Zehn Jahre und ein Tag

November 18th, 2013

Wir schmieren uns die Füße ein mit Butter
Und treten in dem Bottich Sauerkraut,
Befahrn den Ozean mit einem Kutter,
Wo Salz die Augen rötet und die Haut.

Vor Madagaskar werfen wir den Anker
Und tauchen tief im Schatten der Korallen,
Am Horizont brennt himmelhoch ein Tanker,
Dass Möwen ringsum aus den Wolken fallen.

Wir ziehen in den Urwald zu den Affen
Und reiten einen Tiger in die Nacht,
Von Stern zu Stern, vorbei an all den schlaffen
Figuren, die der Mund der Zeit entfacht.

Wir reiben uns die Schläfen ein mit Asche
Und pumpen in die Lungen schwarzen Rauch.
Im Kreis marschiert die halbgeleerte Flasche,
Doch ich und du, wir stehen auf dem Schlauch.

Schleimspur

November 1st, 2013

Schneller rollen wir
Hinein in den Tag
Mit morschem Kaffee
Füllt uns der Morgen
Die Zeiger der Uhr
Sind Dornen im Takt
Von Termiten und
Deine Gedanken
Entlaubtes Gesträuch
Im stürmischen Wind
Was bleibt fragst du bloß
Schleim der überall
Glitzert und klebt auf
Flügeln aus Pappe
Und Hufen olé
Später am Abend
Ringen wir lustlos
Geziefer zu Bett
Und träumen hernach
Viel vom Anderssein

EF am 3/4/2010 Titel “Radspur”

Alter Indianerspruch

September 30th, 2013

Hörst du die Steine
Wispern die Wälder wandern
Die Sonne lächeln
Heut ist ein guter Tag
Zum Jagen zum Tanzen
Ein guter Tag zum Sterben

Gürtel und Schuh

September 6th, 2013

Über den Horizont
Spannt sich ein Netz aus Wörtern
Fängt das Abendrot
Auf meinem Gürtel
Tier reite ich von Stunde
Zu Stunde raste manchmal
Zwischen den Zeilen
Trinke Tau aus meinen
Schuhen Salz der Erde
Und schwarze Kirschen
Für den freien Fall
Ans Ende des Traums

Ausweg (T)

September 1st, 2013

Unter mir Wasser
Über mir dunkles Gewölk
Auf einer Brücke
Steh ich und weiß nicht wohin
Hinab in den Fluss vielleicht
Münden als Treibgut im Meer

Nachsommer

August 25th, 2013

Draußen das fröhliche Zwitschern der Meisen,
Das Blau des Himmels ist klar wie ein See.
Ich spüre, noch ist nicht die Zeit zum Reisen.
Am Fensterbrett rot eine Orchidee.

Leichtfüßig kommt die Nacht

August 14th, 2013

Durchs Fenster tauchen schräg die Sonnenstrahlen,
Bis ringsherum das Zimmer golden glüht,
Bis sich die Welt ganz plötzlich in dem fahlen
Verdämmern wandelt und die Farben flieht.

Schon leuchten auf den Straßen die Laternen,
Und an den Häusern lehnt ein kühler Wind,
Auf seinen Lippen Laute wie von fernen
Gestalten, die jetzt leere Schatten sind.

Ein Echo, das aus längst vergessnen Tagen
In deine Schläfen dringt, ein fremdes Pfand,
Mit Worten nicht zu fassen, nicht zu tragen,
Wenn es in dir zerbricht an einer Wand.

Für einen Augenblick ist nur die Stille
Zu spüren, während sich das Kleid der Nacht
Um dich legt in des Dunkels ganzer Fülle,
Und du dich fallen läßt in ihre Pracht.

Sommerlied

Juli 31st, 2013

Ich rinne, rinne, rinne;
Der Körper schwimmt in Schweiß.
Was ich dabei gewinne,
Ist weder kalt noch heiß.

Ich renne, renne, renne,
Mein Herz ist vorm Zerspringen,
Wobei ich das schon kenne,
Die Flucht vor Tag und Dingen.

Ich liege, liege, liege
Am Boden und ganz flach,
Indes Gedanken fliegen
Hinfort von diesem Krach.

2.Fassung

Jugendfreunde

Juli 10th, 2013

Du warst doch auch mal einer von den Typen,
Der ganz genau sah, was so lief ringsum,
Der Steine warf beim Angriff der Polypen
Und abends Haschisch rauchte im Kawumm.

Heut fährst du einen Audi, trägst Krawatte
Und spielst in Vatis Firma Regisseur.
Du passt dich schneller an als eine Ratte,
Glaubst wohl, des Lebens Sinn sei Zubehör.

