Archive for the ‘02 Verse’ Category

Haiku (18-26)

Freitag, Mai 29th, 2009

Pfingstrosen

Weiß und rot leuchten
Die Blüten, groß wie Köpfe,
Zart wie das Leben.

Wo die Amsel singt,
Glitzern die Träume wie Schnee,
Zwischen Nacht und Tag.

Die Sonne versinkt
Hinter den fernen Bergen.
Ringsum schweigt der Wald.

Vor meinem Fenster
Blühn rot die Kastanien
Und färben den Traum.

Amseln und Finken,
Stare besuchen den Baum.
Die Kirschen sind reif.

Ein Schwarm Krähen kreist
Kreischend in eisiger Luft.
Was ist nur geschehen.

Hebst du deinen Blick,
So siehst du keine Grenzen,
Nur des Himmels Blau.

Regen wäscht Schminke
Aus dem Gesicht und dunkelt
Den Schatten der Zeit.

Den Arsch ins Gesicht
Gedrückt, werden die Tage
Zu fauligem Obst.

Depression

Donnerstag, Mai 28th, 2009

So elend wie ich heute bin,
So eingedrückt, so ausgebrannt,
Macht Existieren wenig Sinn,
Läuft alles nicht sehr amüsant.

So wie ich früher einmal war,
Mit Augenstern und heißem Blut,
In Sicherheit wie in Gefahr,
Ich handelte und es war gut.

So wie ich gern geworden wär,
So hat das Leben nicht gespielt.
Schwamm lang im großen Trübsalmeer,
Und Glück hat weit vorbeigezielt.

Wohin ich mich begeben werde,
Ein Gang auf blinder Abwärtsstiege.
Drei Meter tief in kalte Erde,
Wo ich bei Würmern stumm dann liege.

für Gerda

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at, 1992

Der nette Nazi

Montag, Mai 25th, 2009

Ich bin der kleine, nette Nazi,
Den ihr so gern habt insgeheim.
Nach außen aber - wie gemein -
Beschimpft ihr mich als Noppenfazi.

Ich wohne tief in euren Herzen
Und fühle mich dort heimelig,
Wenn es im Stechschritt trommelt: Sieg,
Das Maul ganz faul von Adolf-Scherzen.

Bleibt mir vom Leib mit dem Gewissen.
Das taugt doch einzig für die Pfaffen.
Wir sind Germanen, keine Affen,
Die sich die Eichel selber küssen.

Auch ist es vielen nicht bewußt,
Daß sie mich in Gedanken tragen,
Wohin ich will, indes sie sagen,
Ich hätte wirklich große Lust…

Ich bin ein Nazi - der in euch,
Voll erblich, ja, ich bin das Gen,
Das deutsche und das ist sehr schön,
Wenn dereinst kommt das stramme Reich.

Doch lieber wär ich noch ein Hund,
Der zwischen und nicht in euch lebt,
Der, wenn er will, sein Beinchen hebt,
Der bellen kann mit eignem Mund.

Wieder in Wien

Sonntag, Mai 24th, 2009

Wieder zurück in der morschen Stadt,
An all den vertrauten Orten,
Wo mich die Hoffnung beschissen hat,
Halt ich mich fest an den Orten.

Die Füße laufen auf zähem Asphalt
Die gleichen sinnlosen Kreise.
Die Tage werden wie Fliegen schnell alt,
Und ständig steigen die Preise.

Wieder zurück im Menschenzoo,
Die Wohnung ein häßlicher Fleck,
Das ganze Haus ein Charackterklo
Mir ekelt vor all dem Dreck.

Was sind das für Gefühle,
Wo Herz nach Wärme sinnt,
In Staub und betonierter Kühle
Das Leben nur verrinnt.

Wieder zurück in Wien, dieser Welt,
Wo Neid würgt Herrn und Proleten,
Wo rot lackiert wird jedes Feld,
Wo Politiker fressen Pasteten.

Was sind das für Gefühle,
Wo Herz nach Wärme sinnt,
In Staub und betonierter Kühle
Das Leben nur verrinnt.

für Gerda

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at, 1991

Rock und Roll

Samstag, Mai 23rd, 2009

Guitarren krächzen
Und Mikros johlen,
Wenn wir mit 16
Euch rock- und rollen.

Ihr Empfindsamen 2

Donnerstag, Mai 21st, 2009

Ihr laßt euch leichter provozieren
Als mancher Hund, der ständig bellt.
So kann euch an der Nase führen
Fast jeder Narr, dem das gefällt.
Statt ärgerlich zu reagieren
Auf jeden Westentaschen-Held,
Empfiehlt es sich zu ignorieren
Die Dummheit, die als Wecker schellt.
Drum gebt euch taub und gebt euch blind,
Wenn Stänkerer im Weg euch sind.

Ihr Empfindsamen

Montag, Mai 18th, 2009

Was seid ihr alle so sensibel,
Beleidigt auf das kleinste Wort,
Steht doch geschrieben in der Bibel:
Der Kummer schafft sich selbst…nicht fort.
Schenkt eurem Dasein doch Humor,
so rötet ihr die bleichen Wangen,
Und öffnet der Empfindung Tor,
Die euch in Krämpfen hält gefangen.

Linke Brüder

Sonntag, Mai 17th, 2009

Großmutters Zwergdackel “Francois” gewidmet

Wie Zombis kriechen sie aus ihrer Gruft,
Verschimmelt die geballte Zitter-Faust,
Verströmen einen penetranten Duft,
Verwurmt der Leib, verwanzt und voll verlaust.

Jetzt sind sie wieder da, die linken Brüder,
So überflüssig, wie sie immer waren;
Laut jodelnd ihre abgeschmackten Lieder,
Marschieren sie im Kreis, die blinden Narren.

Auf Transparenten hinkende Parolen;
So sicher wie die Fliegen auf dem Kot,
Wolln sie die Zukunft in das Gestern holen,
Frankfurter Würstchen, Senf, drei Scheiben Brot.

Als wär die neoliberale Sippe
Nicht Unheil schon genug für diese Welt.
Drum stopft die rot bemalte Kümmer-Lippe
Samt Kopf und Körper aus als Puppen-Held.

Distichon 2

Samstag, Mai 16th, 2009

Kennt ihr die Wesen im Netz, die uns Würmern die Welt dort erklären:
Göttern gleich fliegen sie auf, schweben ins Licht, bis es schnalzt.

Distichon

Samstag, Mai 16th, 2009

Menschen wie wir sind die letzten, die Verse noch schreiben und lesen.
Wisset, was folgt, das wird schlimm, schlimmer als alles, was ist.