Archive for the ‘02 Verse’ Category

Ein Fraß der Zeit *

Montag, Dezember 15th, 2008

Ja, manchmal, wenn die Zeiger meiner Uhr
Sich rasend drehen wie ein Karussell
Um eine morsche Achse als Gestell,
Dann frißt sich tief ins Herz der Stunden Spur.

Der Tag hat einen Schatten als Frisur.
Laternen blinzeln aus dem schwarzen Fell.
Ja, manchmal, wenn die Zeiger meiner Uhr
Sich rasend drehen wie ein Karussell.

Der Morgen rudert sich in Positur.
Auf Krücken kommt die Menschenmasse schnell,
Mit Schaum vorm Mund und hündischem Gebell.
Der Horizont reißt ab wie eine Schnur,
Ja, manchmal, wenn die Zeiger meiner Uhr
Sich rasend drehen wie ein Karussell.

* für Gerda

Die weiße Straße *

Montag, Dezember 15th, 2008

Ja, wenn wer sagt, du bist nicht mehr zu retten,
Dann laß solch Worte ruhig weiterziehn.
Vor dir liegt eine Straße Kokain,
Die viele Leute gierig gerne hätten.

Da kannst du deinen letzten Furz drauf wetten,
Da fährst du schneller ab als auf Benzin.
Ja, wenn wer sagt , du bist nicht mehr zu retten,
Dann laß solch Worte ruhig weiterziehn.

Das Dasein ist ein Tier in Eisenketten,
Und Zeit brennt schneller als ein Zeppelin,
Wenn von den Dächern plärrt der Muezzin,
Und überall verstopft sind die Toiletten.
Ja, wenn wer sagt, du bist nicht mehr zu retten,
Dann laß solch Worte ruhig weiterziehn.

* für Gerda

Der Matrose *

Montag, Dezember 15th, 2008

Auch ich bin einer von den Schwermatrosen,
Der, ohne Schiff, herumhängt im Bordell.
Manch einer heißt mich windiger Gesell,
Doch ohne Beistrich in den Unterhosen.

Aufs Grab der Eltern leg ich wilde Rosen
Und in der Tasche trag ich ein Skalpell.
Auch ich bin einer von den Schwermatrosen,
Der, ohne Schiff, herumhängt im Bordell.

Bin Strandgut, wie die meisten Heimatlosen,
Ein Fahrrad ohne Sattel und Gestell.
Allein im Fernweh fließt mein Lebensquell,
Befreit von all den eitlen Menschenposen.
Auch ich bin einer von den Schwermatrosen,
Der, ohne Schiff, herumhängt im Bordell.

* für Gerda

Verkehrslärm *

Donnerstag, Dezember 11th, 2008

Vorm Fenster draußen kreischen die Motoren
Der Autos auf den Straßen wie verrückt,
Beim hin und her, den Fuß aufs Gas gedrückt,
Und rückwärts schießt das Gift aus allen Rohren,

Dringt in den Körper ein durch alle Poren.
Im Blechverkehr wird Nerv um Nerv gepflückt.
Vorm Fenster draußen kreischen die Motoren
Der Autos auf den Straßen wie verrückt.

Ein Nagelkamm frisiert die Rezeptoren,
Passanten werden strohhalmgleich geknickt,
Am Steuer Idioten, voll entzückt,
Wenn von den Köpfen bröseln ihre Ohren.
Vorm Fenster draußen kreischen die Motoren
Der Autos auf den Straßen wie verrückt.

* für Gerda

Der Extremist

Montag, Dezember 8th, 2008

Ich bin ein Extremist
Und gehe nie aufs Klo,
Hab alles vollgepißt,
Von hier bis nirgendwo.

Zum Jahreswechsel *

Freitag, Dezember 5th, 2008

Das alte Jahr keucht trotz finaler Krücken,
Derweil das neue macht sich schon bereit,
Betrunken und im lärmgewebten Kleid,
Und die Gedanken schwirren rum wie Mücken.

Im Traumgebirge reißen Hängebrücken
Und stürzen tief hinab zum Grund der Zeit.
Das alte Jahr keucht trotz finaler Krücken,
Derweil das neue macht sich schon bereit.

