Sprachlos (T)
März 31st, 2020Zwischen den Wörtern
Klebt roter Speichel manchmal
Träumen die Tage
Vom Frühling aber öfter
Ist der Mund trocken wie Laub
Zwischen den Wörtern
Klebt roter Speichel manchmal
Träumen die Tage
Vom Frühling aber öfter
Ist der Mund trocken wie Laub
Was ich jetzt brauche - auf die Schnelle - ist ein Lied,
Ganz streng gepaart im Reim, was immer auch geschieht.
Ob nun am Handgelenk die Zeiger tick tack wabern,
Ob kleine Kinder quieken, alte Männer sabern,
Egal, der Alltag treibt, und ich muss shoppen gehen,
Sonst steigt mein Fräulen mir am Abend auf die Zehen.
Ich geb´es zu, ich bin alter, fauler Sack
Und treib nur selten noch ´nen kleinen Schabernack.
Doch unterwegs im Freien treff´ich kaum noch Leute.
Nur Mensch-o-maten, fremd gesteuert ist das Heute,
Von kleinen Dingern, die ein jeder in der Hand
Und blöde darauf glotzend mit sich trägt. Verstand
Ist im Exil, was soll´s, solang die kleinen Dinger
Nicht offline sind, so liebt ein jeder diesen Zwinger
Mehr als das Leben, wie es immer öfter scheint.
Ich mach jetzt Schluss mit diesen Versen, denn der Feind
Hat eine Lache, häßlich und auch schallend laut.
Die dringt durch alle Poren und verätzt die Haut.
Märzmund mein Freund küss
Kirschblüten wach und singe
Mit Amseln ein Lied
Spürst du ein leichtes
Ziehen im Magen sprudeln
Frische Gedanken über
Den Rand ins Freie
Hinaus mit dem Wind
Lasse zurück die trägen
Und trüben Tage
Stunden die frostige Brut
Märzmund mein Freund küss
Meinem Mädchen die Wangen
Die Augen den Mund
* für Gerda
Ein alter Apfel
Baum vor Zeiten durchs hohe
Gras voll Blumen tanzt
Ein später Sommerwind wir
Saßen auf seinem krummen
Stamm im wilden Flug
Schwalben sonder Zahl
Als ich noch jung und
Voll der Hoffnung war Schatten
Am Rand des Waldes
Dem Träumen dienten die Welt
Sich vorwärts drehte heute
Ächzen die Stunden
* für Gerda
Vor meinen Augen
Gestrüpp im Mund ein flaches
Wort oder Tage
Schneller als Beine laufen
Auf einem Weg ohne Ziel
Frage mich wann und
Wo wir uns trafen
Dereinst im Schatten
Alter Bäume haust der Traum
Bunt sein Gefieder
Auf breiten Schwingen
Steigt er hoch durch die Wolken
Ins Blau schließe die Augen
Und singe ein Lied
* für Gerda
Der Zögling muß des Bischofs Murmeln lecken,
Den Runzelsack bedienen wie die Glocken
Im Kirchturm, bis die ersten feuchten Flocken
Blaß schäumen aus dem aufrecht steifen Stecken.
Des Knaben Lohn hierfür sind reife Pflaumen,
Die ihm sein Lehrer in das Kotloch schiebt,
Samt dürrer Finger, ruhig und geübt.
Hernach schürft er die braune Schicht vom Daumen.
Das Loch wächst lang mal breit und Jahr für Jahr,
Wo es gar häufig auch die Brüder stopfen.
Als er- nun Schwamm- verläßt das Seminar,
Reicht ihm der Bischof einmal noch den Finger.
Der Abschiedskuß auf den geliebten Dünger,
Läßt ihm das Herz im Brustkorb stürmisch klopfen.
Irgendetwas Großes ist mit mir geschehen.
Nichts ist heute so, wie es noch gestern war.
Während sich die schwarzen Schrauben weiter drehen
In des Daseins Schläfen, wird um den Bazar
Eng gespannt und schnell ein Stacheldrahtverhau.
Doch ich fühle mich fast wie ein neues Wesen,
Und mich kümmert weder Stau noch Kreisverkehr;
Spüre, wie sich feste Knoten einfach lösen,
Und Gedanken fließen, fließen bis ins Meer,
Wo sich End und Anfang paarn in tiefem Blau.
* für Gerda
Ich weiß nicht, doch es sind schon mehr als dreißig Tage,
Da ich durchs Leben taumle, meistens voll bezecht,
Doch nicht, weil manche sagen, es ist ungerecht,
Daß Menschen andre Menschen auf den Händen tragen.
Ich klettere bis auf den Wipfel einer Tanne
Und sehe ringsum, wie die Bäume nordwärts fliehen,
Indes aus Wolken über mir die Blitze blühen.
Doch meine Löwin ist so fern. In der Savanne
Hat sie sich einen anderen im Nu gefunden.
Gemeinsam mit ihm schwimmt sie durch den blauen Nil,
Um zu verschmelzen dann im wilden Katzenspiel.
Ich hör das Echo. Und im Schatten kalter Stunden
Verblassen all die Worte, Bilder. Doch was bleibt,
Ist etwas Neues, das jetzt die Geschichte schreibt.
Ich hab mich verirrt
Im Dickicht meiner
Gedanken streifen
Hyänen oder
Uralte Zedern
Träumen vom Tod
In lehmigen Stiefeln
Gibbons hängen
An langen Schwänzen
Vom Astwerk des Mondes
Auch viel anderes
Getier haust in der
Wildnis der weiten
Zwischen den Schläfen
Atmen die Winde
Den Dünkel der Zeit
Und Pilze wuchern
Bis zum Horizont
Dehnt sich das Blau
Ein umgestülptes Meer
Auf Stelzen aus Stein
*Neufassung(EV 22.5.2010)
Komm, laß uns heute nach Alaska fliegen,
Eisschollen auf dem Yukon-River zählen,
Die Haut der Stunden bis zum Knochen schälen
Und aus dem Mark ein kleines Häuschen biegen,
Das Traubenblau des Himmels von den Stiegen,
Die sich in höchste Lüfte winden, pflücken,
Durch kleine Löcher ins Nirwana blicken,
Wo nichts zu Ende geht in langen Zügen.
Dort wollen wir die Dämmerung besteigen
Und unsre Köpfe in das Dunkel neigen,
Schnell einen Tunnel graben bis ins Herz
Der Finsternis, ein Kuss dem Feuerdrachen,
Auf einer alten Harley durch den Rachen
Der Trägheit röhren, immer heimatwärts.