Archive for the ‘02 Verse’ Category

Für Christine, zum Geburtstag

Dienstag, Juni 16th, 2009

Denk ich zurück, als wir noch Kinder waren,

Da hielt ich jedes Licht für Sonnenschein.

Das Leben aber fließt im Lauf von Jahren

Gleich einem Flusse, groß und manchmal klein.

Und hält der Geist der Zeit uns gern zum Narren,

So kann es, wenn du willst, ganz anders sein:

Dafür genügt ein herzhaft helles Lachen.

Das bläst die Schatten fort wie Wind den Drachen.

Die Abenteurer

Dienstag, Juni 16th, 2009

Ob Schiff, ob Zug, im Sturm auf Dromedaren,
Durch Wüsten, Meere, wie es uns gefällt.
Wir reisen und wir reisen um die Welt,
Nach Wladiwostok, zu den Balearen.

Mit Wolken ziehen und mit Vogelscharen,
Tief unter uns liegt manch ein Gräberfeld.
Wenn fern am Horizont die Windfanfaren
Aufspielen, hat sich Traum zu Traum gesellt.

Die einen prassen und die andern sparen,
Damit die nächsten prassen mit dem Geld.
Was kümmert´s uns. Wir schaun zum Himmelszelt
Und wissen, morgen wolln wir weiterfahren.

ps: Neufassung von “Die Reisenden”

Oliven

Donnerstag, Juni 11th, 2009

Das beste, was es gibt, das sind Oliven,
Ob im Salat, als Öl, das ist egal.
Auch jene, die nicht ganz so gut mehr miefen,
Sind innen kernig, außen jovial.
Und jene, die vor Eitelkeit stark triefen,
Die brauchen um den Hals nicht mal ´nen Schal,
Um lyrisch in den Röhren hinzusinken,
Bevor sie schmierig aus dem Auspuff stinken.

Distichon 3

Mittwoch, Juni 10th, 2009

Glaubst du vielleicht, du bist besser, bist schöner und größer als andre?
Schau in den Spiegel und sieh: Häßlich und dumm und ein Zwerg.

Distichon 4

Donnerstag, Juni 4th, 2009

Schau ich ins Antlitz der Erde, im Spiegel das Heute betrachtend,
Dann wird mir schmerzlich bewußt: Andere zahlen die Schuld.

Warten

Mittwoch, Juni 3rd, 2009

Sitzen und warten im stickigen Zimmer,
Zeit tropft langsam, Zeit läuft sich leer,
Durch Wände sickert der Schmerz als Gewimmer,
Regen fällt nieder und fällt so schwer.

Liegen und warten in frostigen Betten,
Warten und Hoffen auf Besserung,
Hoffen und Glauben sind Lügensketten,
Leben als Warten macht Leben zu Dung.

Stehen und Warten an feindlicher Pforte,
Gnädig ist keiner, Hohn heißt die Pflicht,
Als Schlüssel taugen nur selten die Worte,
Und auch Erwartung erfüllt sich nicht.

Gehen und Warten auf staubigen Wegen,
Schwielen am Fuß, doch kein Ziel ist zu sehn,
Blätter im Winde und wieder Regen,
Warten und Warten und kein Verstehn.

O dies endlose Harren
Auf etwas, das niemals erscheint,
Bis der Spiegel bricht durch das Starren,
Und keiner mehr wartet und weint.

für Gerda
PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Kurzballade

Samstag, Mai 30th, 2009

Herr Karl ging nach USA,
Um rasch sein Glück zu finden.
Als alles war ganz anders da,
Begann er zu erblinden.
Schon schickte ihn ruck zuck der Staat
Zurück, wo einst entsproß die Saat.

Haiku (18-26)

Freitag, Mai 29th, 2009

Pfingstrosen

Weiß und rot leuchten
Die Blüten, groß wie Köpfe,
Zart wie das Leben.

Wo die Amsel singt,
Glitzern die Träume wie Schnee,
Zwischen Nacht und Tag.

Die Sonne versinkt
Hinter den fernen Bergen.
Ringsum schweigt der Wald.

Vor meinem Fenster
Blühn rot die Kastanien
Und färben den Traum.

Amseln und Finken,
Stare besuchen den Baum.
Die Kirschen sind reif.

Ein Schwarm Krähen kreist
Kreischend in eisiger Luft.
Was ist nur geschehen.

Hebst du deinen Blick,
So siehst du keine Grenzen,
Nur des Himmels Blau.

Regen wäscht Schminke
Aus dem Gesicht und dunkelt
Den Schatten der Zeit.

Den Arsch ins Gesicht
Gedrückt, werden die Tage
Zu fauligem Obst.

Depression

Donnerstag, Mai 28th, 2009

So elend wie ich heute bin,
So eingedrückt, so ausgebrannt,
Macht Existieren wenig Sinn,
Läuft alles nicht sehr amüsant.

So wie ich früher einmal war,
Mit Augenstern und heißem Blut,
In Sicherheit wie in Gefahr,
Ich handelte und es war gut.

So wie ich gern geworden wär,
So hat das Leben nicht gespielt.
Schwamm lang im großen Trübsalmeer,
Und Glück hat weit vorbeigezielt.

Wohin ich mich begeben werde,
Ein Gang auf blinder Abwärtsstiege.
Drei Meter tief in kalte Erde,
Wo ich bei Würmern stumm dann liege.

für Gerda

PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at, 1992

Der nette Nazi

Montag, Mai 25th, 2009

Ich bin der kleine, nette Nazi,
Den ihr so gern habt insgeheim.
Nach außen aber - wie gemein -
Beschimpft ihr mich als Noppenfazi.

Ich wohne tief in euren Herzen
Und fühle mich dort heimelig,
Wenn es im Stechschritt trommelt: Sieg,
Das Maul ganz faul von Adolf-Scherzen.

Bleibt mir vom Leib mit dem Gewissen.
Das taugt doch einzig für die Pfaffen.
Wir sind Germanen, keine Affen,
Die sich die Eichel selber küssen.

Auch ist es vielen nicht bewußt,
Daß sie mich in Gedanken tragen,
Wohin ich will, indes sie sagen,
Ich hätte wirklich große Lust…

Ich bin ein Nazi - der in euch,
Voll erblich, ja, ich bin das Gen,
Das deutsche und das ist sehr schön,
Wenn dereinst kommt das stramme Reich.

Doch lieber wär ich noch ein Hund,
Der zwischen und nicht in euch lebt,
Der, wenn er will, sein Beinchen hebt,
Der bellen kann mit eignem Mund.