Doch will ich gar nicht in die Zukunft blicken,
Ist doch das Übel der Vergangenheit
So groß, daß es nach schnellem Wandel schreit,
Der niemals kommt, solang noch Uhren ticken.
Das alte Jahr keucht trotz finaler Krücken,
Derweil das neue macht sich schon bereit.

* für Gerda

Wer klopfet an *

Donnerstag, Dezember 4th, 2008

Es klopft mit Fäusten wer an meine Tür
Und reißt mich aus den Träumen mit Gewalt.
Das Ziffernblatt der Uhr grinst blöd und kalt.
Von irgendwo tönt leise ein Klavier.

Ist es ein Menschenwesen, ein Vampir,
Die Obrigkeit in häßlicher Gestalt?
Es klopft mit Fäusten wer an meine Tür
Und reißt mich aus den Träumen mit Gewalt.

Warum will wer auch immer jetzt zu mir?
Schon öffnet sich die Tür. Ein kleiner Spalt
Erzeugt die Angst, die ins Gedärm sich krallt
Und die Gedanken quetscht wie ein Geschwür.
Es klopft mit Fäusten wer an meine Tür
Und reißt mich aus den Träumen mit Gewalt.

* für Gerda

Du bist wie Morgentau *

Donnerstag, Dezember 4th, 2008

Du bist wie Morgentau im Sonnenlicht,
Ein Schmetterling, der über Blumen fliegt,
Ein Traum, der sanft sich ins Gedächtnis schmiegt,
Du bist mein einzig wirkliches Gedicht.

Im Blätterkleid verborgen vorm Gesicht
Der Menschenwelt, die sich in Krämpfen biegt,
Bist du wie Morgentau im Sonnenlicht,
Ein Schmetterling, der über Blumen fliegt.

Und Wind baut eine Schaukel dem Gewicht
Der Hoffnung, die sich in die deine fügt,
Und so vereint das Seelendunkel pflügt
Und fortweht auch der Dämmerung Gezücht.
Du bist wie Morgentau im Sonnenlicht,
Ein Schmetterling, der über Blumen fliegt.

*für Gerda

Wen kümmert`s

Freitag, November 28th, 2008

Die Welt geht aus dem Leim.
Wen kümmert´s, wenn wir vor der Glotze sitzen
Und sicher fühln uns noch daheim,
Gestärkt von mega-dummen Witzen,
Die aus uns quellen, zäh wie Schleim.
Die Welt geht aus dem Leim,
Und wir schaun hirnlos dabei zu
Und köpfen eine Flasche Wein:
Gemütlichkeit bedarf der Ruh.
Die Welt geht aus dem Leim.
Was hilft da eine Korrektur.
Als Klebstoff taugt hier auch kein Reim.
Kloaken heißen wir Kultur,
Und sind wie immer stumpf und stur.
Die Welt geht aus dem Leim,
Die Menschheit geht zu Grunde,
Vor Geilheit und mit Sex und Crime,
So winseln wir wie Hunde,
Wenn endlich schlägt die Stunde.

Sie schlägt schon bald.

Am Morgen

Donnerstag, November 27th, 2008

Vom Kreischen des Weckers aus Schlaf und Traum
Gerissen, ringsum nur das trübe Dämmern
Des Morgens. Schutzlos im schutzlosen Raum,
Indes vom Tag, der kommt, die Schläfen hämmern.

Mein Blick fällt auf das Ziffernblatt: Es ziehen
Blind kreisend die Zeiger zum Karneval.
Da möchte ich aus meinem Körper fliehen,
Und ohne Aufschub, schnell und radikal.

Nur fort aus diesem Raum, aus dieser Zeit,
Aus diesem Dasein ohne Weg und Ziel,
Wo die Erkenntnis bringt nur Bitterkeit,
Wo alles derb und dumm ist und skurril.

Doch schaue ich im Bad dann in den Spiegel,
Dann wird mir mein Gesicht entsetzlich fremd.
Und zitternd knüpfe ich am Hals die Zügel,
Indes die Zukunft bis zum Himmel brennt.