Archive for the ‘02 Verse’ Category

Dein Haar

Freitag, März 6th, 2009

Dein Haar, das ist der Schweif von meinem
Kometendasein irgendwo im All.
Dein Haar ist Hohn dem Zwang der Zeit,
Die ihre Stiefel auf uns drückt.

Dein Haar, das ist wie Blütenstaub
Heilspendender Kamille, ist
Der Formen Rausch des Löwenzahns,
Der Rosenknospen Farbenspiel.

Und öffnen deine Hände
Des Zopfes Flechten, so
Hör ich der Amseln Lieder
Als ersten Frühlingsgruß.
Und schwalbengleich, so schwerelos
Tanzt windbeschwingt im Sommersatt
Dein Haar, von Knoten, Bändern losgemacht,
Wie Drachen in das Wolkenweiß,
Dem Blätterfall zum Trotz im Herbst,
Entfliehn und wiederkehrn, wenn Frost
Mit Zähnen knirscht, als Winterkleid,
Das die entblößte Hoffnung wärmt.

Dein Haar ist meinem müden Haupt
Ein sanftes Kissen, Träume webend,
Die Fackeln sind am Horizont
Der immerschwarzen Nacht.

Dein Haar, das ist das Gold von meiner
Durch Schmutz und Schmerz entstellten Welt,
Wo Labyrinthe formen taube Mauern
Und Ängste blühn, will ich darin vergehn.

für Gerda

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at 1994

Rebellion der Gehenkten*

Donnerstag, März 5th, 2009

Es war einmal im fernen Lande Mexiko
Vor langer Zeit der Baum, das Tier, der Mensch und so=
Gar Gewässer, Berge, Mond in Einigkeit.
Da kamen über sie die weißen Rassen,
So gottgewollt in der Zielstrebigkeit,
Zu morden, plündern und so blind zu hassen.
Hoch ragt das Kreuz als ihr Symbol der Lügen,
Denn die Natur hat sich dem Mensch zu fügen.

Von nah und fern her kam das Volk gelaufen
Und sah den König auf dem Scheiterhaufen
Verbrennen und die Augen hoher Fürsten
Mit bloßen Händen rausgequetscht. Die Scham
Der jungen Mädchen fraßen sie in Würsten.
Europas Herren schafften leicht in ihrem Wahn,
Uraltes Gleichgewicht für immer zu zerschlagen.
Noch heute muß das Volk die Sklavenbürde tragen.

Jänner 94 - Chiapas,
Fragt der In-Dressierte, ist das irgendwas
Zu speisen oder gar ein neuer Trend,
Vielleicht ein Saft, ein Liebeselexier?
Nein, Primitivkultur vom Orient!
So fragen die Verwöhnten, höhnen wir
Und scheuern uns den zähen Schweiß vom Nabel,
Und lieben uns mit Messer und mit Gabel.

Wer bessert seine Lage nur durch Kriechen?
Sie sahen es: Versklavung, Tod und Siechen,
Erinnerten sich an Emil Zapata.
Und wehrten sich und haben sich erhoben,
Wie damals, als die Not am schlimmsten war,
Wie heute, gegen gleiche Schinder oben,
Die ihren Kindern große Autos schenken
Und uns direkt zum Abgrund lenken.

Es ist die alte, immer gleiche Leier
Vom Herrscher, Knecht und vom Befreier,
Den nie gehaltenen Versprechen,
Dem faulen Zauberschein der Heiligen,
Den bestialisch grausamen Verbrechen.
Nur knapp verweilten all die eiligen
Reporter und im Land herrscht wieder Ruh.
Auf roten Weiden weint die dürre Küh.

Von der Regierung dennunziert als Terroristen,
Von Militärs geführt als Durchstreichlisten,
Zerfiel der Aufstand in ganz kurzer Zeit.
Wie sollten es die Chancenlosen schaffen,
Wenn keine Unterstützung weit und breit
In Sicht, es fehlten auch die Waffen,
Sich mit Erfolg der Feinde zu erwehren.
So blieb, wie meistens, bloß ein Tod in Ehren.

Nicht Würde ziert das Antlitz all der Schlächter.
Und morden sie genußvoll mit Gelächter,
So ist es ja die menschliche Natur,
Die weltumspannend sich behauptet.
Und noch nicht eingelöst ist jener Schwur,
Der, in den Himmel tätowiert, da lautet:
Erst wenn die Weißen selbst den Tod sich bringen,
Kehrt Friede ein und rundum ist ein Singen.