Uns alle nennst du Loser, machst gern Witze,
Wie Fred in Goa hängt, zu nah am Rand,
Und Emma, sagst du, wohnt in einer Pfütze,
Die sich den Mieter ihrer Träume fand.

Ich selber trink Tequila, schreibe Sätze
Von schwarzen Löchern und der neuen Brut,
Besuche manchmal noch die alten Plätze,
Den Geist, der in der trüben Flasche ruht.

Das Pleite-Geld *

Juni 4th, 2013

An anderer Stelle wurde schon beschrieben, daß der Wechsel von den Landeswährungen zum Euro den Menschen in diesen Ländern eine Sorte von Geld in die Hände schob, deren einzige erkennbare Eigenschaft darin liegt, die Kosten für das Leben rasant steigen zu lassen, sodaß die Masse der Menschen durch den Euro statt reicher stetig ärmer wurde.
Daran ändern auch all die manipulierten Studien, Gutachten und Statistiken nichts, die ständig als Gegenbeweis präsentiert werden, sieht doch ein jeder, der sich damit beschäftigt hat, dass nichts so manipulativ und verlogen ist wie Statistiken.
Daß der Euro aber nicht nur für die einzelnen Individuen Ungemach bedeutet, sondern sogar in der Lage ist, ganze Staaten in die Pleite zu treiben, offenbart sich heutzutage jedem, der das Europäische Trauerspiel beobachtet.
Wieder muß kurz ins Gedächtnis gerufen werden, daß die Erfinder dieser “Superwährung” genau das Gegenteil von dem versprachen, was in Wirklichkeit eingetroffen ist.
Griechenland hängt am Tropf von EU und IWF, Italien, Portugal, Spanien und Irland stehen am Rand des Abgrunds, trotz massiver Eingriffe im Sozial - und Gesundheitsbereich.
Der Betrachter schüttelt entsetzt den Kopf und fragt sich, wie das vor kurzem noch Undenkbare plötzlich nicht nur möglich ist, sondern tatsächlich geschieht. Was ist anders als zuvor, als das Undenkbare noch unmöglich war?
Es ist allein der gemeinsame Euro, der den Unterschied zu früher ausmacht. Dieses ökonomisch völlig verfehlte Konzept einer einheitlichen Währung für unterschiedlich entwickelte Volkswirtschaften hat dazu geführt, daß eine ganze Reihe europäischer Staaten vor dem Konkurs steht.
Und die Rezepte dagegen sind einerseits ein Beharren auf diesem ökonomischen Wahnwitz und andererseits das von IWF und Weltbank seit Jahrzehnten in der “Dritten Welt” praktizierte neoliberale Prinzip des Kaputtsparens staatlicher Strukturen, die über den Bereich “öffentliche Ordnung” hinausreichen.
Wie wir heute wissen, haben IWF und Weltbank in der “Dritten Welt” eine Menge Unheil angerichtet, aber keinem einzigen Staat zu einer erfolgreichen Entwicklung verholfen. Einzig Staaten wie Argentinien, die ihre Zusammenarbeit mit diesen Institutionen aufgekündigt haben, können eine positive Entwicklung vorweisen.
Und diese längst als untauglich entlarvten “Rezepte” sollen in Europa anders wirken. Da lachen ja die Steine.
Wer dies alles in Betracht zieht, kann Griechenland nur empfehlen, dem Schrecken ohne Ende ein schnelles Ende zu bereiten, d. h. Weg mit dem Euro und dem Diktat von IWF und EU, Wiedereinführung einer Landeswährung und Rückkehr zur Verfassung, die nicht nur mit den Verträgen von Lissabon gebrochen wurde.
Um nicht mißverstanden zu werden: Nicht einem dumpfen Nationalismus wird hier gehuldigt, das Gegenteil ist der Fall. Nationalismen und der braune Bodensatz, der immer in Zeiten der Krise an die Oberfläche treibt, haben Europa zuletzt vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert in den Abgrund gezogen. Und auch die Grube, die sich Europa derzeit selbst gräbt, wobei die Gemeinschaftswährung als Spaten fungiert, ist eine verspätete und indirekte Folge jener Katastrophe, deren Auslöser einst eben jene braune Brut war, deren Enkel jetzt wieder aus den Löchern kriechen, um ihr rassistisches und faschistoides Gedankengut unter die Menschen zu bringen.
Aber dass Europas Zukunft eben in seiner Vielfalt liegt, ob geographisch, ethnisch oder kulturell, und nicht in einer bürokratisch von oben verordneten Gleichmacherei, sollten jene bedenken, die schon die längste Zeit den Stiefelknecht spielen für eine Gruppe seniler Wunschträumer und deren Nachkommenschaft.

* der Essay entstand im Jänner 2011