Archive for the ‘02 Verse’ Category

Sonntagmorgen

Montag, August 25th, 2008

Der Sonntagmorgen ist so träg gestimmt,
Der Regen draußen kann mich nicht berühren.
Geschlossen bleiben heut die Wohnungstüren.
Es ist die Faulheit, die den Tag gewinnt.

Im Stiegenhaus hängt schwerer Fleischgeruch,
Die Nachbarn bruzzeln ölig Billigware,
Auf meinem Schädel färben sich die Haare,
Auf blauer Zunge klebt ein roter Fluch.

Die Stunden fließen wie ein zäher Strom,
Und seine Wellen machen mich nur müde,
Im ersten Stock brüllt eine Stimme rüde,

Der Hausherr putzt herab den eignen Sohn,
Im Hof spieln Tauben gurrend mit der Liebe,
Belauscht vom schwarzen Kater am Balkon.

Miethaus

Sonntag, August 24th, 2008

Dem Alten will sein Alter nicht genügen
Die Stufen sind, wie meist, zu hoch gebaut
Die Innenwände halten keinen Laut
Doch blank gescheuert ist der Stein der Stiegen

Nur noch im Filz der müden Stiefelmatten
Erhält der Staub ein längeres Asyl
Der Sinn des Lebens, hier ein Besenstiel
Im Keller hausen Sklaven neben Ratten

Kein Gift kann diese Tiere noch vernichten
Doch manche Kinderlippen färbt es grün
Vom dritten Stock wolln zwei Gebückte fliehn
Und taumeln in den Schleim von Hausgerüchten

Knapp an der Wohnungstür verschimmelt eine Lahme
Zwei Wochen lang, was wiegt das Wechselgeld
Am Horizont der Mietkasernenwelt
Spieln abgelutschte Weiber gern die Dame.

Erwachen

Samstag, August 23rd, 2008

Grau kommt der Tag durchs Fenster reingekrochen,
Was soll´s, aufwachen muß ich sowieso,
Und das Gedudel aus dem Radio
Klingt so, als würd´der Sänger abgestochen.

Am besten wär´s, den Kopf zur Seite drehen,
Ins Traumreich kippen, Alltagstrott vergessen,
Uhrzeiger, die uns auf den Boden pressen,
Bei Licht ist alles eklig anzusehen.

Jetzt keppelt auch noch blöd das Telefon,
Und irgendwer muß irgendwen schnell sprechen.
Der Nachbar ist seit gestern schon beim Zechen,

Im Vorraum tröpfelt Wasser monoton.
Das reicht, der Ärger zwingt mich auf die Beine,
Ich geh ins Klo und spül mich weg mit Leine.

So nett

Samstag, August 23rd, 2008

Gut tut Geruch von faulen Eingeweiden,
Die Furzerei entzückt, macht mächtig froh,
Wenn Ärsche knattern öffentlich am Klo,
Bin ich dabei beim konzertanten Treiben.

Und platzt die Hose, muß ich mich beweiben,
Am besten wortlos rasen, rasch und roh.
Doch pflügen Venushügel Laus und Floh,
Dann steigt die Lust, sich aneinand zu reiben.

Wer denkt da noch an Rotz und Nasenbohren,
An Zungenschleim und fettes Lippenrot,
Wen kümmern Schweißtoupet und Schmalz aus Ohren,

Wenn wir uns wild mit frisch gestuhltem Kot
Die Mäuler stopfen und die Schenkel schmieren,
Und so dann heftig stinkend kopulieren.

Was ist der Mensch

Freitag, August 22nd, 2008

Ein ausgewachsener Egoist; grausam, tückisch und feige,
Ein Neider voll Niedertracht, maßlos machtgeil in seinem
Größenwahn, den das Gefühl der Minderwertigkeit gezeugt;
Hund und Herr in einem und Hure dazu; gottgleich als Richter
Und Henker über seinesgleichen wie andersgleichen; plump,
Blöde, blasphemisch; kurzsichtig und langweilig und nicht
Zuletzt so abgrundtief häßlich von Gestalt und Angesicht,
Verkehrt er dies ins Gegenteil; als talentierter Lügner,
Selbstbetrüger träumt er sich schön vorm Spiegel, so
Krank und krankmachend, als Karzinom für den Planeten
Ist er nicht die Krone der Schöpfung, sondern ihr stinkender
Kot, der nicht nur als Masse mörderisch alles zerstört,
Lautet die Gleichung Mensch=Unmensch für all seine Zeit.

Ich bin nicht einer…

Mittwoch, August 20th, 2008

Ich bin nicht einer von den Knackwurst-Kandidaten,
Die alles besser wissen oder aber nicht.
Tatsächlich bin ich voll und ganz mißraten,
Drum zeige ich mich selten nur bei Licht,
Und wenn, dann dürft ihr meinen Arsch bestaunen,
Als eine Wurzel aus Rundum-Quadraten
Macht er den Stuhlgang zum Sofortgedicht.
Als eine von drei duftigen Sonaten
Schließt er die Runde als Ruckzuckgerücht.

“Schweinerei”

Dienstag, August 19th, 2008

Wer spricht hier noch von Schweinerei,
Von falschen Schlangen, dummer Kuh,
Dem klopfen wir das Hirn zu Brei,
Spricht dann noch wer von Sauerei,
(Und sagt er´s nur zu seinerlei),
Wir füttern ihn mit Flüssigblei,
Macht er nicht schnellstens einen Schuh,
Und sagt noch immer Sauerei
Und falsche Schlange, dumme Kuh.

Land mit Eigenschaften

Dienstag, August 19th, 2008

O Heimat wildgewordner Neidkomplexe;
Hier diffamieren Bierbauchpatrioten
Die Nonkonformen gern als Idioten,
Hier ehrt mann ausgestopfte Alpenfexe.

In Schädelpfützen saugen Riesenzecken.
Und das Gedächtnis, mehr noch das Gewissen,
Kloaken nur, verstopft und braungeschissen.
Als Bürgerdienst darf mensch den Gehsteig lecken.

O Land der Kriecher, Schlucker, Ministranten,
Sensibler Geister, Meister der Amnesen,
Balancegeübt beim Buckeln und mit Besen,

Fiktives Mausoleum der verkannten
Genies. Berühmt auch für das Stiefelkäsen,
Für die Gemütlichkeit im Fleischquadranten.

Klischee

Dienstag, August 19th, 2008

Auf asphaltierten Plätzen, lässig an Säulen gelehnt,
So stehen wir locker in Stiefeln auf Stunden,
Von dunklen Brillen geschützt, voll zugedröhnt,
In schwarzem Leder, beschnüffelt von Hunden,
Wie Kot auf den Straßen nach gestern.

An literarische Vorbeiläufer

Montag, August 18th, 2008

O Lied der Welt, wie rasch bist du verdorben
In Stümperhand. Ihr Helden flacher Zeit
Habt euch so selbst - von was weiß ich - befreit
Und seid nur dilettantisch dumm geworden.

Denn euer Horizont ist eine Nabelschnur,
Und was ihr schafft, das ist verbaler Schotter,
Und das Produkt ist weniger als Dotter
Vom Ei. Und bleiben wird nicht eine Spur.

Wer braucht denn solchen Schrott, die Egotrümmer,
Den Wortkakao und zerebraler Zellen
Verschlackten Strunz, Poetenkot und schlimmer.

Wir wolln zurück die Saiten für den Klang
Und Farben, dunkeltief, die venushellen,
Und Traumtiraden, Rausch und Überschwang.