Archive for März, 2009

Eins wie´s andre

Donnerstag, März 12th, 2009

Zeig mir doch den Arsch der Welt,
Oder zeig mir ihr Gesicht.
Und ich sag dir, mir gefällt
Eins wie´s andre nicht.

Echt falsch

Donnerstag, März 12th, 2009

Was ist häßlich, was ist schön?
Was ist gut und was ist schlecht?
Wenn wir in den Spiegel sehn,
Wird das Falsche plötzlich echt.

Nachrichten

Mittwoch, März 11th, 2009

Letzte Nachricht aus dem Äther
Lautet: Leute sperrt die Türen
Zu, weil sonst die Amoktäter
Euch wie Fliegen massakrieren.
Letzte Nachricht aus dem Äther
Lautet: Leute sperrt die Türen
Auf, weil mann die Amoktäter
Konnte glücklich massakrieren.
Letzte Nachricht aus dem Äther
Lautet, daß der Wirtschaftskrise,
Wie sie meinen, Schuldlosväter
Planen neue Paradiese.
Letzte Nachricht aus dem Äther
Lautet: Leute, morgen früh
Wird es besser oder später.
Aber was, für wen und wie?
Wo doch jeder Gassenköter
Später schlechter lebt als nie.

Prügelkind

Dienstag, März 10th, 2009

Im Namen der Liebe,
Von Mutter und Vater,
Gab´s immer nur Hiebe
Auf Hintern und Rübe,
Im Namen der Liebe.
Welch falsches Theater
Im Namen der Liebe,
Von Vater und Mutter.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at, 1994

Glas kauen

Montag, März 9th, 2009

Kennt wer den einen Gang in jenen Nächten,
Da nichts als nackte Wut noch existiert
Und jede Straße tief und tiefer führt,
Bis auf den Grund von ausweglosen Schächten?

Kennt wer den einen Zwang bestimmter Stunden,
Da plötzlich das Empfinden explodiert,
Der Nacken eisig kalte Lippen spürt
Und alle Ordnung ist im Nu verschwunden?

Ich kenn den einen Gang und kenn die Zwänge
Am End der Nacht die feuerheißen Tränen.
Auch der Verzweiflung Grund ist zu erwähnen,
Die immer höher steigt in voller Länge.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Dein Haar

Freitag, März 6th, 2009

Dein Haar, das ist der Schweif von meinem
Kometendasein irgendwo im All.
Dein Haar ist Hohn dem Zwang der Zeit,
Die ihre Stiefel auf uns drückt.

Dein Haar, das ist wie Blütenstaub
Heilspendender Kamille, ist
Der Formen Rausch des Löwenzahns,
Der Rosenknospen Farbenspiel.

Und öffnen deine Hände
Des Zopfes Flechten, so
Hör ich der Amseln Lieder
Als ersten Frühlingsgruß.
Und schwalbengleich, so schwerelos
Tanzt windbeschwingt im Sommersatt
Dein Haar, von Knoten, Bändern losgemacht,
Wie Drachen in das Wolkenweiß,
Dem Blätterfall zum Trotz im Herbst,
Entfliehn und wiederkehrn, wenn Frost
Mit Zähnen knirscht, als Winterkleid,
Das die entblößte Hoffnung wärmt.

Dein Haar ist meinem müden Haupt
Ein sanftes Kissen, Träume webend,
Die Fackeln sind am Horizont
Der immerschwarzen Nacht.

Dein Haar, das ist das Gold von meiner
Durch Schmutz und Schmerz entstellten Welt,
Wo Labyrinthe formen taube Mauern
Und Ängste blühn, will ich darin vergehn.

für Gerda

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at 1994

Rebellion der Gehenkten*

Donnerstag, März 5th, 2009

Es war einmal im fernen Lande Mexiko
Vor langer Zeit der Baum, das Tier, der Mensch und so=
Gar Gewässer, Berge, Mond in Einigkeit.
Da kamen über sie die weißen Rassen,
So gottgewollt in der Zielstrebigkeit,
Zu morden, plündern und so blind zu hassen.
Hoch ragt das Kreuz als ihr Symbol der Lügen,
Denn die Natur hat sich dem Mensch zu fügen.

