Archive for the ‘02 Verse’ Category

Wahnsinn Wahl

Donnerstag, September 4th, 2008

Ein jeder Kandidat spielt Weihnachtsmann,
Verspricht uns bald das Paradies auf Erden.
Schon blöken die gedächtnislosen Herden
Und wälzen sich im virtuellen Schlamm.

Geschenke gibts für jeden und für alle,
Wird uns von den Parteien prophezeit.
Wer hört noch die Vernunft, die zornig schreit:
Es ist ein Köder mitten in der Falle,

In die die meisten taumeln, blind und blöd,
Als hätte es das Spiel nicht schon gegeben,
Doch die Verstärker sind voll aufgedreht,

Umzingelt von unzähligen Plakaten,
Die Lügen werden frisch serviert. Das Leben
Manipuliert sich selbst in Plagiaten.

Kandidaten

Dienstag, September 2nd, 2008

Der Kandidat der Roten, ein Reptil,
Der schwarze pflügt als Ochse oder Stier,
Der Rest wiegt weniger als Buntpapier,
Doch alle eint die Gier nach Macht als Ziel.

Und kein Charakter, kein Charisma, keine
Kapazitäten intellektuell,
Rhetorisch nichts als keifendes Gebell,
Parteigezücht zum Wohl fürs Allgemeine.

Belanglos und beliebig wie die Zeit,
Genauer wie der Geist der Zeit, denn der
Bestimmt das Dasein aller mehr und mehr.

Gewinner und Verlierer schaffen Neid,
Und jeder drängelt sich ins Promi-Licht.
Was bringt die Wahl schon, was bringt ein Gedicht?

Satt

Sonntag, August 31st, 2008

Ich habe diesen Zirkus wirklich satt,
Wie uns die Medien für blöd verkaufen,
Das ist wie Säuglinge mit Pisse taufen,
Wahlkampfmaschinen walzen alles platt.

Und erst die Kandidaten der Parteien,
Die sind wie Dünnschiß, grinsend, auf zwei Beinen,
Wär´s nicht zum Kotzen, wär´s vielleicht zum Weinen,
Und manchmal ist das Schauspiel nur zum Schreien.

O Österreich mußt österreichisch bleiben,
Das heißt, voll Stolz auf Steißbeinpatrioten,
Die uns den Kren aufs Frühstücksbrötchen reiben.

Doch brauchen wir wohl andere Piloten,
Die wieder aus der Nebelsuppe fliegen.
Wir brauchen Wahrheit - etwas nur - statt Lügen.

Das kleinste Übel

Samstag, August 30th, 2008

Ich habe alle schon einmal gewählt,
Die Roten, Schwarzen, Blauen und den Rest.
Und noch ein jedesmal stand nachher fest:
Du hast dich mit der falschen Braut vermählt.

Doch diesmal bin ich wirklich irritiert,
Denn die Parteien sind die selben und
Ein jeder, der nicht an Gedächtnisschwund
Noch Dummheit leidet, weiß wohin es führt.

Mit Schaudern denkt er an die letzten Jahre,
Als Lügen gingen durch das Land wie Ware.
Und dennoch bleibt manch einer Optimist

Und wählt für sich das kleinste aller Übel.
Doch keinen Rückhalt bietet uns die Bibel,
Weil auch das kleinste Übel übel ist.

Stimmvieh

Donnerstag, August 28th, 2008

Es wachsen ringsum Wälder von Plakaten,
Manch eines größer als ein Zeppelin,
Sogar am Lande grinst, nicht nur in Wien,
Ganz gleich wo, ein Gesicht des Kandidaten,

Der einen wie der anderen Partei
Auf die wie Zwerge buckelnden Passanten
Herab, als Liebling virtueller Tanten,
Politisch ein bemaltes Kuckucksei,

In unser aller Zukunftsnest gelegt,
Sodaß wir es zur Wahl nur brüten müssen.
Das nennt sich Common Sense und wird gepflegt,

Denn reizt die Blase, gehen wir meist pissen,
Und wird gewählt, dann wählen wir, egal
Ob das Gebotene ist ein Skandal.

