Wiener Zeitungen

Juli 27th, 2008

Am frühen Sonntagmorgen, während des Frühstücks am Balkon, also noch bevor das Wummern der voll aufgedrehten Lautsprecher vorbeifahrender PKWs die Flucht von ebendort erzwingt, blättere ich gelegentlich die diversen Wochenendausgaben hiesiger Tageszeitungen oberflächlich durch, bürgerliche Blätter ebenso wie den Boulevard, wobei die Erkenntnis, wie belanglos, ja, wie beliebig austauschbar die sogenannten Qualitätszeitungen bis hin zu ihren Wochenendbeilagen geworden sind, schon ein alter Hut ist, ebenso wie eine Orthographie, die auf jeder Seite von Fehlern nur so strotzt, und die stetige Nivellierung nach unten,in Richtung Boulevard, dessen drei Hauptrepräsentanten hier (in Wien) einzig noch als Stuhlgangbeschleuniger funktionieren, ob aufgrund des Ärgers, der einen beim Durchblättern dieser Machwerke unweigerlich befällt und dabei die Frage aufwirft: Für wie dumm halten Journalisten und Redakteure eigentlich ihre Leser und wie dumm sind diese Damen und Herren selbst; oder aufgrund anderer Ursachen, bleibt dahingestellt. Gewiß ist allerdings eines: jede noch so kurze Zeitspanne, die für das Lesen von solch Degenerationsbroschüren verwendet wird, ist Zeitvergeudung pur.

Die Nächte dauern…

Juli 26th, 2008

Die Nächte dauern länger schon,
Früh morgens ist es kühl.
Wer jetzt noch nicht hat seinen Lohn,
Der kriegt auch nicht mehr viel
Und bald dann gar nichts mehr.

Sage mir

Juli 26th, 2008

Sage mir, warum du müde,
Bist du etwa heillos krank;
Gab das Leben zu viel Hiebe
Dir vielleicht zum Dank.
Oder laß es bleiben
Und hülle dich in Schweigen,
Wie die Schatten an den Wänden
Tanzen auf bemoosten Händen,
Sage nicht, warum, nicht wie,
Sage nimmer, sage nie,
Besser aber sage nein,
Denn dann laß ich dich allein.

Gedanken im Wind

Juli 26th, 2008

Wind spielt mit den grauen Haaren,
Und ich denke weit zurück,
Als wir alle Kinder waren,
Reich an Wäldern, voll mit Glück.
Wind hat stärker aufgefrischt,
Und ich muß ans Heute denken,
Da die Flüsse leergefischt,
Und die Blicke sich tief senken.

Obama

Juli 26th, 2008

B.Obama, jener farb-u. gesichtslose Beliebigkeitspolitiker mit skrupelloser Hintermannschaft, hat für seinen Wahlkampf auch Europa bereist und in Berlin eine “Grundsatzrede” vor tausenden Anhängern gehalten, was sich ziemlich bescheiden ausnimmt im Vergleich zu der angekündigten Zahl von einer Million Zuhörer, bescheiden auch sein rhetorisches Charisma, verglichen mit der fast schon hypnotischen Strahlkraft, die ein gewisser Herr Hitler ebenda auf seine Zuhörer ausübte und diese dabei in einen wahren Rausch der Verzückung versetzte. Wenn B.O. den Politikertyp der Zukunft repräsentieren soll, dann hat diese schon begonnen und der Schritt zum Polit-Klon, der von Meinungsmachern und Hintermännern beliebig programmierbar ist, wurde bereits vollzogen.

08/07/26/ Samstag

Juli 26th, 2008

Das heurige Sommerwetter, zumindest das bisherige, gleicht in seinem Verhalten einem schwer Alkoholkranken auf Zwangsentzug - übel und orientierungslos.
Für die Profiteure des freien Marktes ist das zwar kein Problem; wenn sie schon für das kaputte Klima verantwortlich sind, so haben sie doch prall gefüllte Brieftaschen und können den Sommer dort genießen, wo er tatsächlich noch stattfindet, und solche Plätze gibt es derzeit noch zur Genüge, nicht aber in Mittel- und Nordeuropa. Und so müssen Kleinbürger und Arbeiter zum Schwimmen mit ihren Badewannen zufrieden sein, um den Schein zu wahren und zu verdrängen, daß ihr Dasein ohnedies ein stetiges Fast-Untergehen ist, eine nicht endendürfende Anstrengung, den Kopf über Wasser zu halten, um nicht unterzutauchen; denn heute retten die Retter v.a. sich selbst und die Ertrinkenden haben ihre Rolle gefälligst bis zum Schluß zu spielen.

Weltverbesserer

Juli 25th, 2008

Weder Rock`n Roll noch ein Politiker
Retten diese Welt, jedoch der Markt, der freie,
Macht sie schneller noch kaputt, als der
Pfaffe braucht, bevor wer kriegt die letzte Weihe.

Jugendtraum

Juli 25th, 2008

Dereinst war es ein großer Jugendtraum,
Das fern geheimnisvolle Indien
Alleine zu bereisen, um den Baum,
Die Früchte der Erkenntnis kosten, denn
Im Osten ging der Menschen Sonne auf,
Das weiß ein jeder, daß bei uns im Westen
Zu Ende geht der Sonne langer Lauf,
Auch für die Reichen, Klugen, für die Besten.

Der Sturm

Juli 25th, 2008

Der Sturm, der gestern abends über diese Stadt
Gefegt ist, wie wenn Wolkenreiter jagen,
Und dabei ganze Dächer abgetragen hat,
Kam wild und hat drei Menschen gleich erschlagen.

Lavendel

Juli 25th, 2008

Lavendel blüht vor meinem Fenster,
Besucht von Käfern, Hummeln, Bienen.
Solch ein Duft vertreibt Gespenster,
Doch auf den diversen Bühnen
Stampfen Menschen als Maschinen,
Taub durch ihren eignen Lärm.