Herbstgefühl (2. Fassung)

Roh zerrt Wind an nackten Bäumen,
Nebel lauern auf Asphalt.
Hinter glatten Häusersteinen
Wuchert ziellos die Gewalt.
Sonne will nicht länger scheinen,
Und die Luft schmeckt bitter kalt.

Und die Wochen trägt kein Lachen,
Mürrisch jedes Menschgesicht.
Dunkelheit schon beim Erwachen
Ist ein tieferes Gewicht.
Abgedämpft, was Hände machen
Im Gefängnis unsrer Pflicht.

In den stillen Parkanlagen
Sucht manch einer noch das Glück.
Doch er findet dort nur Fragen
Und der Krähen höhnisch Blick.
Hin zu seinen frühen Tagen
Sehnt ein Kranker sich zurück.

Jahre purzeln über Stiegen,
Und auf Krücken wankt die Scham,
Stolpert, bleibt am Rinnstein liegen,
Während jemand ganz infam
Neben ihr mit Engelszügen
Bettelt für den Vatikan.

Gehn zum Friedhof morsche Frauen,
Bange Lippen murmeln: Wer
Wird wohl unsre Gräber bauen?
Tisch und Gläser gähnen leer.
Morgens fließt ins Land ein Grauen.
Morgen hofft nicht einer mehr.

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