Aschermittwoch

Februar 25th, 2009

Noch gestern haben wir manch Flasche
Mit Lärm und Lallen leergemacht.
Heut streuen wir aufs Haupt uns Asche,
Wie aus dem Albtraum aufgewacht,
So stehn wir wie betäubt vorm Spiegel
Und stiern ins Glas mit blödem Blick,
Weil das Gedächtnis schließt ein Riegel,
Der sich verkleinert Stück für Stück.
Indes ein kühler Morgen grüßt
So nebelbleich, so nimmersatt,
Und endlich ein Gedanke sprießt,
Der Krücken und Prothesen hat,
Dem trägen Körper zu befehlen,
Sich in das morsche Rad der Zeit
Wie jeden Tag hineinzuquälen,
Ganz gleich, obs regnet oder schneit.

Gefräßig ist das Maul der Stunden,
Und ihr Gedärm verdaut gar schnell.
Was sind wir denn: Nur Kot von Hunden.
Ich meine jetzt materiell.

Rennen müßt ihr

Februar 25th, 2009

In den Schädeln sind Antennen
Für Befehle, scharf gewürzt:
Rennen müßt ihr Leute, rennen!
Und Verlierer ist, wer stürzt
Und nicht weiterrennen kann
Oder weiterrennen will.
Wisset denn, ein wahrer Mann
Definiert sich durch Gebrüll.

24.2.09

Februar 24th, 2009

Komm laß uns heut noch Fasching feiern,
Denn morgen ist das Fest vorbei.
Dann heißt es wieder hirnlos eiern
Durch unsern zähen Alltagsbrei.

Die letzte Straßenbahn

Februar 24th, 2009

Die letzte Straßenbahn ist abgefahren.
Die späten Zweifler müssen nun fest frieren.
Ein Schließer prüft die Schlösser an den Türen.
Ein Sportsmann spürt im Knie den Sand von Jahren.

Ein braver Bürger riecht ringsum Gefahren.
Ein Passagier schluckt schleimig röchelnd Viren.
Ein Biologe reibt sich an Papieren.
Die letzte Straßenbahn ist abgefahren.

Zu Hause wartet wer im stumpfen Licht.
Ein Rentner rollt aus seinem Bett benommen.
Am Bildschirm ist der Held dem Tod entronnen.
Im Spiegel dämmert heillos ein Gesicht.

Aus Wänden kreischen Fratzen wie benommen.
Im Keller wird vor Wut ein Balg erstickt.
Ein Vater baumelt vom Plafond entrückt.
Der letzte Zug ist niemals angekommen.

PS: Aus d. Vorzeit d.versfabrik.at

Das Alte stirbt - das Neue krankt

Februar 22nd, 2009

Der eine liegt am Boden,
Der andre am Plafond,
Am Bildschirm wechseln Moden.
Was heißt das heute schon?

Der eine macht Geschäfte,
Mit Fleisch, Metall, Beton,
Der andere hat Kräfte,
Wie tausend KV Strom.

Der eine wird gezüchtet,
Auf seine Pflichten hin
Und ist zuletzt geflüchtet
Und schießt sich Heroin.

Der andre wird vernichtet,
Vergiftet ohne Sinn.
Er hat zuvor gesichtet
Drei Kübel voll Ruin.

Der eine läuft
Der andre fällt,
Die Stunde reift,
Das Tote quellt.

Der eine kommt, der andre geht.
Doch was ist mit dem Dritten?
Solch Frage kann, wie ihr leicht seht
Die Antwort sofort kippen.

Das Alte stirbt, das Neue krankt,
Der Bruder ist ein Klon.
Gefürchtet oder gar bedankt,
Was heißt das heute schon?

Der eine läuft,
Der andre fällt,
Die Stunde reift,
Das tote quellt.

