Herbstnacht 2 (T)

September 29th, 2018

Kalter Wind streift durchs
Dunkel im Laternenlicht
Tanzt braunes Laub wild
Überm Gehsteig das Klopfen
Fremder Schuhe ein Schrei ritzt
Das Antlitz der Nacht Schweigen

Traumtänzer *

September 21st, 2018

Ich träumte heut Nacht
Vom Feuer der herbstlichen
Wälder wir saßen

Im fallenden Laub
Der Platanen und küßten
Die Lippen der Zeit

Ein Tor tut sich auf
In den schlafenden Wellen
Des Meeres tanzen

Wir mit Delphinen
Walzer im sanften Rhythmus
Nächtlicher Stille

Während die Augen
Des vollen Mondes Licht in
Den Atem träufeln

* für Gerda

Der Herbst der Dichter

September 9th, 2018

Was kann der arme Herbst dafür,
Daß Dichter ihn zum Kranken machen,
Zu einem Schwermut-Kitsch-Geschwür,
Tief traurig sein und solche Sachen.
Da hilft nur eins: Macht auf die Tür
Und laßt herein ein helles Lachen.

In dieser immer gleichen Art
Seh ich sie seit der Steinzeit schreiben,
Als gäb´es keine Gegenwart,
An der die Dichter solln sich reiben.
Doch leider bleibt uns nicht erspart
Ihr Oberflächen-Trübsal-Treiben.

September - Rendevous

September 1st, 2018

Der Morgen hat sein Antlitz leuchtend blau geschminkt,
Als hätt der Sommer irgendwo noch ein Atout.
Ich schau zum Fenster raus, seh einen Hund, der hinkt,
Und weiß der Herbst hat morgen schon sein Rendevous.

Die Schwüle vorm Gewitter

August 24th, 2018

Der Wettervogel dreht und schaut herab,
Auf Menschenwesen, die sich ächzend krümmen,
Die in der Gegend hängen völlig schlapp,
Indes die Luft verführt, in ihr zu schwimmen.

Als wär der Körper Ursprung aller Quellen,
Fließt aus den Poren ständig neuer Schweiß.
Die Stunden kleiden sich als Spießgesellen,
Und jeder Atemzug hat seinen Preis.

Und auch der Sonne Antlitz ist verschleiert
Wie eine Jungfrau, da der Horizont,
So schwarz wie Kohle und vom Wind befeuert,
Sich rasend nähert als Gewitterfront.

Stegreif-Verse

August 16th, 2018

Ihr Leute der Community,
Seid euch nur dessen nicht gewiß,
Der Hoffnung, daß es irgendwie
Schon besser wird - Gedankenschiß
Nennt mancher solch Befindlichkeit,
Verliebt, verlobt, verschnupft, voll Google,
So überdrüber weg und weit,
Wer gibt sich denn da noch die Kugel,
Ihr Leute der Community,
Was ist nun wirklich virtuell,
Und was verdammt noch mal real,
Wer ist zu langsam, wer zu schnell.
Ist Politik per se anal,
Ihr Leute der Community,
Gebt bitte Antwort auf die Fragen,
Ist ein PC der wahre Gott,
Dann habe ich euch das zu sagen,
Nicht der PC, ihr selbst seid Schrott,
Ihr Leute der Community,
Das blas ich euch auf dem Fagott,
Bettnässern inklusive.

Glaubt mir, dieser Sommer
Hat die Hoffnung mir geraubt,
Doch was stört das den Herrn Meier,
Der sogar beim Spritzen glaubt,
Daß nur Fische freut das Schwimmen,
Und vor allem Geld, nur Geld,
Kann die Welt alleine krümmen,
Wie ein echter Superheld.
Wetter, Klima kümmern Narren,
Denn was zählt, ist Kapital,
Alles Andere ist Schmarren,
Sagt Herr Meier jedesmal,
Wenn ans Fenster hämmert Regen,
Seine Blase sich entleert
In die Hose, welch ein Segen,
Daß sie seine Frau geteert.