Von nah und fern her kam das Volk gelaufen
Und sah den König auf dem Scheiterhaufen
Verbrennen und die Augen hoher Fürsten
Mit bloßen Händen rausgequetscht. Die Scham
Der jungen Mädchen fraßen sie in Würsten.
Europas Herren schafften leicht in ihrem Wahn,
Uraltes Gleichgewicht für immer zu zerschlagen.
Noch heute muß das Volk die Sklavenbürde tragen.

Jänner 94 - Chiapas,
Fragt der In-Dressierte, ist das irgendwas
Zu speisen oder gar ein neuer Trend,
Vielleicht ein Saft, ein Liebeselexier?
Nein, Primitivkultur vom Orient!
So fragen die Verwöhnten, höhnen wir
Und scheuern uns den zähen Schweiß vom Nabel,
Und lieben uns mit Messer und mit Gabel.

Wer bessert seine Lage nur durch Kriechen?
Sie sahen es: Versklavung, Tod und Siechen,
Erinnerten sich an Emil Zapata.
Und wehrten sich und haben sich erhoben,
Wie damals, als die Not am schlimmsten war,
Wie heute, gegen gleiche Schinder oben,
Die ihren Kindern große Autos schenken
Und uns direkt zum Abgrund lenken.

Es ist die alte, immer gleiche Leier
Vom Herrscher, Knecht und vom Befreier,
Den nie gehaltenen Versprechen,
Dem faulen Zauberschein der Heiligen,
Den bestialisch grausamen Verbrechen.
Nur knapp verweilten all die eiligen
Reporter und im Land herrscht wieder Ruh.
Auf roten Weiden weint die dürre Küh.

Von der Regierung dennunziert als Terroristen,
Von Militärs geführt als Durchstreichlisten,
Zerfiel der Aufstand in ganz kurzer Zeit.
Wie sollten es die Chancenlosen schaffen,
Wenn keine Unterstützung weit und breit
In Sicht, es fehlten auch die Waffen,
Sich mit Erfolg der Feinde zu erwehren.
So blieb, wie meistens, bloß ein Tod in Ehren.

Nicht Würde ziert das Antlitz all der Schlächter.
Und morden sie genußvoll mit Gelächter,
So ist es ja die menschliche Natur,
Die weltumspannend sich behauptet.
Und noch nicht eingelöst ist jener Schwur,
Der, in den Himmel tätowiert, da lautet:
Erst wenn die Weißen selbst den Tod sich bringen,
Kehrt Friede ein und rundum ist ein Singen.

* Titel nach B.Traven

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at, entstanden 1994

Narren und Hunde

Mittwoch, März 4th, 2009

Am Türstock klopfen Hunde Wasser ab.
Analtrompeten hinter Fensterscheiben.
TV-Programme sind nur mehr zum speiben.
Manch einer Brust wird Atem kurz und knapp.

Im Opernhaus glänzt feistes Kapital.
Schrill grüßen Herr Prothese und Frau Steine.
Für Kinder gibt es Knüttel und dann Leine.
Für Kunststoffkaiser gratis den Skandal.

Schon gestern war die Welt total banal,
Doch voll in Mode sind Fett-Weg-Maschinen.
Vom Himmel nieder schmieren Öllawinen.
Vorgestern baute mensch primär auf Stahl.

Im Waschraum machen Schiebediener schlapp,
Ein Lungenflügel tanzt mit drei Chinesen,
Im Lustkanal verkehren Latexwesen,
Am Türstock beißen Hunde Wasser ab.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Anmerkungen zu “Der Widerspenstigen Zähmung”

