Archive for the ‘02 Verse’ Category

Arroganz

Mittwoch, Juli 1st, 2009

Ich bin ich, das heißt ein Gott!
Alle, die das nicht kapieren,
Bauen selbst sich ihr Schaffott!
Andre folgen, ich muß führen.
Andre sind humaner Schrott.
Aber ich will heute tanzen
Turbo-Tango-Arroganzen.

Kein Sommer

Dienstag, Juni 30th, 2009

Dieses Wetter soll ein Sommer sein?
Regen, Regen, klebrig schwül;
In der Stadt schwitzt Mensch und Stein,
Und der Freude fehlt das Ziel.
Sommer, laß uns nicht allein
Durch solch trübe Tage treiben!

Immer weiter, immer fort

Dienstag, Juni 23rd, 2009

Wer keine Bleibe hat, der bleibt beim Reisen.
Das ganze Dasein ist ihm Karneval.
Das Immer-weiter-Fahren Ritual,
Trabanten gleich, die um ein Zentrum kreisen.

Das Fernweh singt die schönsten Weisen.
Die Fremde wird zur Heimat ohne Wahl.
Das Haus der Zeit ist nur für die aus Eisen,
Die in der Erde stecken wie ein Pfahl.

Dahin, dahin, auf windgeführten Gleisen,
Im Schnee, im Regen oder Sonnenstrahl,
Zum Horizont, zuletzt ins dunkle Tal:
Wo alles endet, braucht sich nichts beweisen.

2.Fassung

Für Christine, zum Geburtstag

Dienstag, Juni 16th, 2009

Denk ich zurück, als wir noch Kinder waren,

Da hielt ich jedes Licht für Sonnenschein.

Das Leben aber fließt im Lauf von Jahren

Gleich einem Flusse, groß und manchmal klein.

Und hält der Geist der Zeit uns gern zum Narren,

So kann es, wenn du willst, ganz anders sein:

Dafür genügt ein herzhaft helles Lachen.

Das bläst die Schatten fort wie Wind den Drachen.

Die Abenteurer

Dienstag, Juni 16th, 2009

Ob Schiff, ob Zug, im Sturm auf Dromedaren,
Durch Wüsten, Meere, wie es uns gefällt.
Wir reisen und wir reisen um die Welt,
Nach Wladiwostok, zu den Balearen.

Mit Wolken ziehen und mit Vogelscharen,
Tief unter uns liegt manch ein Gräberfeld.
Wenn fern am Horizont die Windfanfaren
Aufspielen, hat sich Traum zu Traum gesellt.

Die einen prassen und die andern sparen,
Damit die nächsten prassen mit dem Geld.
Was kümmert´s uns. Wir schaun zum Himmelszelt
Und wissen, morgen wolln wir weiterfahren.

ps: Neufassung von “Die Reisenden”

Oliven

Donnerstag, Juni 11th, 2009

Das beste, was es gibt, das sind Oliven,
Ob im Salat, als Öl, das ist egal.
Auch jene, die nicht ganz so gut mehr miefen,
Sind innen kernig, außen jovial.
Und jene, die vor Eitelkeit stark triefen,
Die brauchen um den Hals nicht mal ´nen Schal,
Um lyrisch in den Röhren hinzusinken,
Bevor sie schmierig aus dem Auspuff stinken.

Distichon 3

Mittwoch, Juni 10th, 2009

Glaubst du vielleicht, du bist besser, bist schöner und größer als andre?
Schau in den Spiegel und sieh: Häßlich und dumm und ein Zwerg.

Distichon 4

Donnerstag, Juni 4th, 2009

Schau ich ins Antlitz der Erde, im Spiegel das Heute betrachtend,
Dann wird mir schmerzlich bewußt: Andere zahlen die Schuld.

Warten

Mittwoch, Juni 3rd, 2009

Sitzen und warten im stickigen Zimmer,
Zeit tropft langsam, Zeit läuft sich leer,
Durch Wände sickert der Schmerz als Gewimmer,
Regen fällt nieder und fällt so schwer.

Liegen und warten in frostigen Betten,
Warten und Hoffen auf Besserung,
Hoffen und Glauben sind Lügensketten,
Leben als Warten macht Leben zu Dung.

Stehen und Warten an feindlicher Pforte,
Gnädig ist keiner, Hohn heißt die Pflicht,
Als Schlüssel taugen nur selten die Worte,
Und auch Erwartung erfüllt sich nicht.

Gehen und Warten auf staubigen Wegen,
Schwielen am Fuß, doch kein Ziel ist zu sehn,
Blätter im Winde und wieder Regen,
Warten und Warten und kein Verstehn.

O dies endlose Harren
Auf etwas, das niemals erscheint,
Bis der Spiegel bricht durch das Starren,
Und keiner mehr wartet und weint.

für Gerda
PS: Aus d. Vorzeit d. versfabrik.at

Kurzballade

Samstag, Mai 30th, 2009

Herr Karl ging nach USA,
Um rasch sein Glück zu finden.
Als alles war ganz anders da,
Begann er zu erblinden.
Schon schickte ihn ruck zuck der Staat
Zurück, wo einst entsproß die Saat.