Archive for the ‘02 Verse’ Category

Vögeln ohne Wiederkehr

Montag, Januar 4th, 2010

Auf allen Plätzen haben wir´s getrieben,
Zur Tages - und zur Nachtzeit sowieso.
Ja, unser Spiel war Reiten oder Schieben,
Mal zärtlich sanft, mal wild und manchmal roh.
Und war kein andrer Ort uns mehr geblieben,
Dann machten wir´s am öffentlichen Klo.

Im Schlafabteil, der Schaffner, wie der schaute.
Der meinte wohl, wir zwei, wir sind verrückt.
Doch waren es schlicht deine Himmels-Laute,
Sodaß er aus dem Abteil lief gebückt.
Wir beide aber formten eine Raute,
Ein Rad, das rollt und raucht und tickt.

In London tanzten wir ganz nackt im Regen.
Nur in Paris, da kam ich nicht mehr mit.
Da fiel ich aus der Bahn. Ihr fragt weswegen:
Der großen Mattigkeit in meinem Schritt.
Doch brauchtest du dich nur zu mir zu legen,
Und weiter um die Welt ging unser Ritt.

In Kapstadt war das Feuerwerk zu Ende.
Fünf Tage steckten sie mich in den Bau.
Dort waren dick und fensterlos die Wände,
Und ich war ohne Rhythmus meiner Frau.
Doch schmutzig sind zum Glück die Wärterhände
Wohl überall, das weiß ich ganz genau.

Und weiter um die Welt ging unsre Reise,
Durch Länder, Städte, ohne viel zu sehn.
Doch sahen uns beim Spielen manchmal Mäuse.
Sie sahen es und sahen es vergehn,
Und lachten in die kleinen Bärte leise,
Als meine Nudel wollte nicht mehr stehn.

Schon in der nächsten Nacht warst du verschwunden,
Und ich mit meiner Krücke ganz allein.
Und irgendwo weit draußen unter Hunden
Lag ich im Bett bei einer Flasche Wein.
Du aber hast dir andere gefunden,
Mit einem Sattelknauf so hart wie Stein.

Ob gut ob schlecht

Samstag, Januar 2nd, 2010

So laß mich bitte nicht mehr länger raten,
Wie es nun wirklich mit uns beiden steht.
Denn in mir frißt wie wild Nervosität,
Und manchmal fliehe ich zu Opiaten.

Seh überall wie ferngelenkt nur Automaten,
Wohin mein Blick sich wendet oder dreht.
Das Dasein offenbart Banalität
In immer gleich geeichten Postulaten.

Durch Straßen laufe ich, weil von Plakaten
Ein jeder Kopf verstohlen nach mir späht,
Ein kalter Wind durch die Gedanken weht,
Und spür, die Zeit haust nicht in Reservaten.

Drum laß mich bitte nicht mehr länger raten,
Wie es nun wirklich mit uns beiden steht.

Wo Mensch Mensch ist

Dienstag, Dezember 29th, 2009

Der Ort, der alle gleich macht, ist das Klo.
Der Ort, wo jeder Mensch ein Mensch nur ist,
Ein Wesen, das viel säuft und noch mehr frißt,
Ob Schwuchtel, Schwattler oder Hetero.

Wer von euch kennt nicht das Szenario
Beim harten Stuhlgang, oder wenn er pißt?
Ganz gleich, was das Gelassene auch mißt,
Bei jedem von euch riecht es frisch und roh.

Verkrampft beim Reingehn, beim Verlassen froh,
Ob Bauer, Pfaffe oder Polizist,
Wenn in der Muschel schwimmt der ganze Mist,
Dann fühlt ihr euch als großer Zampano.

2.Fassung

Amaryllis

Freitag, Dezember 25th, 2009

Trompetentrichtern
Gleich die Blüten zinnober
Rot zur Weihnachtszeit

Zur Weihnacht

Donnerstag, Dezember 24th, 2009

Jetzt ist die Zeit, da Sagen und Legenden
Vom guten Menschen werden neu geboren.
Wer in die Stube tritt, hat heiße Ohren.
Wer sie verläßt, trägt Schuhe an den Händen.

Elektro-Schmuck glänzt an den Häuserwänden,
Sodaß sie die Passanten hell umfloren.
Lebkuchen würzt die Luft vor Einkaufsständen.
Am Rinnstein liegen Tauben, steifgefroren.

Zur Weihnacht ist´s, da Engel Botschaft senden,
Und lang durchs Dunkel irren, wie verloren,
Bis sie verzweifeln vor versperrten Toren,
Dahinter Menschen völlern und verschwenden.

Der magische Moment *

Donnerstag, Dezember 17th, 2009

Am Waldrand in der morgenfrohen Wiese:
Der Himmel spreizt sein unverhülltes Blau.
Auf nackten Brüsten glitzert silbern Tau.
Im Kranz der Augen münden Paradiese.

Hier wollen wir im Schoß der Pflanzen liegen.
In dichten, dunklen Locken spielt der Wind,
Macht Türen auf, die sonst verschlossen sind,
Wenn die Gedanken hoch wie Falken fliegen.

Von deinen Lippen will ich Nektar trinken,
Will im Gebüsch auf sanftem Hügel spielen
Und deinen Herzschlag auf dem meinen fühlen,

Eintauchen in den Ozean, versinken,
- Im Auf und Ab der Wellen stöhnt das Glück -
Und dann zerschellen, voll, im Augenblick.

* für Gerda

Stürmisches Wetter

Sonntag, Dezember 13th, 2009

Stürmisch ist das Wetter schon seit Tagen.
Regen fällt in die Gedanken, fällt und ich
Laufe ziellos durch trüben Straßen.

Lange war der Himmel klar. Und nächtens
Glitzerten die Sterne. An den Tagen
Lachte, weil die Sonne schien, mein Herz.

Plötzlich war der Horizont verschwunden.
Rasend schnell kam eine Wolkenfront,
Fraß das Blau des Himmels, die Gestirne.

Willst du nicht die Haustür wieder öffnen?
Alle Kleider sind durchnäßt. Ein Sehnen
Brennt in mir, ich spüre hohes Fieber.

Stürmisch ist das Wetter, nimmt kein Ende.
Stunden gehn im Kreis, ich hinterher
Als ein Schatten, zitternd an der Mauer.

Der Neid

Donnerstag, Dezember 10th, 2009

Immer öfter seh ich heut in den Gesichtern
Auf der Straße ungeschminkt den bösen Blick.
Menschen machen sich zu selbstgerechten Richtern
Und verweigern den Gebeugten jedes Glück.
Ja, die Welt scheint wieder auf dem Kopf zu stehn.
Philosophen schwingen Reden gegen jene,
Die nichts haben und nichts sind. Wir können sehn:
Ringsum bleckt der aufgehetzte Mob die Zähne.

Venus im Zorn

Mittwoch, Dezember 9th, 2009

Die Tage fließen
Jetzt ineinand wie
Kalte Farben auf
Papier die Nächte
Werden mit Muscheln
Tapeziert zählst du
Die Stunden manchmal
Die Narben vielleicht
Tragen die Engel
Dunkle Kaputzen
Denn hinter müden
Mauern pfeift der Wind
Ein Geheimnis und
Venus strahlt im Zorn

Advent-Stanze

Montag, Dezember 7th, 2009

Weihnacht naht mit Riesenschritten
In gar mächtigen Galoschen,
Attackiert mit bösen Tritten
Mitten in die blöden Goschen.
Unsere sind da gemeint!