Archive for November, 2008

Der Mann mit dem Bohrer *

Montag, November 17th, 2008

Der Mann, der morgens mit der Bohrmaschine
Den Leuten Löcher in die Köpfe macht,
Und manchmal kommt er auch im Traum zur Nacht,
Ist ein Produkt aus der Humanlatrine.

Längst taub vom Lärm, mit öliger Routine
Geht er ans Werk, als ging´s zur letzten Schlacht,
Der Mann, der morgens mit der Bohrmaschine
Den Leuten Löcher in die Köpfe macht.

Er bohrt und bohrt mit irr verzerrter Miene,
Mit Stoppel im Gesäß und Klempner-Tracht,
Sodaß das Fundament der Erde kracht,
Wie eine ausgehöhlte Konkubine.
Der Mann, der morgens mit der Bohrmaschine
Den Leuten Löcher in die Köpfe macht.

*für Gerda

Im Traum*

Dienstag, November 11th, 2008

Im Traum auf weiten Wiesen Blumen pflücken,
Zu einem Kranz sie flechten für dein Haupt,
Wild duftend, daß es dir die Sinne raubt,
Wenn alle Gräser tanzen voll Entzücken.

Natur in jede Richtung, die wir blicken,
So unberührt, daß es kein Mensch mehr glaubt.
Im Traum auf weiten Wiesen Blumen pflücken,
Zu einem Kranz sie flechten für dein Haupt.

Und rasten, wo die Amseln uns beglücken,
Am Waldrand, unter Bäumen dicht belaubt.
Fern liegt die Stadt, voll Wahnsinn und verstaubt,
Mit Menschen, die wie Automaten ticken.
Im Traum auf weiten Wiesen Blumen pflücken,
Zu einem Kranz sie flechten für dein Haupt.

*für Gerda

Medien und Markt

Dienstag, November 11th, 2008

Ob bewußt oder unbewußt, die Sprache, genauer die Wortwahl entlarvt die Diener und ihre Herren. Denn ganz gleich welcherart die Medien auch sind, ob TV, Rundfunk, Bürgerblätter oder Boulevard: Wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter rausschmeißen, und das in Massen, dann wird vom “Freisetzen” oder “Freistellen” der “Arbeitskräfte”, nicht der Arbeiter, geschrieben und gefaselt, pardon, gesprochen, so ist die Wortwahl in den Medien, fabriziert von deren Lohn-bzw. Knechtschreibern, den Journalisten. In diesem Umfeld der eierköpfigen Unintelligenz klingt ja Personalabbau beinahe schon kritisch. Die Vernebelung der Tatsachen mittels Sprache, die Verniedlichung unangenehmer Wahrheiten durch Verwendung unangebrachter Begriffe, so lange, bis sie im kollektiven Bewußtsein der Masse fest verankert sind, dadurch erfüllen die Journalisten bewußt, nicht selten unbewußt, ihre von ihnen erwünschten, ja, geforderten Handlangerdienste.
Daß die Propaganda-Abteilungen der Unternehmer und Wirtschaftsbosse, die Medien nämlich, diese Funktion nicht nur freiwillig übernehmen, daß sie sich richtiggehend an den Hals der “Wirtschaftseliten” schmeißen, liegt nicht in dem Umstand begründet, daß diese sie finanzieren, denn das tun die Konsumenten der Medien nicht minder - aber was wiegt der Konsument, solange er nur brav konsumiert und dabei das Hirn ausgeschaltet läßt - es liegt vielmehr im menschlichen Charakter begründet, der sich nach einem Jahrhundert kapitalistischer Konditionierung in eine moralische Kloake verwandelt hat.
Neid, Gier, Geiz und schrankenloser Egoismus gelten heute als Tugenden, werden beworben und beweihräuchert; wohingegen jegliche soziale Ausprägung als Schwäche verhöhnt wird. Daran wird auch die gegenwärtige Krise des Systems nicht das Geringste ändern, im Gegenteil, die Staaten schaufeln mit Baggern Summen in den Schlund des Marktes, die zuvor nicht einmal denkmöglich waren. Und die Medien tun das, was sie die längste Zeit getan haben: Die Leute für blöd verkaufen, und die Leute lassen sich gern für blöd verkaufen, denn die Wahrheit ist ihnen zwar zumutbar, aber von ihnen selbst unerwünscht weil unbequem. Und das genügt, sie irgendwo unauffällig zu entsorgen.

Am Gürtel*

Montag, November 10th, 2008

Am Trottoir verkehren Leder-Huren,
Umkreist vom Freierpack in Limousinen,
Passanten stinken von Kanaltribünen,
Der Lärm schlägt in die zähe Luft Blessuren.

Die Hausfassaden tragen Staubfrisuren.
Der Horizont ist brüchig wie Ruinen.
Am Trottoir verkehren Leder-Huren,
Umkreist vom Freierpack in Limousinen.

Aus Fenstern glotzen blinde Kreaturen,
Hinab auf einen Strom von Blechsardinen.
Darüber bauchen gelbe Wolkendünen.
Laternen krümmen sich wie Zeitskulpturen.
Am Trottoir verkehren Leder-Huren,
Umkreist vom Freierpack in Limousinen.

*für Gerda

Die Prügelpolizisten*

Sonntag, November 2nd, 2008

Sie drücken deinen Kopf in Pisse-Eimer
Und malträtieren dich wie sonst wohl keiner.
Mit Stiefeln treten sie dir in den Magen
Und machen Witze über Schmerz und Klagen;
Sie brechen jeden Knochen dir im Leib
Und fabrizieren aus dem Mann ein Weib.

In Eisen fesseln sie die Hände auf den Rücken,
Um dein Gesicht dann in den Staub zu drücken.
Und liegst du ohne Gegenwehr im Kot,
Dann pendelt ihre Welt zurück ins Lot.
Sie reißen aus das Haar dir büschelweise,
Und wenn du stöhnst und wirst nicht leise,

Dann heißt es: Knüppel raus, der will noch mehr.
Aufs Maul damit, drescht ihm die Kiefer leer.
Sagt einer: Holt doch heißgekochte Fetzen.
Der Doktor meint, ihn nicht zu Tod verletzen.
Ach was, dem schneiden wir die Därme raus
Und stopfen sie für unsre Omis aus.

Zu Hause geben sie den braven Vater
Und haben sie vom Saufen einen Kater,
Dann schnappen sie sich schnellstens frische Beute,
Sie, der Gesellschaft legitime Meute.
Ihr ganzer Stolz ist ihre Uniform
Und in ihr ist ihr Handeln stets konform.

Sie hetzen dich erbarmungslos wie Vieh,
Und du entwischst ihnen schlußendlich nie.
Und siehst du einen Ausweg nur geblieben,
Dann rennst du wie verrückt hinauf die Stiegen,
Zum Fenster raus. Und Schluß im Schmutz der Gassen,
Dort kriegt dich keiner lebend mehr zu fassen.

*Das Gedicht stammt aus d. Vorzeit der versfabrik.at, es wurde 1989, also vor fast 20 Jahren verfaßt;