Vorm Fenster

Juli 22nd, 2008

Das Gurrn der Tauben auf dem Dach, der Wind

Sagt “Guten Tag” und zieht dann pfeifend weiter,

Ein Hund, der an den Kirschbaum pißt, bellt heiter,

Kohlmeisen fliegen hin und her geschwind,

Im Schnabel Futter für die jungen Meisen

Im Nest. Am Himmel eine Wolkenbank,

Die stetig sich von Ost nach Westen schiebt.

Ob gut, ob schlecht, der Tag, das wird sich weisen,

Bevor der Abend das Gedächtnis trübt,

Bleibt noch ein bißchen Zeit, im Kopf zu reisen.

Tiermörder

Juli 22nd, 2008

Ein Inuit hat einen Wal erlegt,

Der hundertdreißig Jahre alt gewesen.

Was mich dabei so stark erregt,

Wenn ich muß solche Zeilen lesen,

Das will ich jedem klar und deutlich sagen:

Tiermörder und Tierschinder allesamt,

Würd ich am liebsten mit dem Beil erschlagen.

All das Gesindel sei auf Ewigkeit verdammt.

Horrorfilm real

Juli 22nd, 2008

Vor Jahren sah ich einen Horrorfilm mit dem Titel “Ambulance”, in dem ein Rettungswagen durch das nächtliche New York fährt und dabei Leute vom gesellschaftlichen Rand, Obdachlose, Trinker, Dirnen, etc., einsammelt, die dann -gegen ihren Willen- für medizinische Experimente mit meist letalem Ausgang mißbraucht werden. Der Film war spannend, aber harmlos im Vergleich zu dem Horror, der auf New Yorks Straßen heutzutage tatsächlich abläuft. Eine völlig legale Facette dieses Horrors erinnert an den zitierten Film, denn in New York, höre ich, fährt heute schon hinter jedem zu einem Unfall gerufenen Rettungswagen ein zweites Auto mit behördlicher Erlaubnis, dessen Aufgabe es ist, die fast oder ganz toten Unfallopfer sofort zu kühlen und für die bevorstehende Organentnahme zu präparieren. Während der Wagen nun zum Spital zurückrast, werden Angehörige telefonisch verständigt und zugleich gedrängt, genauer genötigt, ihre gesetzlich leider notwendige Einwilligung zur Organentnahme zu geben. Die Vorstellung, den Schockzustand von Angehörigen von Unfallopfern auszunutzen, um ihnen so leichter ihr Einverständnis zur Organentnahme herauslocken zu können, ist abstoßend und zynisch zugleich. Im 18. Jahrhundert waren es noch die Leichen frisch bestatteter Menschen, die für die medizinisch-wissenschaftliche Forschung heimlich wieder ausgegraben wurden, heute werden schon die Noch-Lebenden legal ausgeweidet: welch großer zivilisatorischer Fortschritt, in der Tat!

Rauschianer

Juli 21st, 2008

Da liegen sie auf ihren Rauschmatratzen,

Benehmen sich, als seien sie total verrückt

Und schneiden endlos blöde Fratzen

Und fühlen innerlich sich voll beglückt.

Der Mensch

Juli 21st, 2008

Der Mensch hat sich anscheinend überlebt,

Das heißt, dort wo er lebt, wird alles hin,

Und da er sich enorm vermehrt und weiterstrebt,

Kriegt die Zerstörung, die Vernichtung ihren Sinn.

Ein Montag

Juli 21st, 2008

Im Rhythmus aus und ein und aus und ein

Ist heute Montag, wieder ein Beginn

Des Weges, besser der Etappe, doch allein

In eine Richtung führt der Weg zum Ende hin.

Traumbild

Juli 21st, 2008

Wir malen uns des Lebens Bild

Mit weißen Händen blau im Raum,

Um es zu schmecken schnell und wild

Und feurig kentern fern im Traum.

Die Luft…

Juli 21st, 2008

Die Luft drückt wie ein aufgeblähter Bauch,
Und große Autos fahren sinnlos kreuz und quer
Auf blinden Straßen, auch der Gartenschlauch
Liegt wie gehäutet da und spritzt sich leer.

Zum Abschluß

Juli 20th, 2008

Und zum Abschluß noch vier Zeilen,

Was sie sagen, bleibt egal,

Denn ich muß mich sehr beeilen,

Wird doch schon der Schädel kahl.

Aufgehängt

Juli 20th, 2008

Der Himmel eine träge Suppe,

Der Kopf geschwolln wie ein Ballon,

Der Körper steif wie eine Puppe,

Wenn er da schaukelt vom Plafond.