Zur Weihnacht

Dezember 24th, 2009

Jetzt ist die Zeit, da Sagen und Legenden
Vom guten Menschen werden neu geboren.
Wer in die Stube tritt, hat heiße Ohren.
Wer sie verläßt, trägt Schuhe an den Händen.

Elektro-Schmuck glänzt an den Häuserwänden,
Sodaß sie die Passanten hell umfloren.
Lebkuchen würzt die Luft vor Einkaufsständen.
Am Rinnstein liegen Tauben, steifgefroren.

Zur Weihnacht ist´s, da Engel Botschaft senden,
Und lang durchs Dunkel irren, wie verloren,
Bis sie verzweifeln vor versperrten Toren,
Dahinter Menschen völlern und verschwenden.

FROHE WEIHNACHTEN

Dezember 24th, 2009

Wir wünschen allen Lesern der Versfabrik ein beschauliches Weihnachtsfest.
e. und g.

Der magische Moment *

Dezember 17th, 2009

Am Waldrand in der morgenfrohen Wiese:
Der Himmel spreizt sein unverhülltes Blau.
Auf nackten Brüsten glitzert silbern Tau.
Im Kranz der Augen münden Paradiese.

Hier wollen wir im Schoß der Pflanzen liegen.
In dichten, dunklen Locken spielt der Wind,
Macht Türen auf, die sonst verschlossen sind,
Wenn die Gedanken hoch wie Falken fliegen.

Von deinen Lippen will ich Nektar trinken,
Will im Gebüsch auf sanftem Hügel spielen
Und deinen Herzschlag auf dem meinen fühlen,

Eintauchen in den Ozean, versinken,
- Im Auf und Ab der Wellen stöhnt das Glück -
Und dann zerschellen, voll, im Augenblick.

* für Gerda

Stürmisches Wetter

Dezember 13th, 2009

Stürmisch ist das Wetter schon seit Tagen.
Regen fällt in die Gedanken, fällt und ich
Laufe ziellos durch trüben Straßen.

Lange war der Himmel klar. Und nächtens
Glitzerten die Sterne. An den Tagen
Lachte, weil die Sonne schien, mein Herz.

Plötzlich war der Horizont verschwunden.
Rasend schnell kam eine Wolkenfront,
Fraß das Blau des Himmels, die Gestirne.

Willst du nicht die Haustür wieder öffnen?
Alle Kleider sind durchnäßt. Ein Sehnen
Brennt in mir, ich spüre hohes Fieber.

Stürmisch ist das Wetter, nimmt kein Ende.
Stunden gehn im Kreis, ich hinterher
Als ein Schatten, zitternd an der Mauer.

Der Neid

Dezember 10th, 2009

Immer öfter seh ich heut in den Gesichtern
Auf der Straße ungeschminkt den bösen Blick.
Menschen machen sich zu selbstgerechten Richtern
Und verweigern den Gebeugten jedes Glück.
Ja, die Welt scheint wieder auf dem Kopf zu stehn.
Philosophen schwingen Reden gegen jene,
Die nichts haben und nichts sind. Wir können sehn:
Ringsum bleckt der aufgehetzte Mob die Zähne.

Venus im Zorn

Dezember 9th, 2009

Die Tage fließen
Jetzt ineinand wie
Kalte Farben auf
Papier die Nächte
Werden mit Muscheln
Tapeziert zählst du
Die Stunden manchmal
Die Narben vielleicht
Tragen die Engel
Dunkle Kaputzen
Denn hinter müden
Mauern pfeift der Wind
Ein Geheimnis und
Venus strahlt im Zorn

Advent-Stanze

Dezember 7th, 2009

Weihnacht naht mit Riesenschritten
In gar mächtigen Galoschen,
Attackiert mit bösen Tritten
Mitten in die blöden Goschen.
Unsere sind da gemeint!

Streß

Dezember 7th, 2009

Aus Schlaf und Traum erwacht, schau ich zur Uhr
Und haste aus dem Bett ins Bad. Ich muß
Mich voll beeilen, denn sonst bin am Schluß
Ich bloß ein Jäger auf der eignen Spur.

Schnell rein in die Klamotten, raus zur Tür,
Nicht mal für eine Zigarette bleibt
Genügend Zeit. Das Leben drückt, es treibt
Mich vorwärts, macht aus Nerven ein Geschwür.

Schon bin ich mitten drin im Hauptverkehr,
Wo jeder rast, doch alles staut und steht,
Derweil der Ungeist in die Nasen weht,

Uns Beine macht, ganz trocken und vulgär.
Ob es zu spät ist, oder noch zu früh,
Erkennen wir zur rechten Zeit wohl nie.

Traumnatur *

Dezember 2nd, 2009

Komm, reich mir die Hand. Wir tanzen heut nacht
Beim Licht der Sterne auf moosigen Steinen
Und machen hernach das Tier mit acht Beinen.
Aus zweien wird eins, zur Flamme entfacht.

Was kümmern uns Menschen. Wir trinken Mohn
Aus steinernem Krug und satteln die Träume
Zum Ritt für die endlosen Innen-Räume,
Wo Stimmen färben die Welt polyphon.

Zu Türmen steigen die Wellen im Meer.
Ja, hier in der Dünung wollen wir bleiben,
Wenn unsre Gedanken schwärmen und treiben,
Im Schatten des Herzschlags so leicht und schwer.

*für Gerda

Nicht dick noch dünn

November 30th, 2009

Die einen nennen sich zu dick.
Die anderen meist viel zu dünn.
Da hab ich doch tatsächlich Glück,
Daß ich nur schlicht und einfach bin.