Die Zukunft ist die bessre Welt,
Und nichts bleibt was es war.
Und kommen wird ein neuer Held,
Mit Glatze statt mit Haar.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at(1995)

Fleischtoll

Februar 22nd, 2009

Alkdunst im Hirn und in der Hand das Messer,
Laut flucht er, keucht, dann läuft er hinterher,
Der schlachtgeführten Kuh, die irgendwer
Befreit hat in der Hoffnung, es sei besser.

Der Metzger, fett und wütend, läuft noch immer
Dem Tiere nach, er brüllt: Halt sofort an,
Sonst quäl ich dich brutal, so gut ich kann.
Und alle Welt soll hören dein Gewimmer.

Das Tier bleibt stehen, dreht den kranken Kopf
Durch den seit Wochen Höllenschmerzen jagen.
Nur Leid, gezüchtet für den Küchentopf.
Und niemand ist, solch Schicksal zu beklagen.

Der Fleischer wendet, rennt entsetzt davon.
Zu spät. Durchbohrt. Das Leben spendet Hohn.

Das Gedicht nimmt Bezug auf denn millionenfachen Mord an Rindern in GB nach Auftreten des sogenannten Rinderwahnsinns, eine “Notwendigkeit”
für stabile Fleischpreise.
PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Gebt oder nicht

Februar 21st, 2009

Gebt mir Hirn, das schwärt
Von einem Eierkopf,
Den Körper, der schon gärt,
Den aufgeschlitzten Kropf.

Gebt, was euch gefällt
Und einen Gummischlauch.
Für zwei drei Finger Geld,
Mach ich den Mensch zu Rauch.

Gebt mir einen Mund,
Voll Unschuld und doch krank.
Ich küsse ihn gesund
Und brauche keinen Dank.

Gebt mir keinen Hund,
Ich schlachte nur die Herrn.
Doch gebt mir einen Grund,
Sonst hab ich euch nicht gern.

Gebt mir etwas Raum
Und unverbrauchte Luft,
Dann baue ich den Traum
Direkt auf eurer Gruft.

Gebt drei Tropfen Blut,
Vom Knaben oder Wurm,
Dann züchte ich die Wut
Und bringe euch den Sturm.

Gebt mir keinen Gott,
Kein Heil und keinen Schein.
Ich brauche weder Schrott,
Noch fühl ich mich als Stein.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Vier Pfoten

Februar 21st, 2009

Sie haben uns gefangen, abgeschlachtet.
Ihr Aufgang wurde des Planeten Fluch.
Das Foltern nennen sie voll Stolz Versuch.
Sie haben nicht einmal sich selbst geachtet.

Zum Monster wurde er genau betrachtet,
Der Mensch, und er verbreitet Mordgeruch,
Bedeckt die Welt mit grauem Leichentuch,
Hat höchste Grausamkeit allein gepachtet.

Als Leblos-Dinge sind wir auserkoren
Und ohne Schutz den Irren preisgegeben.
Sie planen uns, bevor wir noch geboren.

Denn Dummheit sucht und findet sich Piloten
Doch gleich wiegt aller Wesen Recht auf Leben,
Auf vier, auf freien, nicht gequälten Pfoten.

Gewidmet der NGO “Vier Pfoten”

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at (1994)

Kleines Trostlied

Februar 21st, 2009

Mein Freund, du bist gestrauchelt, bist
Gestürzt aufs harte Pflaster, blutig,
Kommst nicht hoch
Aus eigener Kraft. Bedenke wohl:
Kein einziger
Von all den Leuten rundherum
Reicht dir die Hand zur Hilfe. Nur
Kalte Finger zielen schamlos und direkt
Auf dieses - Gott sei Dank - nicht eigene
Elend und mein Freund:
Bedenke wohl, wenn´s irgendwie
Dir doch gelingt: Allein
Dein Schatten steht und geht
An deiner Seite und
Sonst nichts.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Bleich und blind

Februar 21st, 2009

Weiß hat der Schnee das Haar gefärbt
Und Staub hat uns geblendet.
Belanglos ist, ob wer was erbt,
Wenn er zuvor verendet.