Archive for the ‘02 Verse’ Category

Das Fenster

Dienstag, Oktober 7th, 2008

Im linken Flügel Verse, rechts die Träume,
So wird das erste Fenster immer aufgemacht,
Zu schauen in die sonst versperrten Räume,
Bei Tageslicht vielleicht, manchmal bei Nacht.
Im Spiegel wiegen sich die nackten Bäume,
Am Trottoir ein Mann in Eisentracht,
Ein dicker Hund verziert die glatten Steine.
In die Gedanken schiebt sich ein Verdacht:
Die Welt ringsum besteht nur aus Attrappen,
Die Zeit beginnt sich schneller zu verknappen.
Die Zukunft ist ein schwarzes Loch.

Politik

Samstag, Oktober 4th, 2008

Schließt den Mund,
Sie machen einen Kompromiß.
Das heißt, wir
Werden nasgeführt in Hundeschiß.

Dein Blick wirft Falten

Samstag, Oktober 4th, 2008

Dein Blick wirft täglich an die hundert Mal
Am Stein der Hausfassaden trübe Falten;
Er speichert all die morschen Menschgestalten
In ihrer Kreisbewegung um die Qual.

Du schaust und siehst nur niedere Gewalten.
Der Himmel wirkt so ausgequetscht und fahl.
Der Leute Schädel glänzen fleischig kahl.
Die Augen können es nicht länger halten.

Sie schließen sich, der Blick läuft nun nach Innen,
Doch auf den Gängen rutscht er aus im Dreck,
Und hinter Wänden schreien fremde Stimmen.

Das Ohr vernimmt, wie sie sich kreischend krümmen,
Und langsam säuft sich an dir voll ein Zeck,
Und draußen fliegen alle Dächer weg.

Katzenfreund

Freitag, Oktober 3rd, 2008

Ich bin kein Menschenfreund, das muß ich sagen,
Die Menschen sind meist häßlich oder dumm,
Vom Neid getrieben werden sie ganz krumm.
Und ständig müssen sie die andern schlagen.

Nein, meine Symphatie gehört den Katzen.
Mich faszinieren Schönheit, Eleganz,
Von ihrer Nasenspitze bis zum Schwanz,
Die scharfen Krallen ihrer weichen Tatzen;

Die lustig zucken, wenn die Katze träumt.
Und streichelst du das seidenweiche Fell,
Dann schmiegt sie sich an dich und schnurrt als Freund.

Dann wandelt sich das Seelendunkel schnell.
Und ich wär selber gern ein Katzentier
Und hätte statt zwei Beinen lieber vier.

Der Dopingjäger

Freitag, Oktober 3rd, 2008

Mit weißem Mantel, aufgesetzter Miene,
Stolziert er wichtigtuend durchs Labor,
als Herr und Meister, Tester, Kontrollor,
So unbestechlich wie die Blechmaschine.

Die Jagd auf Sünder, das ist sein Ressort.
Ein Chemodetektiv der Sportlatrine,
Und die Gedopten auf die Guillotine,
Sonst schießt ein Kaffeetrinker gar ein Tor.

Er sieht sich selbst als die Instanz Moral,
Für Fairness, Sauberkeit im Nierensaft,
Den er verkostet täglich und total.

Verräterspuren, ja, die Muskelkraft
Ist nicht von Gott; der Hüter wird brutal.
Er straft. Doch wer prüft die Expertenschaft?

Epilog zur Wahl

Freitag, Oktober 3rd, 2008

Die Wahl ist fehlgeschlagen.
Wir sehn´s am Resultat.
Jetzt müssen wir ertragen
Ein neues Plagiat,
Den alten Apparat.
Spart lieber eure Klagen
Und plant ein Attentat.

Arschbacken

Montag, September 22nd, 2008

Die linke ist in Form und Farbe Teig,
Die rechte ist wie immer fett und feig.
Dazwischen lallt gepreßt ein braunes Loch.

Ein verflixter Tag

Mittwoch, September 10th, 2008

Ja, manchmal gibt es wirklich solche Tage,
Da ein verdrehter Teufel alles lenkt,
Was immer ich auch tue oder sage,
Was immer irgend jemand andrer denkt.
Mein erster Blick fällt auf die Armbanduhr,
Schon sehe ich, mir läuft die Zeit davon.
Schnell geht´s ins Bad, zur Pflege der Frisur,
Das Wasser rinnt ins Becken, und im Spiegel
Erscheint ein streßgetriebenes Gesicht,
Verschwollen und gerötet wie ein Ziegel,
Brutal und häßlich macht uns Neonlicht.
Gefrühstückt wird im Zeitdruck und im Stehen;
Das Resultat ist Fruchtsaft im Kaffee.
Der ist zum Schmeißen, davon abgesehen
Find ich die Schlüssel nicht zum PKW.
So reiht sich Mißgeschick an Mißgeschick,
Vom Teufel inszeniert, was soll ich machen.
Doch irgendwann kommt dann der Augenblick
An diesem Tag, da kann ich nur mehr lachen.

Wählt Flasche

Sonntag, September 7th, 2008

Herrn Karl plagen keine Zweifel,
Denn dieses Mal wählt er Herrn Flasche.
Er ist erzürnt, er flucht, zum Teufel,
Ein Gauner griff ihm in die Tasche,
Gesindel, fremdes, kriminell,
Das Bettelpack mit Mitleidsmasche,
Muß weg, muß weg, und das ganz schnell,
Verspricht uns Bürgern nur Herr Flasche.
Er ist, meint Karl, für den Staat,
Fürs Volk der neue Führer.
Denn Flasche fordert in der Tat
Den Spaten für Verlierer,
Den Knüttel für die rechte Hand,
Dem Linkskopf Blut und Wunde.
Auf daß im schönen Flaschenland
Nur Herren sind und Hunde.

Das Bild der Medien

Freitag, September 5th, 2008

Das Bild der Welt, das uns die Medien
Tagtäglich auf den Frühstückstisch servieren,
Läßt mich schon morgens hyperventilieren,
Verdirbt den Appetit, die Laune, denn

Die Meinungsmacher fühlen sich der Macht,
Dem “Freien Markt” verpflichtet. Wirklichkeit
Ist etwas für die Philosophen. Neid
Und Lügen sind so wirklich wie die Nacht.

Der Kunde darf für die Verarschung zahlen
Und tut es gern und ist darüber froh,
Erspart er sich doch so des Denkens Qualen

Und konsumiert den Müll sogar am Klo.
Der Bildschirm wandelt sich dabei zum Spiegel,
Und für die Dummheit gibt´s ein Gütesiegel.