Die Rock und Roll-Band

März 13th, 2009

Wie Idioten würgen sie Gitarren,
Auf Engelsstaub die haarig-harten Männer,
Daß Eis und Kälte schrumpfen gar im Jänner
Bei solchem Rock, der rollt und den bizarren

Figuren auf der Bühne, grell geschminkt
Wie Zombies, echte Freaks in jeder Lage,
Privat, on stage, zur Nacht und auch am Tage.
Und furzen tun sie gerne, weil es stinkt.

Das Schlagzeug ist das Rückgrat jeder Band
Computer schaffen stampfende Ekstasen,
Bis Fell und Trommeln platzen und ein Rasen
Entsteht im Publikum. Manch Mädchen flennt

Laut vor Verzückung. Andre reißen sich
Vom Leib die Kleider. Haut ist noch zu heiß.
Und Luft wird knapp, wenn ringsum dampft der Schweiß,
Der Nasen kitzelt, süß bis säuerlich.

Und einer ohne Arme zupft den Baß
Mit seinen Beißern, frisch aus Porzellan,
Im Juckreizrhythmus der verlausten Scham.
Da werden noch die letzten Höschen naß.

Und “Rock mich, Baby, roll mich durch die Nacht”,
Kreischt schrill der Sänger in das Mikrophon,
Die Venen vollgepumpt mit bleichem Mohn,
Die Töne falsch, daß jeglich Vöglein lacht.

Und Rüssel haben alle Musikanten,
Die reichen stündlich bis nach Bogota,
Und sind auch nötig für das Bum Bum Ba,
Wie Wasser für die Wüstenelefanten.

Doch Kraftstoff kostet einen Haufen Geld.
Und gratis kriegt das Zeug nicht einmal Gott.
Drum geht die Qualität so rasch bankrott,
Wenn Kapital allein beherrscht die Welt.

Wie Idioten würgen sie Gitarren,
Und blöken blöde was von Rock und Roll,
Und zeigen sich im vollen Wortsinn toll,
Als Hampelmänner, echte Hüpfauf-Narren.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Die Scharte

März 12th, 2009

Nun, aus momentaner Warte
Sitzt im Antlitz dieser Welt
Eine höchst brutale Scharte,
Offen, geifernd, nach mehr Geld.

Eins wie´s andre

März 12th, 2009

Zeig mir doch den Arsch der Welt,
Oder zeig mir ihr Gesicht.
Und ich sag dir, mir gefällt
Eins wie´s andre nicht.

Echt falsch

März 12th, 2009

Was ist häßlich, was ist schön?
Was ist gut und was ist schlecht?
Wenn wir in den Spiegel sehn,
Wird das Falsche plötzlich echt.

Nachrichten

März 11th, 2009

Letzte Nachricht aus dem Äther
Lautet: Leute sperrt die Türen
Zu, weil sonst die Amoktäter
Euch wie Fliegen massakrieren.
Letzte Nachricht aus dem Äther
Lautet: Leute sperrt die Türen
Auf, weil mann die Amoktäter
Konnte glücklich massakrieren.
Letzte Nachricht aus dem Äther
Lautet, daß der Wirtschaftskrise,
Wie sie meinen, Schuldlosväter
Planen neue Paradiese.
Letzte Nachricht aus dem Äther
Lautet: Leute, morgen früh
Wird es besser oder später.
Aber was, für wen und wie?
Wo doch jeder Gassenköter
Später schlechter lebt als nie.

Prügelkind

März 10th, 2009

Im Namen der Liebe,
Von Mutter und Vater,
Gab´s immer nur Hiebe
Auf Hintern und Rübe,
Im Namen der Liebe.
Welch falsches Theater
Im Namen der Liebe,
Von Vater und Mutter.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at, 1994

Glas kauen

März 9th, 2009

Kennt wer den einen Gang in jenen Nächten,
Da nichts als nackte Wut noch existiert
Und jede Straße tief und tiefer führt,
Bis auf den Grund von ausweglosen Schächten?

Kennt wer den einen Zwang bestimmter Stunden,
Da plötzlich das Empfinden explodiert,
Der Nacken eisig kalte Lippen spürt
Und alle Ordnung ist im Nu verschwunden?

Ich kenn den einen Gang und kenn die Zwänge
Am End der Nacht die feuerheißen Tränen.
Auch der Verzweiflung Grund ist zu erwähnen,
Die immer höher steigt in voller Länge.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Dein Haar

März 6th, 2009

Dein Haar, das ist der Schweif von meinem
Kometendasein irgendwo im All.
Dein Haar ist Hohn dem Zwang der Zeit,
Die ihre Stiefel auf uns drückt.

Dein Haar, das ist wie Blütenstaub
Heilspendender Kamille, ist
Der Formen Rausch des Löwenzahns,
Der Rosenknospen Farbenspiel.