Dienstag, März 3rd, 2009

Letztens stieß ich im Netz auf die Homepage einer “viersprachigen Dolmetscherin” und überzeugten Feministin (Eigendefinition), die, wie Millionen andere auch, ein öffentliches Tagebuch im Web führt, in dem sie der weltweiten community berichtet, “daß sie gestern in Berlin im Theater war, ein Stück von Kleist sah, welches sie dufte fand “, gemeint war die Aufführung, “obwohl eine Schar Kinder Lärm machte.” Zuvor war sie in New York, dort zwickte sie der BH, worauf sie sich einen neuen kaufte, usw., usf.. Gut, das ist nicht der Grund, warum sie in der versfabrik.at zitiert wird, vielmehr wegen ihrer Überzeugung als “Feministin”, daß Shakespeares “The Taming of the Shrew” (Der Widerspenstigen Zähmung) mit einem weltweiten Aufführungsverbot belegt werden müßte. Ja, auch viele Shakespearefreunde und v.a. solche, die sich dafür halten, haben mit diesem Stück gröbste Probleme, manche behaupten sogar, das Werk stamme nicht von Shakespeare, sondern wurde ihm böswillig untergeschoben. Warum? Weil sie, wie die meisten Menschen, Knechte ihrer Vorurteile sind, wobei das Stück auch noch in unserem Jahrhundert seine zeitlose Aktualität beweist. Denn, was wird dem Leser und Zuseher vor Augen geführt? Die “Zähmung” einer “Widerspenstigen” mit Methoden, die wir heute als Folter bezeichnen würden, wie permanenter Schlaf-und Nahrungsentzug, und zwar so praktiziert, daß das Opfer einer Gehirnwäsche unterzogen wird, bis es als Ich-lose Puppe auf Knopfdruck jedem noch so unsinnigen Befehl ihres Herrn nachkommt. Im heutigen Sinn: Ein Nicht-Angepaßter, ein “Verhaltensauffälliger”, im Stück eine Frau, die sich dem patriachalischen Diktat nicht unterordnen will, wird von ihrem Vater gegen ihren Willen mit einem rabiaten Freier zwangsverheiratet, wodurch die Frau in den Besitz ihres Gatten übergeht. Der zögert auch keinen Augenblick und beginnt mit Sadismus und Brutalität die Persönlichkeit der Frau total auszulöschen, bis sie am Schluß, wie schon gesagt, eine willenlose Puppe ist, die an den Demütigungen ihres Peinigers Gefallen findet. Selten wurde das Auslöschen einer Persönlichkeit eindringlicher auf die Bühne gebracht, als in “The Taming of the Shrew”. Also, wo liegt das Problem? Denn nur Narren oder Personen, die das Stück nicht kennen, unterstellen Shakespeare Sympathie für Petruchio, dem sadistisch-brutalen “Zähmer”, oder dessen Tun. Manche sagen, die Gestaltung des Stoffs als Komödie sei das Problem. Worauf ich antworte: Wie sonst, wenn nicht als Komödie, hätte er diese Materie transportieren können, sofern wir davon ausgehen, daß Shakespeare seine Dramen schrieb, damit sie auf der Bühne auch aufgeführt werden. Gerade die Form der Komödie macht dieses Stück zu einem Meisterwerk der Subversion, das das lachende Publikum in dem Ausmaß vorführt, wie die “Welt der männlichen Gebieter” auf der Bühne.
Beim genaueren Betrachten der meisten “Komödien” Shakespeares, ob “Maß für Maß”, “Der Kaufmann von Venedig”, “Wie es euch gefällt”, “Ende gut, alles gut” u.a.m., sind die positiven, männlichen Helden in der Regel Phrasendrescher, Maulhelden, mit einem Wort Charakterschwächlinge. Ganz anders die wichtigen Frauenrollen, die nicht nur in ihren weiblichen Attributen positiv gezeichnet werden, sondern auch an Geist, Witz, Mut und Tatkraft ihren männlichen Widerparts haushoch überlegen sind. Doch dieser Werkkontext wird bei “Der Widerspenstigen Zähmung” einfach ignoriert. Anscheinend ist die Literaturkritik bis heute nicht in der Lage, die dem Stück immanente Kritik am Patriarchat Shakespear zuzutrauen.
Genaugenommen versagen bei Shakespeares Nicht-Tragödien die herkömmlichen Gattungsmerkmale der Komödie in solchem Ausmaß, daß für die späteren Komödien des Dichters der Begriff Romanze als Krücke verwendet wird, um das Faktum zu verschleiern, daß Shakespears Dramen zwar die Gattungskonventionen befriedigen, aber nur zum Teil, zum anderen Teil werden diese Konventionen unterlaufen und überwunden. Gerade das macht, neben der unvergleichlichen poetischen Kraft seiner Sprache, ihre Einzigartigkeit, zeitlose Gültigkeit und folglich ihre Aktualität in nicht geringem Maße aus.

Im Wald

Dienstag, März 3rd, 2009

Im Laub verborgen knien gespannt Soldaten,
Bereit zu töten, wie ein Arzt Geschwüre
Aus Leibern schneidet. Junge Offiziere
Im Glück. Da fällt ein Hagel von Granaten.

Woanders unterschreiben Herrn Papiere,
Verjährte Mönche orgeln Restkantaten.
Das Küstendickicht entern Schmutzpiraten.
Im Wald verrotten elend Baum und Tiere.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at