Archive for the ‘02 Verse’ Category

Wieder in Wien

Sonntag, Mai 24th, 2009

Wieder zurück in der morschen Stadt,
An all den vertrauten Orten,
Wo mich die Hoffnung beschissen hat,
Halt ich mich fest an den Orten.

Die Füße laufen auf zähem Asphalt
Die gleichen sinnlosen Kreise.
Die Tage werden wie Fliegen schnell alt,
Und ständig steigen die Preise.

Wieder zurück im Menschenzoo,
Die Wohnung ein häßlicher Fleck,
Das ganze Haus ein Charackterklo
Mir ekelt vor all dem Dreck.

Was sind das für Gefühle,
Wo Herz nach Wärme sinnt,
In Staub und betonierter Kühle
Das Leben nur verrinnt.

Wieder zurück in Wien, dieser Welt,
Wo Neid würgt Herrn und Proleten,
Wo rot lackiert wird jedes Feld,
Wo Politiker fressen Pasteten.

Was sind das für Gefühle,
Wo Herz nach Wärme sinnt,
In Staub und betonierter Kühle
Das Leben nur verrinnt.

für Gerda

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at, 1991

Rock und Roll

Samstag, Mai 23rd, 2009

Guitarren krächzen
Und Mikros johlen,
Wenn wir mit 16
Euch rock- und rollen.

Ihr Empfindsamen 2

Donnerstag, Mai 21st, 2009

Ihr laßt euch leichter provozieren
Als mancher Hund, der ständig bellt.
So kann euch an der Nase führen
Fast jeder Narr, dem das gefällt.
Statt ärgerlich zu reagieren
Auf jeden Westentaschen-Held,
Empfiehlt es sich zu ignorieren
Die Dummheit, die als Wecker schellt.
Drum gebt euch taub und gebt euch blind,
Wenn Stänkerer im Weg euch sind.

Ihr Empfindsamen

Montag, Mai 18th, 2009

Was seid ihr alle so sensibel,
Beleidigt auf das kleinste Wort,
Steht doch geschrieben in der Bibel:
Der Kummer schafft sich selbst…nicht fort.
Schenkt eurem Dasein doch Humor,
so rötet ihr die bleichen Wangen,
Und öffnet der Empfindung Tor,
Die euch in Krämpfen hält gefangen.

Linke Brüder

Sonntag, Mai 17th, 2009

Großmutters Zwergdackel “Francois” gewidmet

Wie Zombis kriechen sie aus ihrer Gruft,
Verschimmelt die geballte Zitter-Faust,
Verströmen einen penetranten Duft,
Verwurmt der Leib, verwanzt und voll verlaust.

Jetzt sind sie wieder da, die linken Brüder,
So überflüssig, wie sie immer waren;
Laut jodelnd ihre abgeschmackten Lieder,
Marschieren sie im Kreis, die blinden Narren.

Auf Transparenten hinkende Parolen;
So sicher wie die Fliegen auf dem Kot,
Wolln sie die Zukunft in das Gestern holen,
Frankfurter Würstchen, Senf, drei Scheiben Brot.

Als wär die neoliberale Sippe
Nicht Unheil schon genug für diese Welt.
Drum stopft die rot bemalte Kümmer-Lippe
Samt Kopf und Körper aus als Puppen-Held.

Distichon 2

Samstag, Mai 16th, 2009

Kennt ihr die Wesen im Netz, die uns Würmern die Welt dort erklären:
Göttern gleich fliegen sie auf, schweben ins Licht, bis es schnalzt.

Distichon

Samstag, Mai 16th, 2009

Menschen wie wir sind die letzten, die Verse noch schreiben und lesen.
Wisset, was folgt, das wird schlimm, schlimmer als alles, was ist.

Wir Narren

Freitag, Mai 15th, 2009

Wir sind doch nur die Narren dieser Zeit,
Ein Spielball jener, die uns kalt verachten.
Und alles kam ganz anders, als wir dachten.
So nah scheint ein Gedanke und so weit.