Liebe Leute, nennt mich Kalle.
Doch jetzt bin ich in der Not,
Denn sie stellen mir ´ne Falle
Und der Köder ist ein Brot.
Ganz erstaunt hör ich euch fragen,
Lieber Kalle, sag warum
Wollen sie mit Brot dich jagen,
Hast du Hunger, bist du dumm?
Darauf sage ich euch Leute,
Hunger habe, dumm bin ich,
Wie geschaffen, um als Beute
Euch zu dienen, jämmerlich.
Aber manchmal werden Fallen
Dem zum Schicksal, der sie stellt,
Denn die Beute zeigt die Krallen,
Und auf den die Pranke fällt,
Dem fehlt dann das Leben.

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Im Beton der Städte

August 8th, 2018

Nicht im Beton der Städte such ich Glück,
Am wenigsten im Sommer, wenn die Hitze
Die Straßen schmelzen läßt zu einer Pfütze,
Und alles fault, wohin ich wende meinen Blick,
Und alles stinkt, was immer streift die Nase.

Drei Glieder

August 2nd, 2018

Ihr Damen, Herrn, verehrtes Publikum:
Lauscht alle nun dem Schicksal der drei Glieder.
Das Leben tarnt sich gern als Gaudium,
Bevor es platzt aus allzu engem Mieder.
Was aber macht den Mann zum Mann, kurzum,
Es ist sein Ding, das aufsteht und gleich wieder
Zusammenkippt in seiner Schwächlichkeit.
Zu klein ist meist das Glied und groß der Neid.

Doch hört nun auf das Jauchzen der Fanfare,
Ihr folgen rasend im Galopp Trompeten,
Und dann das Lied der Pimmel-Exemplare:
Das erste Glied hängt glücklich am Poeten,
Das zweite hat ein Trauma ohne Haare,
Beim dritten ist ein Gürteltier von Nöten.
Doch nun voll Dampf im Takt und eins, zwei, drei:
Am Wort sind Glieder, sind so frank und frei:

Als Dichterpenis bin ich sehr zufrieden,
Andauernd hält der Herr mich in der Hand,
Um wild die Vorhaut hin und her zu schieben,
Sodaß ich glühend schreie: Lösch den Brand.
In seinen Büchern werde ich beschrieben,
Ausführlich, detailliert, mit Unverstand.
Ganz zärtlich nennt er mich oft “Lieber Schwanz”
Und reißt mich hoch zum nächsten Eiertanz.

Einst fuhr ich rein in jeden Weiberschoß.
Als Bobbis Hammer war ich nicht zu schlagen.
Die Ehefrau fand mich so schrecklich groß.
Sie meinte wohl, ich könnte ihr gar schaden.
Die Hexe schnitt mich ab ganz skrupellos
Und schmiß mich nachts brutal aus Bobbis Wagen.
Gefunden wurde ich und angenäht
Dem Mann, dem jetzt sein Schwert nie steif mehr steht.

Aus schwarzem Eisenholz geschnitzt mit Liebe
Und Stacheln außen, groß wie ein Reptil,
Erdacht, gemacht für schweißvolles Geschiebe,
Für das Perverse in dem Puppenspiel.
Ich kenne keine Pannen im Getriebe,
Denn ich, ich bin ein Dauererektil.
Und welches Loch auch immer meine Eichel
Befährt, die Lippen saften Sülz und Speichel.

Doch nun genug von solcherlei Gemächt.
Ein Penis ist ein Wurm, kein Bügeleisen,
Und deshalb ist das Leben ungerecht,
Was ihr schon wißt, das muß ich nicht beweisen.
Vergeßt für eine Weile das Geschlecht,
Vergeßt dies Lied und träumt von Urlaubsreisen,
Von blauen Stränden, duftend roten Rosen
Und nicht vom Beistrich in den Unterhosen.

p.s.: Das Gedicht stammt aus d. Vorzeit der Versfabrik, d.h. es ist schon Anfang der 90er Jahre entstanden, wodurch die realen Bezugspunkte, auf die es anspielt, v.a. Bobbis Hammer, dem heutigen Leser fremd sein dürften, was dem Lesevergnügen aber keinen Abruch tut, wie wir meinen.

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Auf dem Hügel im Gras sitzend *(T)

Juli 27th, 2018

Leg sanft die Hände
In meine lass Gedanken
Hoch steigen im Wind
Über den Horizont wo
Sie im Abendrot leuchten

* für Gerda

Reisen (T)

Juli 21st, 2018

Zähl nicht die Stunden,
Die du verloren hast. Schau
Hoch zu den Sternen
Und laß die Gedanken auf
Eine lange Reise gehn.