Dezember 15th, 2019
Städte, Länder, fremde Leute
Kreuzte ich in einem Jahr.
Aber nichtig scheint es heute,
So, als ob´s ein Traum nur war.
So, als wär das ganze Leben
Bloß ein Film, der zu schnell läuft,
Zwischen Zäunen, hinter Stäben,
Auf der Rolle, die schrill schleift.
Bald schon ist das Jahr zu Ende.
Und was bleibt? Ich weiß es nicht.
Morgens rot beschmierte Wände?
Eine Lampe, die zerbricht?
Kalt ist mir in solchen Stunden,
In des Winters weißer Pracht.
Doch mein Herz will nicht gesunden,
Will die dunkeltiefe Nacht.
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Dezember 9th, 2019
Die Kälte hat uns (Männer) an den Eiern,
Und Nacht für Nacht wird fester schon ihr Griff.
Der Winter will - so scheint´s - mal richtig feiern.
Ich hoff´, ich find ein Flugzeug rasch, ein Schiff,
Mit Kurs nach Süden, in die Wärme,
Denn hier ist es mir jetzt schon viel zu kalt.
Und zeigen sich in dieser Nacht die Sterne,
So bin ich reif für eine Heizanstalt,
Falls ich nicht winke dann schon aus der Ferne,
Von meinem neuen Inselaufenthalt.
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Dezember 1st, 2019
Durch hohe Häuserschluchten stürzt der Wind
Und läßt die nun entblößten Bäume frieren.
Die Nacht ist einsam. Hinter dicken Türen
Verkriechen Menschen sich, die ängstlich sind.
Die Welt ist grau verfärbt, das Leben blind.
Gedanken kreisen um das Existieren.
Durch hohe Häuserschluchten stürzt der Wind
Und läßt die nun entblößten Bäume frieren.
Dezemberzeit. Die Tage gehn geschwind
Zur Neige. Nebel dämpft den Schritt von Tieren.
Der Himmel ist verhängt mit weißen Schnüren,
Indes das Fremde in dir Raum gewinnt.
Durch hohe Häuserschluchten stürzt der Wind
Und läßt die nun entblößten Bäume frieren.
* für Gerda
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November 24th, 2019
Das verfallene
Haus am Waldrand beherbergt
Gespenster wie mich.
Vom Efeu überwachsen
Und kalt wie Stein verweil ich
Reglos im Wüten der Zeit.
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November 20th, 2019
Im Hals würgt scharf der Schmerz und steigt und schrillt.
Im Blick Entsetzen, lacht der nahe Tod.
Sekunde hält das Leben - nichts als Not.
Das Herz pocht schwer. Aus tausend Wunden quillt
Das Blut in Bächen, wallt der rote Fluß
Aus dem zerfetzten Leib. Das Menschenjoch
Zu lang getragen - sterbend steht er noch,
Und rundum feuern Mörder Schuß auf Schuß.
Er hebt das Haupt. Ein grausig letzter Schrei
Schwappt aus dem Loch, das einmal war ein Mund.
Er fällt ganz langsam. Immer fort trifft Blei
Wie Hagelschlag auf Schmetterlinge und
Durchbohrt ihn auf dem weiten Weg zum Grund.
Jetzt liegt er still. Das Auge bricht entzwei.
PS: aus d. Vorzeit d. versfabrik.at;
Anmerkung: Das Sonett bezieht sich auf die Erschießung eines Zirkuselefanten auf Hawaii am 21.8.94
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November 10th, 2019
Mir ist so kalt. Ich flieg auf die Azoren.
Dort bade ich tagtäglich im Vulkan,
Flieg auf das Meer hinaus im Segelkahn
Und geb dem müden Traumgestüt die Sporen.
Ich hause da in einem alten Schuppen
Mit Hunden, Katzen und zwei weißen Eulen,
Mit Winden, die durch enge Ritzen heulen,
Wir, wurzellos, bemalt die Fingerkuppen,
Ziehn nachts zum Strand, entfachen unser Feuer.
Von Hand zu Mund zu Hand wächst Jo auf Jo.
Schon öffnen sich die knöchernen Gemäuer
Um die Gedanken, buntes Rokoko
Auf Flammenzungen, platzt aus harten Nähten
Die Zeit. Im nahen Dickicht funkeln Kröten.
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November 4th, 2019
Kalte Winde ziehn
Durch das dunkelnde Tal
Meiner Gedanken
Verblühte Träume welken
Zwischen Föhren und Felsen
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Oktober 28th, 2019
Der Morgen drückt den Daumen auf die Dinge
Das Frühstück ist mit Info-Schleim garniert
Der Umzug wirkt so peinlich deplaziert
Gedanken bocken heftig, machen Sprünge
Vom Himmel hängen Wolken fahl wie Leichen
Durchs Fenster strömt der Duft von Sommerflieder
Kein Mensch kennt noch die alten Arbeitslieder
Geschwulste bersten in geblähten Bäuchen
Auf hohle Köpfe prasselt hart der Regen
Ein Bild allein täuscht Mensch so wie die Masse
Gespenster gehn nicht um, sie machen Kasse
Globale Netze brauchen Kettensägen
In engen Hosen juckt es juvenil
Am Handgelenk tickt schadenfroh die Uhr
Genossen taugen nur zur Müllabfuhr
Maschinen machen allerorts mobil.
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Oktober 21st, 2019
Das Kleid der Bäume
Lichtet sich mit jedem Tag
Da der Himmel grau
Ist mehr bis kahles Geäst
Anstimmt ein frostiges Lied
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Oktober 12th, 2019
Mürb schon fällt das Kleid der Bäume,
Nebel lagern auf Asphalt,
Heftig klopft ans Tor der Träume
Eine schreckliche Gestalt.
Schnell noch füllen wir die Scheune,
Denn die Sonne wird schon alt,
Ist so müde, will nicht lachen,
Schenkt den Tagen wenig Licht,
Flinten, die in Wäldern krachen.
Tier schaut Mörders Angesicht.
Lang ist´s her, da stiegen Drachen
Hoch hinauf ins Wolkendicht.
Kinder spielten “Fang die Bösen”
Damals, Hoffnung gab es noch.
Abends am Kamin beim Lesen
Luft nach Tannenzapfen roch,
Mutter fegte mit dem Besen,
Mutter war zugleich der Koch.
Jahre purzeln über Stiegen,
Und auf Krücken geht die Scham.
Bettler nah am Rinnstein liegen,
Nachricht aus dem Vatikan:
Ja, es war der Herr der Fliegen,
Der den Mensch besuchen kam.
Gehn zum Friedhof krumme Frauen,
Bange Lippen murmeln: Wer
Wird wohl unsre Gräber bauen?
Ausgestopft der letzte Bär.
Morgens steigt ringsum ein Grauen
Morgen sind auch wir nicht mehr.
* Aus der Vorzeit der versfabrik
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