Vorwahlzeit

Mittwoch, August 27th, 2008

Wir gehen hin - gebeugt - und gehen her
Und werden ringsum ständig voll beschallt,
Bestrahlt, bis es sich in die Därme krallt,
Indes das Ich fühlt sich verbraucht und leer.

Die Lüge frißt uns wie ein Karzinom.
Wir stöhnen. Bilder blenden uns, jedoch
Wir gehen weiter hin und her im Joch,
Und tragen auf den Schultern blanken Hohn.

Hell glänzt der falsche Schein der Demokraten,
Der uns verblödet. Alles ist Partei.
Ob rot, ob schwarz, ob grün, ist einerlei.

Und schlimmer noch sind ihre Kandidaten,
Die sich da dümmlich balgen um die Macht
In einem Schauspiel, finster wie die Nacht.

Vision

Dienstag, August 26th, 2008

Der Himmel liegt wie Glas zerschellt am Boden und
In den Kanälen jagen Ratten nackte Leute,
Die schreiend gerne wären jetzt ihr toter Hund.
Doch ist kein Gestern mehr, kein Morgen und kein Heute,
Es gibt nur einen schwarzen Schlund, der alles schluckt.

Sonntagmorgen

Montag, August 25th, 2008

Der Sonntagmorgen ist so träg gestimmt,
Der Regen draußen kann mich nicht berühren.
Geschlossen bleiben heut die Wohnungstüren.
Es ist die Faulheit, die den Tag gewinnt.

Im Stiegenhaus hängt schwerer Fleischgeruch,
Die Nachbarn bruzzeln ölig Billigware,
Auf meinem Schädel färben sich die Haare,
Auf blauer Zunge klebt ein roter Fluch.

Die Stunden fließen wie ein zäher Strom,
Und seine Wellen machen mich nur müde,
Im ersten Stock brüllt eine Stimme rüde,

Der Hausherr putzt herab den eignen Sohn,
Im Hof spieln Tauben gurrend mit der Liebe,
Belauscht vom schwarzen Kater am Balkon.

Miethaus

Sonntag, August 24th, 2008

Dem Alten will sein Alter nicht genügen
Die Stufen sind, wie meist, zu hoch gebaut
Die Innenwände halten keinen Laut
Doch blank gescheuert ist der Stein der Stiegen

Nur noch im Filz der müden Stiefelmatten
Erhält der Staub ein längeres Asyl
Der Sinn des Lebens, hier ein Besenstiel
Im Keller hausen Sklaven neben Ratten

Kein Gift kann diese Tiere noch vernichten
Doch manche Kinderlippen färbt es grün
Vom dritten Stock wolln zwei Gebückte fliehn
Und taumeln in den Schleim von Hausgerüchten

Knapp an der Wohnungstür verschimmelt eine Lahme
Zwei Wochen lang, was wiegt das Wechselgeld
Am Horizont der Mietkasernenwelt
Spieln abgelutschte Weiber gern die Dame.

Erwachen

Samstag, August 23rd, 2008

Grau kommt der Tag durchs Fenster reingekrochen,
Was soll´s, aufwachen muß ich sowieso,
Und das Gedudel aus dem Radio
Klingt so, als würd´der Sänger abgestochen.

Am besten wär´s, den Kopf zur Seite drehen,
Ins Traumreich kippen, Alltagstrott vergessen,
Uhrzeiger, die uns auf den Boden pressen,
Bei Licht ist alles eklig anzusehen.

Jetzt keppelt auch noch blöd das Telefon,
Und irgendwer muß irgendwen schnell sprechen.
Der Nachbar ist seit gestern schon beim Zechen,

Im Vorraum tröpfelt Wasser monoton.
Das reicht, der Ärger zwingt mich auf die Beine,
Ich geh ins Klo und spül mich weg mit Leine.