Das Fenster

Oktober 7th, 2008

Im linken Flügel Verse, rechts die Träume,
So wird das erste Fenster immer aufgemacht,
Zu schauen in die sonst versperrten Räume,
Bei Tageslicht vielleicht, manchmal bei Nacht.
Im Spiegel wiegen sich die nackten Bäume,
Am Trottoir ein Mann in Eisentracht,
Ein dicker Hund verziert die glatten Steine.
In die Gedanken schiebt sich ein Verdacht:
Die Welt ringsum besteht nur aus Attrappen,
Die Zeit beginnt sich schneller zu verknappen.
Die Zukunft ist ein schwarzes Loch.

Politik

Oktober 4th, 2008

Schließt den Mund,
Sie machen einen Kompromiß.
Das heißt, wir
Werden nasgeführt in Hundeschiß.

Dein Blick wirft Falten

Oktober 4th, 2008

Dein Blick wirft täglich an die hundert Mal
Am Stein der Hausfassaden trübe Falten;
Er speichert all die morschen Menschgestalten
In ihrer Kreisbewegung um die Qual.

Du schaust und siehst nur niedere Gewalten.
Der Himmel wirkt so ausgequetscht und fahl.
Der Leute Schädel glänzen fleischig kahl.
Die Augen können es nicht länger halten.

Sie schließen sich, der Blick läuft nun nach Innen,
Doch auf den Gängen rutscht er aus im Dreck,
Und hinter Wänden schreien fremde Stimmen.

Das Ohr vernimmt, wie sie sich kreischend krümmen,
Und langsam säuft sich an dir voll ein Zeck,
Und draußen fliegen alle Dächer weg.

Dumme Menschen

Oktober 4th, 2008

Es ist das Vorrecht des Dummkopfs, sich selbst als klug und die anderen als zumindest weniger klug als sich selbst zu sehen; und je größer der Grad der Dummheit, umso klüger sieht er sich in der Regel selbst und all die anderen dementsprechend umso dümmer. Dieser Umstand, der psychologisch betrachtet, für das Selbstwertgefühl des Dummkopfs als Notwendigkeit erscheinen mag, läßt den Kontakt mit dummen Menschen, von denen es leider mehr als nur viele gibt, zu einer Form des Masochismus werden, der nicht jedermanns Sache ist, wozu ihn aber die geltenden Regeln der Höflichkeit zwingen, denn nur durch Zustimmung fühlt der Dumme sich nicht beleidigt, woraus letztendlich nur die eine Wahl resultiert, entweder sich selbst vor dem Dummkopf herabzusetzen oder ihn durch schlichtes Ignorieren zu beleidigen. Es ist eine Illusion zu glauben, der erwachsene Dumme sei in irgendeiner Form lernfähig bzw. der Argumentation zugänglich, denn Lernfähigkeit bzw. Argumentation sind per se ein Widerspruch zur ausgewachsenen Dummheit.
Abgesehen von der Bedeutungsebene, die dem Dummkopf verschlossen bleibt, gibt es noch die materielle Daseinsebene und die Psychologie als ein Amputationsverfahren.
Ist Dummheit also ein erstrebenswerter Zustand für das Individuum. Das ist eine müßige Frage, denn bei erwachsenen Menschen scheint sie eine normative Notwendikeit für den einzelnen zu sein, um in der Masse nicht unterzugehen. Resultat und nicht Ausgangspunkt einer multifaktoriellen Entwicklung, anders gesprochen, die heutige Kapitalistische Konsumgesellschaft funktioniert v.a. auf der Basis individueller Verdummung; einzig einer dummen Menschheit ist die Welt, so wie sie (geworden) ist, noch zumutbar.

Katzenfreund

Oktober 3rd, 2008

Ich bin kein Menschenfreund, das muß ich sagen,
Die Menschen sind meist häßlich oder dumm,
Vom Neid getrieben werden sie ganz krumm.
Und ständig müssen sie die andern schlagen.

Nein, meine Symphatie gehört den Katzen.
Mich faszinieren Schönheit, Eleganz,
Von ihrer Nasenspitze bis zum Schwanz,
Die scharfen Krallen ihrer weichen Tatzen;

Die lustig zucken, wenn die Katze träumt.
Und streichelst du das seidenweiche Fell,
Dann schmiegt sie sich an dich und schnurrt als Freund.

