Archive for the ‘02 Verse’ Category

Stürmischer Herbst

Mittwoch, September 16th, 2020

Er reißt die letzten Blätter von den Bäumen,
Der Sturm. Durch Gassen fliegt manch ein Toupet.
Die so Entblößten singen laut: O Weh!
Der Dichter denkt, was soll ich darauf reimen?

Dass die enthemmten Winde herzhaft greinen,
Das stört die Tante, schlürft sie doch Kaffee.
Im Spiegel quietscht ein nacktes Kanpee,
Und Stroh macht Beine in den vollen Scheunen.

Jetzt werfen Dächer gar mit Ziegelsteinen
Und kümmern einen Dreck sich um Fairplay.
Schau hin, ringsum ist alles nur Klischee,
Das heut hausieren geht auf tausend Beinen.

2.Fassung von “Herbsttag”.

Heimkehr

Dienstag, September 8th, 2020

Ich bin mit den Wolken gezogen,
Im Rucksack die Zeit, die gerinnt.
Ich stieg auf den Regenbogen
Und sang ein Lied mit dem Wind.

Ich lief über Land tausend Meilen
Und langte doch nie an ein Ziel.
Doch nachts im Wald bei den Eulen,
Da brannte in mir ein Gefühl.

Nach Jahren steh ich jetzt wieder
Vorm Haus, das ich früh schon verließ.
Im Garten blüht leuchtend der Flieder,
Und unter den Füßen knirscht Kies.

Herbst (H)

Montag, August 31st, 2020

Im goldenen Kleid
Steht der Wald am Himmel
Ziehn Schwalben südwärts

Peyote

Dienstag, August 25th, 2020

Auf einem Kaktus
Sitzend dreiunddreißig und
Einen Meter mehr

Über Wüstensand,
In dem die Gebeine von
Schakalen glänzen,

Weiß und ein Schädel
Mit Hörnern im grellen Licht
Der Mittagssonne.

Ringsherum steigen
Die Geister der Ahnen aus
Dem dürren Grund,

Mit offenem Maul,
Wo Klapperschlangen brüten,
Und faltiger Haut.

Dem Himmel so nah
Und fern den Göttern flimmert
Rot der Horizont.

Der Sommer wird schon alt

Dienstag, August 18th, 2020

Der Sommer ist jetzt schon -zig Tage alt,

Der Tag neigt sich zu seinem dunklen Ende.

Die Stunden schlagen schnell und mit Gewalt

Mit ihren hohlen Köpfen gegen Wände.

Und die Sekunden brennen in den Augen

Wie hochprozentig scharfe Laugen.

Randnotiz

Montag, August 3rd, 2020

Stark geschminkt quellen
Die Wörter aus den Fingern
Auf den Bildschirm und
Sinken im Fluß der Zeit
Der Mann im Mond tanzt
Mit dem Schweif des Kometen
Tango am Rand der Iris
Flimmern die Ringe Saturns

Goa (Ts)

Montag, Juli 27th, 2020

Die Typen in der Bar am Strand sind zu
Gedröhnt mit Ganja, Charras oder Smack.
Boom. Shiva schwebt auf Nadeln um das Eck
Mit zweigezackter Zunge. Und im Nu

Erklingt Musik von Tablas und Sitar,
Am Tisch ein Korb voll knackiger Bananen,
Im Dunst der Flöten ziehen Karawanen
Entlang des Flusses wütet ein Korsar.

Ich schau zum Horizont hinaus aufs Meer,
Der Feuerkopf ist halb schon am Ertrinken,
Indes im Osten erste Sterne blinken.

Ein leichter Wind fegt die Gedanken leer.
Wir steigen in das Fischerboot und gleiten
Auf sanften Wellen in die stillen Weiten.

Sommermitte

Montag, Juli 20th, 2020

Monatsende, Sommermitte
Und das Wetter spielt verrückt.
Nein, ich brauche keine Hütte,
Wo die Wanduhr krachend tickt
Und der Spiegel sich verzerrt.

Wie es ist (T)

Freitag, Juli 10th, 2020

Einen Engel hab
Ich heute nicht gesehen
Nur all die Leute
Die sich tagtäglich maskiern
Um sich selbst zu ertragen

Der Ritt auf dem Tiger (Ts)

Freitag, Juli 3rd, 2020

Heut reite ich auf einem weißen Tiger,
Der nur in Burma lebt, am Saum der Nacht,
Im Blütensturm, der Stern um Stern entfacht,
Und bin für ein paar Stunden dann ein Sieger.

Noch gestern saß ich in der Luft im Flieger,
Kam von Kalkutta mit der teuren Fracht.
Wer weiß schon, wie es ist, wenn alles kracht
Im Körper, und Synapsen spielen Krieger.

Der Dschungel öffnet sich mit Krokodilen,
Die nach Libellen schnappen, spitze Zähne
Im Maul, im Hintergrund schreit die Hyäne.

Im roten Cadillac, voll von Gefühlen,
Fahr ich, die Zigarette in der Hand,
Dahin, dahin in das gelobte Land.