Traumsonett (3)

Februar 19th, 2009

Wie rasend malträtieren sie Gitarren,
Auf Engelsstaub die langbehaarten Männer.
Elektro-Hiphop, Stampfen und Gehämmer
Verwandelt Tanzende in Hüpfaufnarren.

Jetzt fährt ins Stadion der Käfigkarren
Das öffentliche Hängen gilt als Renner
Beim Publikum, der Tötungsakt für Schlemmer,
Die gierig nur der Sterbefürze harren.

Noch einmal Rock´n Roll für Kniestrumpftanten
Und kühlen Hirnsalat für heiße Tage.
Ein kranker Stuhl verschickt an die Bekannten.

Am Bildschirm nicht erkennbar ist die Lage:
Expertenzeit, Saison für Spekulanten,
Das heißt auf Antwort folgt die nächste Frage.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Die Sägemannen/Lied

Februar 18th, 2009

Wir waren sieben Kameraden.
Das waren wir , das waren wir.
An Sonnen-und an Regentagen:
Wir standen fest und standen hier.
Und wenn auch manche Freundschaft brennt:
Uns hat kein Feuer je getrennt.

Sie nannten uns die Sägemannen.
Wir holzten ab die Wälder,
Ob Föhren, Fichten oder Tannen,
Wir machten daraus Felder.
Es ging gar schnell und schon sehr bald,
Da schlugen wir den nächsten Wald.

Kettensäge sägt geschwinde,
Sägt durch Stamm und sägt durch Rinde,
Sägt ab Zweige, dicke Äste.
Übrig bleiben Späne, Reste.

Fast zwanzig Jahre haben wir gesägt
Im Süden, Osten, Westen, Norden.
Ja, zwanzig Jahre wild und gut gelebt,
Dann ist es schlimm geworden.
Kein Wald war mehr in dieser Welt,
Wir arbeitslos und ohne Geld.

So ging es mit uns rasch bergab.
Groß Karli war der erste
Er soff sich krank, zu einem Wrack.
Ach Leute, wie das schmerzte.
Nach ein paar Wochen war´s soweit:
Ein schwerer Laster fuhr ihn breit.

Kettensäge sägt geschwinde,
Sägt durch Stamm und sägt durch Rinde,
Und die Wurzel reißt mann rauß,
Denn der Mensch baut sich ein Haus.
Kettensäge sägt geschwind,
Sägt bis Bäume Holz nur sind.

Die nächsten waren Franz und Jo,
Sie kauften sich Pistolen,
Und machten Löcher sich im Klo.
Ich mußte Särge holen.
Und auch mein treuer Bruder Fritz:
Durch seinen Schädel fuhr der Blitz.

Das hat den Bert ganz stark bewegt,
Daß er sich gleichsam selbst zersägt,
Und Poldi stand daneben
Und wollte nicht mehr leben.
So sprangen wir denn Hand in Hand
Herab von hoher Felsenwand.

Kettensäge sägt geschwind,
Sägt bis nur noch Wüsten sind.
Und wir Menschen sind so blind.
Und wir Menschen sind so blind.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at (1994)

Traumsonett II (S)

Februar 18th, 2009

Im Stalagtitenreich alpiner Grotten,
Geheimnisvoll grünt dort ein tiefes Licht,
Das zart im Höhlenlabyrinth sich bricht,
Am Boden Knochen, Kleider am Verrotten,

Vom Schattenfänger, der sich einst verirrte,
In Dunkelheit und Angst den Weg verlor.
Die Stille riß ihm aus das linke Ohr,
Im rechten hart der eigne Herzschlag klirrte.

Zum Himmel hoch nur Steine und dahinter
Ein Tier, verborgen, ohne Fell und blind,
Erlebt nach Flucht hier schon den x-ten Winter,

Als einziger, als letzter seiner Brüder.
Und einsam lauscht er, wenn ein Tropfen, wieder,
Sich löst und fällt, da draußen tollt der Wind.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at (1994)

Knechtschaft

Februar 14th, 2009

Erspar dir doch das Beten,
Und besser noch, zu glauben,
So läßt du dich nicht treten
Und obendrein berauben.
Gewiß sei, daß das Heilskomplott
Nur Knechtschaft kann vererben;
Denn unfrei macht den Mensch sein Gott
Und führt ihn ins Verderben.

Unglückstage

Februar 14th, 2009

Das Unheil sucht sich seine Tage.
Das läßt sich schlichtweg nicht bestreiten
Und wer da glaubt, dies sei nur Sage,
Den wird die Zeit des Unheils reiten,
Vielleicht wird es auch Schlitten fahren
Mit ihm und gleichem Resultat.
Denn Elend hält nicht viel vom Sparen
Und schlecht ist meist des Teufels Rat.