* Titel nach B.Traven

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at, entstanden 1994

Narren und Hunde

Mittwoch, März 4th, 2009

Am Türstock klopfen Hunde Wasser ab.
Analtrompeten hinter Fensterscheiben.
TV-Programme sind nur mehr zum speiben.
Manch einer Brust wird Atem kurz und knapp.

Im Opernhaus glänzt feistes Kapital.
Schrill grüßen Herr Prothese und Frau Steine.
Für Kinder gibt es Knüttel und dann Leine.
Für Kunststoffkaiser gratis den Skandal.

Schon gestern war die Welt total banal,
Doch voll in Mode sind Fett-Weg-Maschinen.
Vom Himmel nieder schmieren Öllawinen.
Vorgestern baute mensch primär auf Stahl.

Im Waschraum machen Schiebediener schlapp,
Ein Lungenflügel tanzt mit drei Chinesen,
Im Lustkanal verkehren Latexwesen,
Am Türstock beißen Hunde Wasser ab.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Im Wald

Dienstag, März 3rd, 2009

Im Laub verborgen knien gespannt Soldaten,
Bereit zu töten, wie ein Arzt Geschwüre
Aus Leibern schneidet. Junge Offiziere
Im Glück. Da fällt ein Hagel von Granaten.

Woanders unterschreiben Herrn Papiere,
Verjährte Mönche orgeln Restkantaten.
Das Küstendickicht entern Schmutzpiraten.
Im Wald verrotten elend Baum und Tiere.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Ihr und Ich

Montag, März 2nd, 2009

Ihr Leute, langsam wird es öde,
Denn ganz egal, wo ich auch bin,
Ein jeder glotzt mich an wie blöde,
Als brächte es ihm gar Gewinn,
Ob alt, ob jung, ob Frau , ob Mann,
Und ich weiß nicht, wie mir geschieht,
Ob früh, ob spät, ob irgendwann,
Als ob ich etwas bin, das blüht.
Vielleicht könnt ihr an mir nicht riechen,
Das, was euch einig macht: Gestank,
Gehorsam und der Wunsch zu kriechen,
Das fehlt mir wirklich, Zeus sei Dank.
Der Mensch als Masse ist zuwider
Mir immer schon, ich sag es frei,
Die Macht der Masse zwingt mich nieder,
Sie quetscht das Ich zu einem Brei.
Sie macht aus Menschen Marionetten,
Das Leben lieblos, leer und dumpf,
Sie schnürt das Sein in schwere Ketten,
Und macht die Erde voll zum Sumpf.

Wertewandel

Sonntag, März 1st, 2009

Es wandelt Zeit die Werte,
Wo hinter Gitterstäben
Verkümmert jede Fährte
Wie unser ödes Leben.
Und Dichter sind nur Laffen
Und Denker sterben aus,
Zuvor schon die Giraffen,
Doch dafür bleibt die Laus.
Und Dichter spielen Lego,
Denn Laptops und PC
Erschaffen schnell ein Ego
Und trinken nicht mal Tee.
So wandeln sich die Zeiten,
Die Menschen treten ab,
Und trampeln auf den Leuten
Und treten nicht zu knapp.
Es naht die Zeit der Klone,
Der Fortschritt: Kollektiv.
Wer jetzt sitzt hoch am Throne,
Der fällt bald ziemlich tief.

Der Ort, wo wir uns treffen

Samstag, Februar 28th, 2009

Es ist der Atem, der die Worte trägt.
Es ist ein Dichter, der die selben pflegt,

Sie fügt in Verse, nicht so irgendwie,
Und diese klingen läßt als Melodie.

Es ist der Leser, den der Vers berührt,
Wenn er im Klang des Dichters Atem spürt.

Und Mode, Zeit und Raum verschütten nicht
Den Ort, wo sie sich treffen, das Gedicht.

PS: aus der Vorzeit der versfabrik.at

Die Fratze

Freitag, Februar 27th, 2009

Ach, ich hab die Schnauze voll
Von dem ganzen Welttheater.
Gestern Nacht soff ich wie toll.
Heute frißt an mir der Kater.
Nur die Fratze dieser Welt
Bleibt mir unerträglich, ist
Wie im Horrorfilm, entstellt,
Zugeschissen und verpißt.

Obama

Freitag, Februar 27th, 2009

Laut brülln alle: Yes, we can!
Feierlicher noch: Obama!
Daß die Ohren platzen, denn
Diese Welt ist kein Nirvana.

Nebelkrähe

Donnerstag, Februar 26th, 2009

Heut sah ich eine Nebelkrähe,
Die schon begann ihr Nest zu bauen.
Der Winter geht, doch kommt ein Grauen,
Wenn ich weit in die Zukunft sehe.