Frühlingstanka (T)

Mai 4th, 2017

Die Birke vorm Haus
Beginnt sich grün zu kleiden
Wir hängen Mantel
Und Schal zu den Motten und
Hören nicht auf zu niesen

Der Dom zu St. Stephan (FG)

April 23rd, 2017

Das Turmkreuz tätowiert die Wolkenbäuche
Ein Stützkorsett verlängert den Zerfall
Das Kerzenlicht verklärt den trüben Stall
Aus greisen Mauern bröckeln Knecht und Seuche

Der Hirte hebt den Kelch und gurgelt Wein
Ein heilig Geist schmiert Salben auf die Worte
Ein Hosenschlitz ist keine Himmelspforte
Im Keller schimmelt grünlich viel Gebein

Hosanna brüllt voll Brunst der Jubelchor
Indes die Ratten aus dem Beichtstuhl flüchten
Auf Schlachtung will kein Opferlamm verzichten
Gebeugte Bettler grasen zahm am Tor

Das Räucherblech folgt Zuchtmonstranzen
Auf Steinen kriecht die Schamprozession
Wo Hunde häufeln schicken Tauben Hohn
Im Leichenpark gilt´s Nachschub einzupflanzen

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Aufbruch (T)

April 18th, 2017

Auf einem Kamel
Über die Wolkenberge
Reiten bis zu den
Offenen Türen der Stadt,
Wo alle Menschen wachsen
Und blühen im Sternenlicht.

Gestern war noch April (T) *

April 8th, 2017

Löwenzahnblätter
Wie Drachenleiber im Wind
Treiben die Pollen
Zwischen Wolken und Wurzeln
Haltlos im Herzschlag der Zeit

* für Gerda

Frühlingskonzert *

März 28th, 2017

Schwester, schicke Aug und Ohren
Schnell zum Fenster raus auf Reisen,
Wo die Winde sich umfloren
Mit Gesang von Amseln, Meisen.

Schwester, horchen wir die Lieder,
Stimmen, rein wie Bergkristall,
Taubenchor klatscht das Gefieder
Und jetzt kommt mit hellem Schall

König Drossel aus den Büschen,
Die vom jungen Grün berauscht,
Sperlinge durchs Blattwerk zischen,
Das den Mantel frisch vertauscht,

Wie seit längst vergangnen Zeiten.
Blechern krächzen Saxophone,
Krähen durch die Wolken gleiten
Richtung Sterne, ihrer Krone.

Tempo, tempo und ein forte
Trommelt rhythmisch rein der Specht
Mit dem Schnabel. Keine Worte
Werden solch Musik gerecht.

Plötzlich ein Moment der Stille
Dämmerung im Schweigetakt,
Bis mit Satchmos Atemfülle
Amsel die Trompete packt.

Wundervoll klingt unser Meister,
Bläst er punktgenau Attacken,
Daß sogar der Toten Geister
Freundlich mit den Knöcheln knacken.

Langsam schließen sich die Schwingen,
Bruder Schlaf besucht den Baum.
Schwester, laß uns weitersingen,
Amsel, Meise sein im Traum.

*für Gerda

aus der Vorzeit der Versfabrik

Birke im Frühling *

März 21st, 2017

Vorbei die Leere
Im Blick der Leute
Vor einer Woche
Waren die Äste
Der Birke noch kahl
Im Nordwind heute
Lächelt die Sonne
Dem sprießenden Gras
Das trunken vom Tau
Den Morgen ersehnt
Von Süden weht Föhn
Steigt über Berge
Vom Frühling berauscht
Der Wärme und Duft
Von Blüten sind wir
Doch alle im Traum
Wär ich gern eine
Birke mit Wurzeln
Greifend ins Tiefe
Und Händen fassend
Den Saum des Himmels

NF * für Gerda

Erinnern *

März 12th, 2017

Wenn ein voller Mond mir leuchten würde,
So weiß wie Schnee in seinem Schimmern,
Dann wären Träume keine Hürde.
Dann käme wieder das Erinnern:

An Wiesen, Wälder, braune Hügel,
An Blumenkunst aus Eiskristall,
An Frühlingsfluten ohne Zügel,
An Herbstgewitter, Blitz und Knall.

Erinnern an ein Mädchenlachen,
Ein kleiner Bahnhof, alte Züge,
An Hoffen, Herzweh, solche Sachen,
An Bauern, Kühe und manch Lüge.

An Vater, Mutter, Schwestern, Brüder,
An Karzinom und Hospital,
Den Friedhof, Tote immer wieder,
Verschwommen an ein Ideal.

Doch leider will kein Mond mir leuchten,
Und schau ich noch so weit zurück,.
Manch Sünde wär vielleicht zu beichten,
Denn eine Hure ist das Glück.

* für Gerda
PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Frühlingsbeginn (S) *

März 5th, 2017

In Resten liegt noch Schnee, graubraun verdreckt.
Das meiste wurde weggespült vom Regen.
Jetzt liegen Matsch und Pfützen auf den Wegen,
Und eine frisch erwachte Sonne leckt

Sich zaghaft-züngelnd durch die blinden Brühen,
Wirft zarte Tupfen Farbe auf die Flächen,
Die winteröden. In geschwellten Bächen
Muß Eis im Bann der Strömung weiterziehen.

Ein milder Südwind schaukelt in den Zweigen,
Die noch kein Blätterkleid zum Tanzen tragen.
Indes die Schläfer sich ins Freie wagen.

Und während alle trüben Tassen schweigen,
Hör ich im Morgengraun die Amseln singen,
So schön, daß die Gedanken rhythmisch schwingen.

für Gerda

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at, 1996

Frühlingsgesang *

Februar 26th, 2017

Sing kleiner Vogel
Sing Frühling in die Herzen
Aller Tage die
Der Kälte nun folgen so
Wollen wir fliegen wie du

*für Gerda

Zeichen

Februar 21st, 2017

Die ersten Wintergäste machen sich bereit
In ihre Heimat fortzufliegen.
Es scheint, der Frühling ist nicht weit,
Wenn mich nicht alle Zeichen trügen.