Archive for the ‘02 Verse’ Category

Zu spät

Mittwoch, Juli 22nd, 2009

Manchmal in den tiefen Träumen,
Manchmal seh ich ein Gesicht,
In mir unvertrauten Räumen,
Wo ein jeder Herzschlag sticht.
Flüchtig wie des Mittags Schatten,
Taucht es auf, ist wieder fort.
Damals, als wir uns noch hatten,
Damals fehlte nur ein Wort.
Heute könnte ich es sagen,
Aber heute ist zu spät.
Gäbe ich´s dem Wind zu tragen,
Wär es doch im Nu verweht.

Dem Traum folgen *

Montag, Juli 20th, 2009

Es war vor langer Zeit, es war im Traum.
Und manchmal kehrt es noch im Schlafe wieder:
Ich bin allein in einem kahlen Raum,
Und durch die Decke sickern alte Lieder.
Vorm Fenster blüht ein Dornenstrauch.

Die Tür geht auf. Ein Mädchen kommt herein,
Im weißen Kleid, berührt sanft meine Hände.
Ich schreck zurück. Ich fange an zu schrein.
Ich eile aus dem Schutz der blauen Wände,
Direkt ins offne Maul der Welt.

Vor Jahren nun hab ich mich losgemacht,
Für eine Reise, das Geschöpf zu finden.
Ging über Brücken bis ins Herz der Nacht,
Trieb lang in Flüssen, die im Ursprung münden,
Und bin dem Ziel so nah wie nie.

* für Gerda

Der Unsinn des Lebens

Sonntag, Juli 12th, 2009

So manche schlagen ihre Köpfe gegen Wände,
Und viele laufen rum mit Schuhwerk aus Beton.
Es gibt auch solche, die zum Beten falten ihre Hände,
Weil deren Kinder galoppiern auf schwarzem Mohn.
Die meisten sind zur falschen Zeit an falschen Orten,
Und spielen Leben, während andre führn Regie.
Ich aber finde keinen Sinn mehr in den Worten,
Die höhnisch lachen über mein Warum und Wie.

Warum

Donnerstag, Juli 9th, 2009

An Tagen, wann, ganz gleich, was ich auch tue,
Woran ich denke, was ich fühle, Frust
Mich löchert wie die Würmer alte Schuhe,
Da wird mir meine Nichtigkeit bewußt.
Und Zweifel wachsen, alles zu ertragen,
Weil aus dem Spiegel geifert ein Warum,
Das noch das Tiefste packt und zerrt am Kragen,
Zur Oberfläche vor ein Publikum.

Ein Foto…

Dienstag, Juli 7th, 2009

Ein Foto auf dem Schreibtisch, blaue Farben
Im Hintergrund, der Himmel und das Meer.
Gedanken gehn auf Reisen trotz der Narben,
Die ihnen schlägt der Raum-und Zeitverkehr.

In seinem Echo, fern am Saum der Jahre,
Gehn sie vor Anker, finden ein Gesicht:
Die Augen leuchten, schwarz und lang die Haare,
Ein Purpurmund, der alle Sprachen spricht.

Ein Foto auf dem Schreibtisch gibt dem Leben
Für manche manchmal jenen Funken Sinn,
Nicht zu verzweifeln an den Gitterstäben
Des Daseins und der anderen Gewinn.

Selbstbeschreibung

Montag, Juli 6th, 2009

Mensch, du bist doch auch von jenen
Selbsternannten Überwichten,
Die sich nach Beachtung sehnen
Mit gedrechselten Gedichten.
Lächerlich wie all die andern
Stierst du blökend in den Spiegel,
Während die Gedanken wandern,
Und du meinst, sie hätten Flügel.
Doch sie gehen nur hausieren
In der namenlosen Menge,
Wo sie immer stärker spüren,
Voll Verzweiflung ihre Enge.

Ein Jahr im Netz

Sonntag, Juli 5th, 2009

Ein Jahr bin ich im Internet nun schon auf Reisen.
Hab viele Seiten angeschaut und manche Foren
Besucht, und wenig fand ich, um es auch zu preisen.
Doch Stunden habe ich genug dabei verloren.
Ob das die schöne, neue Welt ist, wird sich weisen.
Ich aber wurde sicher nicht dazu geboren,
In ihr als virtuelles Wesen scheinzuleben,
Wie Fliegen, die in Spinnennetzen hilflos kleben.

Arroganz

Mittwoch, Juli 1st, 2009

Ich bin ich, das heißt ein Gott!
Alle, die das nicht kapieren,
Bauen selbst sich ihr Schaffott!
Andre folgen, ich muß führen.
Andre sind humaner Schrott.
Aber ich will heute tanzen
Turbo-Tango-Arroganzen.

Kein Sommer

Dienstag, Juni 30th, 2009

Dieses Wetter soll ein Sommer sein?
Regen, Regen, klebrig schwül;
In der Stadt schwitzt Mensch und Stein,
Und der Freude fehlt das Ziel.
Sommer, laß uns nicht allein
Durch solch trübe Tage treiben!

Immer weiter, immer fort

Dienstag, Juni 23rd, 2009

Wer keine Bleibe hat, der bleibt beim Reisen.
Das ganze Dasein ist ihm Karneval.
Das Immer-weiter-Fahren Ritual,
Trabanten gleich, die um ein Zentrum kreisen.

Das Fernweh singt die schönsten Weisen.
Die Fremde wird zur Heimat ohne Wahl.
Das Haus der Zeit ist nur für die aus Eisen,
Die in der Erde stecken wie ein Pfahl.

Dahin, dahin, auf windgeführten Gleisen,
Im Schnee, im Regen oder Sonnenstrahl,
Zum Horizont, zuletzt ins dunkle Tal:
Wo alles endet, braucht sich nichts beweisen.

2.Fassung