Und öffnen deine Hände
Des Zopfes Flechten, so
Hör ich der Amseln Lieder
Als ersten Frühlingsgruß.
Und schwalbengleich, so schwerelos
Tanzt windbeschwingt im Sommersatt
Dein Haar, von Knoten, Bändern losgemacht,
Wie Drachen in das Wolkenweiß,
Dem Blätterfall zum Trotz im Herbst,
Entfliehn und wiederkehrn, wenn Frost
Mit Zähnen knirscht, als Winterkleid,
Das die entblößte Hoffnung wärmt.

Dein Haar ist meinem müden Haupt
Ein sanftes Kissen, Träume webend,
Die Fackeln sind am Horizont
Der immerschwarzen Nacht.

Dein Haar, das ist das Gold von meiner
Durch Schmutz und Schmerz entstellten Welt,
Wo Labyrinthe formen taube Mauern
Und Ängste blühn, will ich darin vergehn.

für Gerda

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at 1994

Rebellion der Gehenkten*

März 5th, 2009

Es war einmal im fernen Lande Mexiko
Vor langer Zeit der Baum, das Tier, der Mensch und so=
Gar Gewässer, Berge, Mond in Einigkeit.
Da kamen über sie die weißen Rassen,
So gottgewollt in der Zielstrebigkeit,
Zu morden, plündern und so blind zu hassen.
Hoch ragt das Kreuz als ihr Symbol der Lügen,
Denn die Natur hat sich dem Mensch zu fügen.

Von nah und fern her kam das Volk gelaufen
Und sah den König auf dem Scheiterhaufen
Verbrennen und die Augen hoher Fürsten
Mit bloßen Händen rausgequetscht. Die Scham
Der jungen Mädchen fraßen sie in Würsten.
Europas Herren schafften leicht in ihrem Wahn,
Uraltes Gleichgewicht für immer zu zerschlagen.
Noch heute muß das Volk die Sklavenbürde tragen.

Jänner 94 - Chiapas,
Fragt der In-Dressierte, ist das irgendwas
Zu speisen oder gar ein neuer Trend,
Vielleicht ein Saft, ein Liebeselexier?
Nein, Primitivkultur vom Orient!
So fragen die Verwöhnten, höhnen wir
Und scheuern uns den zähen Schweiß vom Nabel,
Und lieben uns mit Messer und mit Gabel.

Wer bessert seine Lage nur durch Kriechen?
Sie sahen es: Versklavung, Tod und Siechen,
Erinnerten sich an Emil Zapata.
Und wehrten sich und haben sich erhoben,
Wie damals, als die Not am schlimmsten war,
Wie heute, gegen gleiche Schinder oben,
Die ihren Kindern große Autos schenken
Und uns direkt zum Abgrund lenken.

Es ist die alte, immer gleiche Leier
Vom Herrscher, Knecht und vom Befreier,
Den nie gehaltenen Versprechen,
Dem faulen Zauberschein der Heiligen,
Den bestialisch grausamen Verbrechen.
Nur knapp verweilten all die eiligen
Reporter und im Land herrscht wieder Ruh.
Auf roten Weiden weint die dürre Küh.

Von der Regierung dennunziert als Terroristen,
Von Militärs geführt als Durchstreichlisten,
Zerfiel der Aufstand in ganz kurzer Zeit.
Wie sollten es die Chancenlosen schaffen,
Wenn keine Unterstützung weit und breit
In Sicht, es fehlten auch die Waffen,
Sich mit Erfolg der Feinde zu erwehren.
So blieb, wie meistens, bloß ein Tod in Ehren.

Nicht Würde ziert das Antlitz all der Schlächter.
Und morden sie genußvoll mit Gelächter,
So ist es ja die menschliche Natur,
Die weltumspannend sich behauptet.
Und noch nicht eingelöst ist jener Schwur,
Der, in den Himmel tätowiert, da lautet:
Erst wenn die Weißen selbst den Tod sich bringen,
Kehrt Friede ein und rundum ist ein Singen.

* Titel nach B.Traven

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at, entstanden 1994

Narren und Hunde

März 4th, 2009

Am Türstock klopfen Hunde Wasser ab.
Analtrompeten hinter Fensterscheiben.
TV-Programme sind nur mehr zum speiben.
Manch einer Brust wird Atem kurz und knapp.

Im Opernhaus glänzt feistes Kapital.
Schrill grüßen Herr Prothese und Frau Steine.
Für Kinder gibt es Knüttel und dann Leine.
Für Kunststoffkaiser gratis den Skandal.

Schon gestern war die Welt total banal,
Doch voll in Mode sind Fett-Weg-Maschinen.
Vom Himmel nieder schmieren Öllawinen.
Vorgestern baute mensch primär auf Stahl.

Im Waschraum machen Schiebediener schlapp,
Ein Lungenflügel tanzt mit drei Chinesen,
Im Lustkanal verkehren Latexwesen,
Am Türstock beißen Hunde Wasser ab.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at