Dann wandelt sich das Seelendunkel schnell.
Und ich wär selber gern ein Katzentier
Und hätte statt zwei Beinen lieber vier.

Der Dopingjäger

Oktober 3rd, 2008

Mit weißem Mantel, aufgesetzter Miene,
Stolziert er wichtigtuend durchs Labor,
als Herr und Meister, Tester, Kontrollor,
So unbestechlich wie die Blechmaschine.

Die Jagd auf Sünder, das ist sein Ressort.
Ein Chemodetektiv der Sportlatrine,
Und die Gedopten auf die Guillotine,
Sonst schießt ein Kaffeetrinker gar ein Tor.

Er sieht sich selbst als die Instanz Moral,
Für Fairness, Sauberkeit im Nierensaft,
Den er verkostet täglich und total.

Verräterspuren, ja, die Muskelkraft
Ist nicht von Gott; der Hüter wird brutal.
Er straft. Doch wer prüft die Expertenschaft?

Epilog zur Wahl

Oktober 3rd, 2008

Die Wahl ist fehlgeschlagen.
Wir sehn´s am Resultat.
Jetzt müssen wir ertragen
Ein neues Plagiat,
Den alten Apparat.
Spart lieber eure Klagen
Und plant ein Attentat.

Nationalratswahl 08

September 29th, 2008

Daß Wahlkampf und Wahl endlich hinter uns liegen, ist das einzig Positive, das mir dazu einfällt. Über das Negative, das in den letzten Wochen und Monaten von Politikern und Medien abgesondert wurde, erspare ich mir jeden Kommentar, über das Resultat des Wahlgangs ebenfalls, denn es kostete genug Mühen, die letztendlich vergeblich waren, dem Stimulieren der Dumpfbacken und Hirnlosen, das wie ein tropischer Regen über Wochen ohne Unterbrechung auf uns herniederprasselte, zu entkommen.

Arschbacken

September 22nd, 2008

Die linke ist in Form und Farbe Teig,
Die rechte ist wie immer fett und feig.
Dazwischen lallt gepreßt ein braunes Loch.

Aus der Zeitung

September 18th, 2008

In Genf spielen größenwahnsinnige Forscher mit dem Weltuntergang, behaupten jene, die, weil sie nichts wissen, meinen, alles zu wissen. In Österreich hat ein Jäger zwei Hirsche abgeschossen, mit einer Kugel, sagt dieses Arschloch, wahrscheinlich hat er eine Elephantenbüchse verwendet. In Deutschland läuft derzeit “Die Rückkehr der Mumie”, Teil 17, Franz Müntefering wurde exhumiert und soll als lebendige Leiche die deutsche Sozialdemokratie wieder zum Leben erwecken. In Peking findet derzeit die größte Freakschau der Welt statt, genannt Paralympics, doch heute werden die Freaks nicht mehr im Zirkus vorgeführt, heute führen sie sich selbst vor, und die Weltöffentlichkeit ist peinlich berührt und klatscht Beifall bei der Monströsitätenschau, und die Behinderten fühlen sich so richtig normal, die übrigen Meldungen, die mir vor die Augen kommen, sind ebenso idiotisch .
p.s.: Und noch einmal das Jagdgesindel. Ein 67jähriger hat von einem Hochstand die größte Wildsau geschossen, die er noch nicht einmal in seinen Träumen gesehen hat. Tatsächlich war es ein schwarzer VW-Golf, den er mit einem Blattschuß zur Strecke brachte. Da der Wagen aufgrund einer Panne nicht besetzt war, die Blinklichter hielt der senile Knallkopf für die gefährlich funkelnden Augen der Bestie, kam nur die Karosserie des Autos zu Schaden, der Schütze darf weiter herumballern, zumindest so lange, bis er einen Menschen umlegt, den er für einen Fuchs oder gar einen Wolf hält, denn in Niederösterreich genießt das Abknallen wehrloser Tiere einen hohen Stellenwert, den die Spitzen der dortigen Gesellschaft zu würdigen wissen.

p.s.: Die Freakschau in Peking ist nicht als Beleidigung Behinderter aufzufassen, sind wir doch alle irgendwie behindert, sondern als Kritik an der globalen medialen Verwurstung des Themas Behindertensport, wie es bei den Paralympics in Peking zelebriert wurde.