Wir sind nicht Gäste sondern Parasiten
Auf dieser Welt, die eng geworden ist,
Zu eng für den von uns erzeugten Mist.
Den Tropfen folgen so die Stalagtiten.

Wir sind so träg geworden. Ohne Kraft
Sehn wir am Bildschirm das fatale Treiben,
In eitler Hoffnung, alles möge bleiben
So fremdgelenkt in unsrer Körper-Haft.

Doch tief in mir ist irgendwas, das schreit:
Wir haben uns umsonst verkauft. Bestochen
Aus Feigheit, kommen wir daher gekrochen
Als Narren, die wir sind, in dieser Zeit.

Pickel-Seneca

Donnerstag, Mai 14th, 2009

Vorbemerkung: Dies ist ein fiktionaler Text. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Im Zirkus nicht, nicht in der Heilanstalt,
Allein im Netz sind sie, ob jung, ob alt,
Sind alle Freaks versammelt, ohne Zweifel,
Dort hausen sie als Zweistein, Gott und Teufel.
Was zählen heute Uni, ein Diplom?
Das ist von gestern wie ein morscher Dom.
Doch heute reicht wohl auch ein Abitur,
Um tertiär zu schwafeln, als Tortur
Für alle diese Altertümler, deren Sinne
Noch nicht gefressen wurden von der Spinne.
“Angeber sind die andern, aber wir,
Wir öffnen euch des Wissens hohe Tür
Statt der der Hose, ist sie auch geschwollen.
Das macht das Netz ja erst zu einem tollen.”

Dort sah ich auch den “Pickel-Seneca”
Mit stumpfer Schnauze rufend: Heureka.
Hoch oben für uns Würmer auf dem Thron
Sitzt er so aufgebläht wie ein Ballon.
In Schwarz und Weiß zum Glück nur sein Gesicht,
Als stamme es aus einem Benn-Gedicht.
Schwarz-weiß auch alles, was er so geschrieben.
Doch jeder Anfang heißt halt: Üben, üben.

Ich las vergnügt drei Zeilen. Nicht die Güte
Ist hier am Wort wie einst. In bleicher Blüte
Verfault die Schönheit, leider sekundar.
Doch halt. Auch Pubertät ist wirklich, wahr.
Wir sind im Netz, wo jeder Zwerg ist Riese.
Die Zeit der virtuellen Paradiese
Hat schon begonnen und kein Kokain
Ist mehr von Nöten, um davon zu ziehn.
Und außerdem gibt es noch diese Ode:
Großartig, daß sie in der Garderobe
Poetischer Gehäuse dieser Welt
Zu finden ist, weil sie so gut gefällt.
Was haben wir nicht schallend losgelacht,
Und Hansi hat sein Höschen naßgemacht.
Und Hölderlins Kadaver kriegt die Röte
Aus Neid auf diese Pickel-Sphären-Flöte.
Auch Klopstocks Leiche fängt an zu rotieren.
Wir wollen sie nicht weiter konfrontieren…

Dies Wesen ist wahrhaftig ein Genie.
Drum, ihr Banausen, runter auf die Knie
Und schlagt die Stirn jetzt dreimal auf den Boden,
Laut singend wie Choräle seine Oden.

Kritiker

Mittwoch, Mai 13th, 2009

Reißt die Kritiker in Stücke,
Werft die Stücke in den Koben,
Denn es ist nur Herzens-Tücke,
Wenn sie euch perfide loben.

Gebt den Freunden roh den Stecken,
Die euch auf den Schultern tragen;
Die euch stets die Zehen lecken,
Müsst ihr in die Wüste jagen.

Alle, die euch nur beschleimen,
Tretet kräftig in die Erde
Denn bevor ihr könnt noch träumen,
Drängelt schon die neue Herde.

Einzig Selbstlob sei euch teuer.
Deshalb nährt es Scheit um Scheit,
Die ihr werft ins Ego-Feuer,
Dass es leuchtet meilenweit