Der Suderant

Februar 14th, 2009

Du keifst und keifst wie eine alte Vettel,
Auf dies, auf das, auf jenes, immerdar.
Nur nicht auf dich, obwohl nur schnöder Bettel
Dein Leben ist, das auch im Jetzt schon war.

Betrogen

Februar 14th, 2009

Hast du genug
Von dem Betrug,
Dann schrei´s heraus:
Schluß! Ende! Aus?

Wenn du genug
Hast vom Betrug!

Postästheten

Februar 14th, 2009

Durch den Hosenschlitz der Dämmerung kriechend,
Wie talggelbe Würmer, haben Gedankenknechte,
Modisch maskiert, mit Zeitgeist geschminkt,
Das Land der Sprache besetzt, okkupiert -
Es war kein Widerstand - sie machten sich breit
Im syntaktischen Netz; wie Parasiten saugend,
Kleben sie im Gebinde der Sätze, entstellen den Sinn
Und verstinken das Wort, Kopffüßler,
Auf virtuellen Krücken taumelnd, massig
Zerebralschweiß absondernd, der sülzig verklumpt,
Doch megamobil, sitzend auf ihren feisten Backen
In zu engen Unterhosen mit braunem Semikolon,
Körperverachtend wie Päpste im Mai, sitzend
In sicheren Häusern, als kollektive Spätlese
Juveniler Ignoranz und Mäulern, größer
Als beide Deutschländer vereint, sitzend
Mit kultiviertem Gebüsch im Gesicht, hinter dicken Brillen
Kurzsichtig blinzelnd, so selbstzufrieden
Grinselnd, Chemotherapeuten des Scheins,
Nicht fähig zur Schönheit, nicht fähig
Zur Poesie, heimlich sie neidend und laut
Sie negierend. Statt Blut in den Adern
Fließt Klärschlamm, gerinnt. Giganten
Der Schrumpfung produzieren Programme,
Container voll Dogmen, höchst arrogant die Welt
Konsequent reduzierend auf eigene Nabel=
Strukturen,Sprache, verbrauchtes Material,
Jammern sie sprachlos, ja, stammelnd, nein, stotternd,
Und ohne Ende Dispute, Diskurse, Diskussion,
Laut brüllend Rede, ihr Unrecht sich schaffend.
Masturbationsphilosophen, freirhythmisch reibend,
Hirn-oder Vorhaut, fortschreitend beschleunigt,
Progressive Zero-Ästheten züchten Textneurosen
In engen Egogärten. Kreative Kretins, maßlos
Sich selbst überschätzend, hoch subventioniert,
Imitieren Kopien letzter Güte und blähn
Sich freudig der Zukunft entgegen, um endlich
Den eigenen, den echten Genius zu klonen, vielleicht
Für Letztgeborene. Wen das schmerzt, hat Pech gehabt.

PS:aus d. Archiv d. versfabrik.at

Bescheidenes Wunschsonett (2. Fassung)

Februar 11th, 2009

Ein Werk beginnen und auch fertigstellen,
Ein bißchen Laufen in den Morgenstunden
Und mit dem Rad fahrn täglich ein paar Runden,
Das würd die Stimmung in mir schon erhellen.

Die Welt, die ohne Mensch, möcht ich erkunden.
Und finden manche nicht verschmutzte Quellen,
Darin zu treiben sanft im Takt der Wellen,
Die Taue der Gedanken losgebunden.

Mit dir gemeinsam durch den Wald spazieren,
Die Bäume schauen und die Vögel hören,
Als ob wir ganz allein mit ihnen wären.

Ins weiche Moos sich legen, Erde spüren
Und Wind, an den sich Zweig und Blätter lehnen,
Mit dem Gefühl, sich nach nichts anderm sehnen.

* für Gerda
PS: aus d. Vorzeit d.versfabrik.at

Wunschsonett (1. Fassung)

Februar 11th, 2009

Ein Buch von Dostojewsky wieder lesen.
Ein Haus voll Katzen, rings ein wilder Garten;
Nicht eine Stunde zugebracht mit Warten;
Ein Glas voll heißer Minze. Keine Besen,

Kein Bildschirm, Politik auf Breitgesäßen;
In mich versenken; Universumfahrten;
Vielleicht ein völlig neues Leben starten.
Ein Erdenball, befreit von Menschenwesen.

Trotz Fehler niemals mit wem andern tauschen.
Wer wünscht sich manchmal nicht ein bißchen Glück?
Ich liebe es, den Vogelstimmen lauschen,

Am Waldrand in dem weichen Moosbett liegen,
Zum weiten Himmel hochgewandt den Blick,
Und mit den Schwalbenzügen fernwärts fliegen.

* für Gerda
PS:aus d. Vorzeit d. versfabrik.at