Archive for the ‘02 Verse’ Category

Wer nichts besitzt…

Sonntag, März 22nd, 2009

Jetzt sitze ich auf Wertlos-Aktien
Und krieg die Schadenfreude voll zu spüren,
Von jenen, die der Neid einst nährte, denn
Wer nichts besitzt, der hat nichts zu verlieren.

Experten

Sonntag, März 22nd, 2009

Viel wird in all den Zeitungen geschrieben.
Experten sind, wie früher schon am Wort,
Das Zwielicht, das jetzt herrscht, noch mehr zu trüben,
Dem Stuhlgang gleich, und wir sind der Abort.

Zur Wirtschaftskrise

Sonntag, März 22nd, 2009

Jetzt pflanzen wir im Garten frisch Gemüse,
Romantisch ist das wie in alter Zeit.
Und trotzen so der bösen Wirtschaft Krise
Mit Schadenfreude, wo zuvor war Neid.

Verdrängung herrscht

Freitag, März 20th, 2009

Im Freien sehe ich die Leute eilen,
Das Mobtel in der Hand, ans Ohr gedrückt,
Indes von irgendwo Sirenen heulen,
Sodaß mein Herzschlag wie die Bombe tickt.

Zu Haus vernehm ich, es war eine Übung.
Der Ernstfall wird im Stillen inszeniert.
Und Leben, wie es läuft, will keine Trübung.
Verdrängung herrscht, was immer auch passiert.

Wenn sich die Augen auf den Bildschirm richten
Und auch die Ohren müssen Zeugen sein,
Dann sehnt mein Inneres sich zu Gedichten,
Zurück zum Vers, zum Rhythmus und zum Reim.

Betrogen - in der Hoffnung - selbst Betrüger,
Sind wir Verlierer, bleiben es als Sieger.

Im Lügenrad der Zeit

Donnerstag, März 19th, 2009

Wenn Tag für Tag die größten Idioten
Vom Bildschirm oder aus dem Radio
Aus ihren Mäulern stinkig stotternd koten,
Wird jeder Raum zum öffentlichen Klo.

Was Tag für Tag steht auf Papier geschrieben,
Das blühte nicht, als noch die Sonne schien.
Und heute sind es abgefaulte Rüben,
In New York wie in London und Berlin.

Von allen Seiten werden wir belogen
Und haben diese Lügen noch nicht satt.
Wie Ochsen an den Nasen rumgezogen,
So rufen wir, macht weiter, nicht zu knapp.

Das Rad der Zeit war nie ein Ruhekissen.
Heut sind es wir, die in ihm treten müssen.

Rohbau

Mittwoch, März 18th, 2009

In rohen Ziegeln steht das Haus,
Kein Dach und keine Türen,
Kein Fensterrahmen, nur ´ne Maus
Sah ich in ihm logieren.
Der Tag ein Dieb, die Wochen ziehn,
Wie Wolken durch das trübe Meer.
Der Frühling kommt, die Sträucher blühn,
Doch stumm steht dieses Haus und leer.
Die Krise fraß des Eigners Geld
Er folgte nach und sprang vom Boot.
Dein Leben aber steigt und fällt,
Bevor es fertigmacht der Tod.

Wünsche

Mittwoch, März 18th, 2009

Ach, wer tilgt nur unsre Zeit
Vom Kalender der Epochen?
Wär die Welt vom Mensch befreit,
Des Planeten wunde Knochen
Könnten heilen sein Gesicht,
Krebszerfressen, stumpf und grau,
Würde schnell im Sonnenlicht
Grün erstrahlen, rein und blau.

Nachtlied

Dienstag, März 17th, 2009

Manchmal tauchen rote Hände
Zitternd aus dem tiefen Traum,
Auf den Lippen brodelt Schaum,
Und wie Bäuche blähn die Wände,

Augen rollen wild im Spiegel.
Von der traurigen Gestalt
Bis zum Boden der Gewalt
Öffnen sich gestutzte Flügel.

Ratten schwänzeln schläfenwärts,
Würmer durch Gedanken graben,
An der Scham sich Zecken laben,
Scherben schlägt im Takt das Herz.

Fort, nur fort aus Haut und Haft.
Fort aus falschem Rollenspiel.
Jeder Weg hat auch ein Ziel.
Jedes Ziel heißt Wanderschaft.

Auf die Straßen, in die Fluten
Schwüle Nächte, fremder Stimmen,
Fleischige Laternen krümmen
Sich im Laufschritt der Minuten.

Wolken reißen, harter Regen
Leckt die Dächer, leckt den Stein,
Beißt Gesichter und allein
Saure Teufel spenden Segen.

Aber weiter, ohne Rasten,
Ohne Hoffnung schließt der Kreis.
Auf den Gipfeln Edelweiß,
Auf dem Rücken große Lasten.

Aus dem Dunkel kommen Blicke,
Schärfer als geschliffner Stahl,
Mörderisch wie Kapital
Lauert überall die Tücke,

Läßt die Furcht wie Rosen blühen,
Braucht darob nicht einen Grund.
In der Nähe jault ein Hund,
Und wer will, der kann nicht fliehen.

Denn die Füße sind wie Blei,
Während bleich die Messer blitzen,
Boden wandelt sich zu Pfützen,
Und im Hals steckt Hilfsgeschrei.

Schließlich rettet das Erwachen.
Doch bei Tageslicht besehn
Ist an dieser Welt nichts schön.
Manchmal taugt sie noch zum Lachen.

für Gerda

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Kapital in Not

Sonntag, März 15th, 2009

Die Krise hat mich durchgeschüttelt
Und ließ mich mehr als viel verlieren.
Ich werde wie ein Hund geknüppelt,
Der Neider Häme muß ich spüren,
Tagtäglich, aber was ist schlimmer,
Als nach der Fülle nichts zu tragen,
Nachdem mein Eigen ging in Trümmer.
Das will ich die Gerechten fragen.
Auf Antwort aber kann ich warten.
Nur selbstgerecht sind die Gerechten.
Sie zeichnen auf den neuen Karten
Von allen Wegen nur die schlechten.

Tibet 2009

Samstag, März 14th, 2009

Bringt um was ihr nicht liebet
Und liebt die Leichen dann.
Der Genozid in Tibet
Hält unvermindert an.
Zerstört all die Kulturen
Die anders sind und alt.
Ihr folgt bekannten Spuren,
Daß Macht baut auf Gewalt.

Gebt Tibet den Tibetern
Und China den Chinesen,
Parteifrei, frei von Vätern
Und Kindern all des Bösen.
Es weint das Dach der Welt
Seit 50 Jahren Blut,
Das still zur Erde fällt,
Und in mir nährt die Wut.