Dezember 14th, 2018
Willst du´s, bin ich dir Laterne
Durch das Dunkel einer Nacht,
Daß auf Wegen in die Ferne
Stets das Helle in dir lacht.
Willst du´s, bin ich dir auch Brücke
Über jenes tiefe Tal,
Wo sich Neid und Haß und Tücke
Paaren in der Zeiten Qual.
Willst du´s, bin ich dir Gebäude,
Das dich schützt vor Sturm und Schnee,
Wo im Winter dann wir beide
Träumen sanft vom grünen Klee.
Was du willst, ich will´s dir bringen,
Ob in Worten, ob im Tun.
Will dir sanfte Lieder singen
Und im Schaffen niemals ruhn.
* für Gerda
Posted in 02 Verse | No Comments »
Dezember 4th, 2018
Als letzter der Bäume ließ
Die Birke ihr goldenes
Kleid sanft zu Boden sinken.
Auf weiß schimmernder Rinde
Des nackten Gezweigs hocken
Krähen mit höhnischem Blick.
Die Morgendämmerung steckt
Spät ihre grauen Fühler
Durch verriegelte Fenster,
Und die Tage schultern nun
Krumme Schatten. Den Stunden
Wird die zähe Haut zu eng.
Gedanken bauen Brücken
Zurück zum Sommer oder
Eilen fort ins Kommende,
Während ein eisiger Wind
In den Gesichtern lagert
Und die Augen füllt mit Staub.
Kein Horizont ist zu sehn.
Fern hinter farbloser Wand
Steht die Sonne am Himmel.
Posted in 02 Verse | No Comments »
November 25th, 2018
In der Nacht flackern
Auf dem Fensterbrett Kerzen
Damit die Toten
Auf ihren langen Wegen
Endlich nach Hause finden
Posted in 02 Verse | No Comments »
November 18th, 2018
Ein dichter Nebel überzieht das Land,
Von irgendwo das Kreischen vieler Krähen.
Ich kann den Boden unter mir nicht sehen
Und hebe vors Gesicht die rechte Hand.
Getrennt von allem wie durch eine Wand,
Allein mit meinen haltlosen Ideen,
Ein dichter Nebel überzieht das Land,
Von irgendwo das Kreischen vieler Krähen.
Ein kalter Wind fährt stechend durchs Gewand
Und läßt die unsichtbaren Bäume flehen.
In welche Richtung soll ich weitergehen?
Was bleibt zurück von uns, nur leerer Tand?
Ein dichter Nebel überzieht das Land,
Von irgendwo das Kreischen vieler Krähen.
*für Gerda
(2008)
Posted in 02 Verse | No Comments »
November 12th, 2018
Ein trüber Schleier
Ist die Luft, mit Feuchtigkeit
Gefüllt wie ein Schwamm,
Daraus Menschen wie Schemen stumm
Auftauchen und verschwinden.
Posted in 02 Verse | No Comments »
November 4th, 2018
Helles Blau leuchtet
Zwischen den dunklen Wolken.
Das kahle Gezweig
Ist voller Krähen. Morgen,
Heißt es, fällt der erste Schnee.
Posted in 02 Verse | No Comments »
Oktober 27th, 2018
Roh zerrt Wind an nackten Bäumen,
Nebel lauern auf Asphalt.
Hinter glatten Häusersteinen
Wuchert ziellos die Gewalt.
Sonne will nicht länger scheinen,
Und die Luft schmeckt bitter kalt.
Und die Wochen trägt kein Lachen,
Mürrisch jedes Menschgesicht.
Dunkelheit schon beim Erwachen
Ist ein tieferes Gewicht.
Abgedämpft, was Hände machen
Im Gefängnis unsrer Pflicht.
In den stillen Parkanlagen
Sucht manch einer noch das Glück.
Doch er findet dort nur Fragen
Und der Krähen höhnisch Blick.
Hin zu seinen frühen Tagen
Sehnt ein Kranker sich zurück.
Jahre purzeln über Stiegen,
Und auf Krücken wankt die Scham,
Stolpert, bleibt am Rinnstein liegen,
Während jemand ganz infam
Neben ihr mit Engelszügen
Bettelt für den Vatikan.
Gehn zum Friedhof morsche Frauen,
Bange Lippen murmeln: Wer
Wird wohl unsre Gräber bauen?
Tisch und Gläser gähnen leer.
Morgens fließt ins Land ein Grauen.
Morgen hofft nicht einer mehr.
Posted in 02 Verse | No Comments »
Oktober 20th, 2018
Der Morgen hat Gastritis und Migräne
Die Hände zittern heftig wie im Fieber
Die Zunge schlingert und das Maul läuft über
Am Spiegel Eiter manchmal eine Träne
Das Säuerliche bleibt in Nasen kleben
Vorm Fenster sammeln sich die geilen Blicke
Die Wände filtern Häme Neid und Tücke
Am Bildschirm läuft non stop das andre Leben
In Ehebetten paart sich Suff mit Speck
Im Keller schaukeln Nachbarn an Krawatten
Aus tauben Rohren quellen tote Ratten
Im Schädel staut sich der Gedankendreck
Vorm Haustor findet Hundestuhlgang statt
Und Tag um Tag die ewig gleiche Leier
Und Nacht für Nacht der Traum vom großen Feuer
Wer hierher zieht war vorher schon schachmatt
Posted in 02 Verse | No Comments »
Oktober 13th, 2018
Hart prasselt Regen auf die blinden Hausfassaden,
Auf hohle Köpfe unter Baseballmützen.
Durch enge Gassen drängeln Menschen, fett wie Maden
Im faulen Fleisch, durch Hundekot, die Leiber schwitzen
Und frieren, kalter Wind fährt durchs Gewand,
Und Angst kommt an die Oberfläche von tief drinnen;
Wohin du schaust, es zittert jede Hand,
Und in den Ecken der Gedanken nisten Spinnen.
Der Sommer hat sich fortgeschlichen wie ein Dieb,
Mit ihm die Farben, bleich und grau ist rings die Welt,
Und auch die Sinne stumpfen ab und werden trüb,
Indes sich morgens schon der Frust zu Frust gesellt.
Das Klima hängt so wie der Boxer in den Seilen,
Und Jahreszeiten gibt es nur noch auf Papier,
Pardon, am Bildschirm, ja, es ist zum Heulen,
Der Fortschritt geht von einer durch die nächste falsche Tür.
Und wir, wir laufen wie die Narren hinterher,
Den Rattenfängern nach und nie zurück,
So läuft das Leben und es läuft sich immer leer.
So stirbt der Mensch in Raten Stück für Stück.
Posted in 02 Verse | No Comments »
Oktober 7th, 2018
Das Licht der Sonne
Verfängt sich in den Wolken
Wenn Igel und Dachs
Für den tiefen Schlaf sammeln
Und aus dem Osten Krähen
In dunklen Zügen kommen
Posted in 02 Verse | No Comments »