Archive for the ‘02 Verse’ Category

Nachtlied

Dienstag, März 17th, 2009

Manchmal tauchen rote Hände
Zitternd aus dem tiefen Traum,
Auf den Lippen brodelt Schaum,
Und wie Bäuche blähn die Wände,

Augen rollen wild im Spiegel.
Von der traurigen Gestalt
Bis zum Boden der Gewalt
Öffnen sich gestutzte Flügel.

Ratten schwänzeln schläfenwärts,
Würmer durch Gedanken graben,
An der Scham sich Zecken laben,
Scherben schlägt im Takt das Herz.

Fort, nur fort aus Haut und Haft.
Fort aus falschem Rollenspiel.
Jeder Weg hat auch ein Ziel.
Jedes Ziel heißt Wanderschaft.

Auf die Straßen, in die Fluten
Schwüle Nächte, fremder Stimmen,
Fleischige Laternen krümmen
Sich im Laufschritt der Minuten.

Wolken reißen, harter Regen
Leckt die Dächer, leckt den Stein,
Beißt Gesichter und allein
Saure Teufel spenden Segen.

Aber weiter, ohne Rasten,
Ohne Hoffnung schließt der Kreis.
Auf den Gipfeln Edelweiß,
Auf dem Rücken große Lasten.

Aus dem Dunkel kommen Blicke,
Schärfer als geschliffner Stahl,
Mörderisch wie Kapital
Lauert überall die Tücke,

Läßt die Furcht wie Rosen blühen,
Braucht darob nicht einen Grund.
In der Nähe jault ein Hund,
Und wer will, der kann nicht fliehen.

Denn die Füße sind wie Blei,
Während bleich die Messer blitzen,
Boden wandelt sich zu Pfützen,
Und im Hals steckt Hilfsgeschrei.

Schließlich rettet das Erwachen.
Doch bei Tageslicht besehn
Ist an dieser Welt nichts schön.
Manchmal taugt sie noch zum Lachen.

für Gerda

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Kapital in Not

Sonntag, März 15th, 2009

Die Krise hat mich durchgeschüttelt
Und ließ mich mehr als viel verlieren.
Ich werde wie ein Hund geknüppelt,
Der Neider Häme muß ich spüren,
Tagtäglich, aber was ist schlimmer,
Als nach der Fülle nichts zu tragen,
Nachdem mein Eigen ging in Trümmer.
Das will ich die Gerechten fragen.
Auf Antwort aber kann ich warten.
Nur selbstgerecht sind die Gerechten.
Sie zeichnen auf den neuen Karten
Von allen Wegen nur die schlechten.

Tibet 2009

Samstag, März 14th, 2009

Bringt um was ihr nicht liebet
Und liebt die Leichen dann.
Der Genozid in Tibet
Hält unvermindert an.
Zerstört all die Kulturen
Die anders sind und alt.
Ihr folgt bekannten Spuren,
Daß Macht baut auf Gewalt.

Gebt Tibet den Tibetern
Und China den Chinesen,
Parteifrei, frei von Vätern
Und Kindern all des Bösen.
Es weint das Dach der Welt
Seit 50 Jahren Blut,
Das still zur Erde fällt,
Und in mir nährt die Wut.

Witze

Samstag, März 14th, 2009

Kennt ihr schon die letzten Witze
Von der Wirtschaft, die uns quält?
Mensch, die sind tatsächlich Spitze,
Wenn nur keiner sie erzählt.

Minderwertigkeitskomplex

Samstag, März 14th, 2009

Glaubt mir Leute, ich bin keiner
Von euch, denn mir fehlt´s an Geist.
Und bei mir ist alles kleiner,
Was der Mensch am Menschen preist.
Hab nicht Geld und nicht Besitz,
Kunststoff-Titten, Knüppelglied.
Ja, es ist ein schlechter Witz
Wie das Glück so ungleich blüht.
Aber auf der grünen Wiese,
Bei Insekten bin ich Riese.

Freitag der 13.

Freitag, März 13th, 2009

Hältst du nichts von Unglückstagen,
Denkst, das ist doch auch nur Mist.
Läßt dir nichts von andern sagen,
Weil du selbst der Klügste bist.
Wie gar viele von sich glauben,
Und je dümmer, umso mehr
Drehen sich des Selbstlobs Schrauben,
Rädern gleich im Stoßverkehr.
Alle rollen, manch ein Reifen
Platzt ganz plötzlich, andre stehn
Still und keiner kann begreifen,
Was die Augen müssen sehn:
Die im Blut am Pflaster liegen,
Können nicht mehr spekulieren.
Nun, was soll´s, die heute siegen,
Werden morgen schon verlieren.

Die Rock und Roll-Band

Freitag, März 13th, 2009

Wie Idioten würgen sie Gitarren,
Auf Engelsstaub die haarig-harten Männer,
Daß Eis und Kälte schrumpfen gar im Jänner
Bei solchem Rock, der rollt und den bizarren

Figuren auf der Bühne, grell geschminkt
Wie Zombies, echte Freaks in jeder Lage,
Privat, on stage, zur Nacht und auch am Tage.
Und furzen tun sie gerne, weil es stinkt.

Das Schlagzeug ist das Rückgrat jeder Band
Computer schaffen stampfende Ekstasen,
Bis Fell und Trommeln platzen und ein Rasen
Entsteht im Publikum. Manch Mädchen flennt

Laut vor Verzückung. Andre reißen sich
Vom Leib die Kleider. Haut ist noch zu heiß.
Und Luft wird knapp, wenn ringsum dampft der Schweiß,
Der Nasen kitzelt, süß bis säuerlich.

Und einer ohne Arme zupft den Baß
Mit seinen Beißern, frisch aus Porzellan,
Im Juckreizrhythmus der verlausten Scham.
Da werden noch die letzten Höschen naß.

Und “Rock mich, Baby, roll mich durch die Nacht”,
Kreischt schrill der Sänger in das Mikrophon,
Die Venen vollgepumpt mit bleichem Mohn,
Die Töne falsch, daß jeglich Vöglein lacht.

Und Rüssel haben alle Musikanten,
Die reichen stündlich bis nach Bogota,
Und sind auch nötig für das Bum Bum Ba,
Wie Wasser für die Wüstenelefanten.

Doch Kraftstoff kostet einen Haufen Geld.
Und gratis kriegt das Zeug nicht einmal Gott.
Drum geht die Qualität so rasch bankrott,
Wenn Kapital allein beherrscht die Welt.

Wie Idioten würgen sie Gitarren,
Und blöken blöde was von Rock und Roll,
Und zeigen sich im vollen Wortsinn toll,
Als Hampelmänner, echte Hüpfauf-Narren.

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Die Scharte

Donnerstag, März 12th, 2009

Nun, aus momentaner Warte
Sitzt im Antlitz dieser Welt
Eine höchst brutale Scharte,
Offen, geifernd, nach mehr Geld.

Eins wie´s andre

Donnerstag, März 12th, 2009

Zeig mir doch den Arsch der Welt,
Oder zeig mir ihr Gesicht.
Und ich sag dir, mir gefällt
Eins wie´s andre nicht.

Echt falsch

Donnerstag, März 12th, 2009

Was ist häßlich, was ist schön?
Was ist gut und was ist schlecht?
Wenn wir in den Spiegel sehn,
Wird das Falsche plötzlich echt.