie
Hinaus mit dem Wind
Lasse zurück die trägen
Und trüben Tage
Stunden die frostige Brut
Märzmund mein Freund küss
Meinem Mädchen die Wangen
Die Augen den Mund

* für Gerda

Als ich noch jung war*

21. Februar 2020 by author

Ein alter Apfel
Baum vor Zeiten durchs hohe
Gras voll Blumen tanzt
Ein später Somerwind wir
Saßen auf seinem krummen
Stamm im wilden Flug
Schwalben sonder Zahl
Als ich noch jung und
Voll der Hoffnung war Schatten
Am Rand des Waldes
Dem Träumen dienten die Welt
Sich vorwärts drehte heute
Ächzen die Stunden

* für Gerda

Ausblick

14. Februar 2020 by author

Der Junge vor mir sagt, he, alter Mann,
Die Welt ist voll im Arsch, ich tanz auf ihr.
Ich blicke um mich, seh ihn lange an,
In den Gedanken juckt mich ein Geschwür.

Ich fühl´s in jeder Zelle, ich bin alt
Geworden, doch ich spreche zu ihm, Kind,
Ja, tanze heute, tanze morgen, bald
Fehln dir die Beine, um zu tanzen. Wind

Und Kakerlaken balzen in den Gassen,
Begrenzt von himmelhohen Hausruinen,
Aus deren Fenstern Pilze wachsen. Fassen
Wird dich wohl eine von den Menschlawinen.

Und dann geht´s immer schneller Richtung Grund
Mit dir und all der andern jungen Brut.
Vielleicht bellt irgendwo ein netter Hund
Als Epilog, weil mancher das halt tut.

Erinnerungen *

6. Februar 2020 by author

Vor meinen Augen
Gestrüpp im Mund ein flaches
Wort oder Tage
Schneller als Beine laufen
Auf einem Weg ohne Ziel
Frage mich wann und
Wo wir uns trafen
Dereinst im Schatten
Alter Bäume haust der Traum
Bunt sein Gefieder
Auf breiten Schwingen
Steigt er hoch durch die Wolken
Ins Blau schließe die Augen
Und singe ein Lied

* für Gerda

Zukunft

28. Januar 2020 by author

Die Augen brennen und die Nase rinnt.
Wir schreiten schneller als erwartet fort.
Die Kehle ausgedörrt, der Körper schwitzt.
Die Zukunft, die wir schaffen, ist ein Ort,
Wo das gerühmte Zweibein nicht gewinnt.
Nein, Kakerlaken, Wanzen herrschen dort.
Und wir, wir hinterlassen Berge Müll,
Wo einzig der Gestank noch hausen will.

Spital

24. Januar 2020 by author

Ein weißer Kittel schwebt an mir vorüber.
Aus spitzen Lippen schrumpft ein hohles Wort.
Ich weiß, ein Teufel sitzt auf dem Abort.
Im Nachbarbett freut sich das gelbe Fieber.

Die Zimmer sind gefüllt mir Mensch - Maschinen,
Und Parasiten herschen in den Gängen.
Wo sich die Perspektiven nur verengen,
Da sterben die Gedanken schnell wie Bienen.

Ich steh beim Fenster, höre die Sirenen,
Seh Blaulicht, Nachschub für das große Tier
Wird rangekarrt in Mengen, und ich spür
Den Wahn ringsum in allen meinen Zähnen.

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