Stürmischer Herbst (T)
Oktober 6th, 2019
Ein Sturm reißt letzte
Blätter von Bäumen Hüte
Von spitzen Köpfen
Als wär die Luft ein Parkett
Tanzen Krähen im Osten
Färbt sich der Horizont weiß
Ein Sturm reißt letzte
Blätter von Bäumen Hüte
Von spitzen Köpfen
Als wär die Luft ein Parkett
Tanzen Krähen im Osten
Färbt sich der Horizont weiß
Unter dem alten
Kobold Mond starren
weiß rot geschminkte
Gesichter durchs Fenster
auf mein Krokodil
durch den Türrahmen
stürmen Pferde und
tragen mich weit weg
entblößt an Laternen
hängen die Reiter
ja manchmal kommt ein
Schanker vor dem Punkt
geht kein Beistrich
im Konjunktiv allein
spazieren Bäume
von den Tapeten
ruft Eva Ahoi
ihr Matrosen werft
Anker im Rinnstein
frisiert ein Feuer
das Dunkel im Takt
*NF von “Träume”, 2010, 2012
Im Farbenrausch der Bäume Blätterkleid,
Wie Flammen rot und gelb im Sonnenstrahl,
Verwandelt Herbst den Wald zum Karneval,
Und du und ich, wir sind zum Tanz bereit;
Frühmorgens, wenn der erste Hahn laut schreit,
Befinden wir uns schon vorm Waldportal,
Im Farbenrausch der Bäume Blätterkleid,
Wie Flammen rot und gelb im Sonnenstrahl,
Zeigt sich Natur in voller Sinnlichkeit,
Aus Zweigen klingt ein Meisen-Madrigal,
Und die Gedanken wandern durch ein Tal
Und rasten lang im Laub der Seligkeit,
Im Farbenrausch der Bäume Blätterkleid.
* für Gerda
Seit meiner Kindheit trag ich Gummihosen,
Und werde sie noch in der Hölle tragen.
Jetzt hör ich schon die Besserwisser sagen:
Sein Harn-Verhalten ist´s, vielleicht Neurosen.
Bleibt mir vom Leib mit Klugschiß und solch Posen,
Sonst will ich euch mit Worten kräftig schlagen.
Seit meiner Kindheit trag ich Gummihosen,
Und werde sie noch in der Hölle tragen.
Der Intellekt, der haust bei den Franzosen;
Der Deutsche muß Gedanken sich erjagen;
Die Austriaken stopfen voll den Magen,
Ich aber weile zwischen Herbstzeitlosen.
Seit meiner Kindheit trag ich Gummihosen,
Und werde sie noch in der Hölle tragen.
* für Gerda
Am Wegrand standen
Pappeln, als ich ein Kind war,
Und Kastanien
Waren die Hüter einer
Kleinen Kapelle. Vorm Haus
Wuchs ein Birnbaum, weiß blühend
Vor allen andern. Viel Zeit
Ist seither vergangen. Doch
Manchmal träume ich
Vom Klettern in den Zweigen.
Vorm Fenster späte Rosen
Die Birke trägt heut gelb
Am Himmel Krähen
Voll Hohn ihr Geschrei
Ein roter Maulwurf
Gräbt in Gedanken ein Schloss
Zwischen die Wolken nachts
Wenn der Mond erwacht
Suche ich in den Winkeln
Vergessener Tage
Nach Spuren im Staub
Der Mond, der alte Gauner, will nicht beichten,
Versteckt sich hinter Wolken, daß der ganze
Geblähte Himmel aussieht wie ´ne Wanze
Mit roten Lippen, die die Luft befeuchten.
In gelben Gummistiefeln gehn die Stunden
An mir vorbei, hinab die Stufen in
Den Keller, gehn zu Ende. Kein Gewinn
Für mich, nur närrisches Gebell von Hunden.
Am Trottoir versammeln sich Passanten
Und lachen sich die vollen Augen leer.
Wir gleiten durchs Gewühl auf weichem Teer.
Die Ruder schlagen Wellen, Konsonanten
In hohle Köpfe, dann folgt Körperpflege
Mit stumpfem Hackebeil und Motorsäge.
Der Baum ist eine alte Trauerweide,
An deren Stamm gelehnt ich gerne sitze,
Am Abend, wenn die Sonne rot vor Freude
Den Horizont verfärbt in eine Pfütze.
Der Wind spielt mit den Zweigen, mit den Haaren,
Und fern im Osten steigt ein schlanker Mond.
Ich hör die Grillen, denk nicht an den Narren,
Der lange schon in den Gedanken wohnt.
Die Füße baumeln in den kühlen Wellen
Des großen Stroms. Am andern Ufer blinkt
Ein Lichtermeer. Die Stadt der Spießgesellen,
Derweil das Dunkel lautlos auf mich sinkt.
Ein Käuzchen schreit. Ich habe nichts zu sagen.
Im Wasser treibt ein unbemannter Kahn.
Für Augenblicke kann ich alles tragen.
Sogar den Menschenmob in seinem Wahn.
Zu Schlagzeug und Gitarrenriffs versinkt
Am Horizont die Sonne in den Wellen.
Ich lehne an der Bar, ein jeder trinkt.
Im Wasser johlen braungebrannt Gazellen.
Mit Reaggy-Rhythmen, Rum und frischem Pot
Wird aufgetanzt vorm Schnäbeln wie die Tauben.
Dem Nachher, dem Entspannen dient ein shot.
Ich gleite ab. Ich hör die Stunden schnauben
Und wache auf, von fern her heult ein Köter
Zum Mond. Der Strand ringsum ist menschenleer.
Die Schuhe weg. Doch daran denk ich später.
Jetzt gibt es mich nur und das weite Meer.
Bei Sonnenaufgang im taufeuchten Gras:
Einen Kranz Margeriten möchte ich
Dir flechten ins bernsteinfarbene Haar.
Auf Haselflöten spielt der Wind,
Aus dem Süden kommend. Bunte Spechte
Trommeln auf Buchen den Takt für uns.
Komm, reich mir die Hand. Komm, tanzen wir
Zwischen Himmel und Erde. Fast schwerelos
Wirbeln wir aus dem Schatten der Zeit.
Dein bernsteinfarbenes Haar im Wind;
Deine Augen sind Monde im nächtlichen Teich;
Deine Lippen, so zart und weich wie Schnee,
Und doch beim Küssen wie Flammen so heiß.
Komm, lass uns rasten am Waldesrand,
Auf dem kühlen Laub der Seligkeit,
Und träumen die Welt ohne Horizont.
*für Gerda