Archive for the ‘02 Verse’ Category

Der Kuß des Meisters

Montag, Oktober 17th, 2011

Einst zog ich fern mit stillen Karawanen von Kamelen,
Durch rote Wüsten, unter weißem Sternenlicht. Verdammt
Hat mich das Leben mit Dämonen, die mich lüstern quälen,
Als würde mir ein glühend heißer Pfahl ins Herz gerammt.

Ich spüre Hände, die um meinen Hals ein Kabel schlingen
Und enger ziehen, daß die Atemluft schrill stecken bleibt.
Ich höre Worte, die die guten Geister rüde zwingen,
Zu schweigen, da der Meister seinen Mund an meinem reibt.

Oktober

Freitag, Oktober 14th, 2011

Noch ist es dunkel, aber in dem kalten Neonlicht
Im Bad, vorm Spiegel stehend streift ein Schatten mein Gesicht,
Indes vorm Fenster draußen still ein neuer Morgen dämmert.
Ich weiß, die Tage tragen jetzt ein eng geschnürtes Mieder,
Und was vor Wochen leicht zum Himmel stieg, fällt plötzlich nieder.
Wie jene Faust, die mürrisch an mein Haustor hämmert.

Blues

Montag, Oktober 10th, 2011

Ein Glas Tequila
Trinke ich auf das Wohl
Der Schatten im Spiegel

In einer dunklen
Bar wo Menschen sich abfülln
Um kurz nur zu glühn

Das nächste Glas platzt
An der bleichen Wand laß es
Bleiben laß es sein

Zu Hause hab ich
Besseren Stoff für Wunden
Die keine Zeit heilt

Zu Hause wartet
Ein toter Hund der heult schon
Seit Wochen nicht mehr

25.September 2011

Sonntag, September 25th, 2011

Draußen das fröhliche Zwitschern der Meisen,
Das Blau des Himmels ist klar wie ein See.
Ich spüre, noch ist nicht die Zeit zum Reisen.
Am Fensterbrett blüht rot die Orchidee.

Buschn duschn - ein Dialektgedicht

Dienstag, September 13th, 2011

Hearst du stinkst, i man i dram.
Moch an Schuah und schiab di ham.
Erst befrei vom Gwaund dein Buschn
Und daun hau di unter´d Duschn.
Hoit auf des, wos drunter hängt,
Des, wos ma in´d Hosn zwängt,
Dort, wo scho di Viecher kriachn,
Auf dein Kas, i kaun na riachn,
Voi den Strahl, wos schaust so bled?
Wer bled schaut, der is scho z´spät.
Oida tua, wos i da sog,
Weil i di sonst nimma mog.
Und des kaunst ma wirklich glaubn:
Unter ana Wossahaubn
Fühlst di fast wie neigeborn,
Hearst daun wieda mit di Ohrn,
Kaner hoit si ´d Nosn zua,
Und da Gstaunk gibt endlich Ruah.

Von einem Tag zum nächsten

Sonntag, September 4th, 2011

Die Lippen sind weit
Nach unten gezogen, die
Augen ohne Glanz.

Durchs Fenster sehe
Ich, wie er jeden Morgen
In die Arbeit fährt.

Seit Tagen aber
Ist sein Platz leer. Heute steht
Ein anderer dort.

Tief in mir hadert
Ein Zorn, der den Mund trocken
Macht, bis etwas bricht.

Panik um Mitternacht

Freitag, Juli 8th, 2011

Und manchmal spät zur stummen Mitternacht
Erwache ich aus grell verzerrtem Traum
Das Herz rast hin und her, zu eng der Raum
Und an den Schläfen friert der Schweiß. Es lacht

Mir voll ein Dämon höhnisch beide Ohren.
Ein Klang wie Fingernägel auf Metall
Und plötzlich stürze ich im freien Fall
In einen tiefen Schlund, aus Angst geboren

Und bin im Dunklen jetzt nicht mehr allein.
Wie aus dem Nichts tritt er an meine Seite,
Der Meister selbst, wie könnt es anders sein,

Nimmt Maß an meinem Jammer, spricht: Nicht heute,
Noch länger bleibe deines Lebens Knecht
Auf morschen Brücken zwischen gut und schlecht.

Reime aus dem Stegreif

Montag, Juli 4th, 2011

1

Das Lärmen der Motoren,
Das zieht mir Nerv und Zahn,
Zerfetzt mir beide Ohren
Und treibt mich in den Wahn.

2

Drüben läßt die Birke ihre langen Zweige
Hängen wie ein müder alter Mann,
Und ein andres geht zur Neige,
Weil es nicht mehr gehen kann.

3

Am Fenster sitzend streift mein Blick
Die Straßen hin, die Hausfassaden her,
Zum Himmel hoch, herab auf den Verkehr,
Und fällt dann wieder auf mich selbst zurück.

Dichterfantasie

Samstag, Juni 11th, 2011

Ach, ich wär so gerne so was wie ein Dichter.
Möchte meine Wörter auf den Bildschirm rotzen,
Daß die Pickel nächtens leuchten wie Laternen,
Von den Käsestangen in verlausten Votzen,
Die den Juckreiz auserwähln zum höchsten Richter,
Über Schweißfußkämpen in Kausalkasernen,
Möcht ich meine Wörter in die Netze kotzen.

Die Traumfrau

Freitag, Juni 3rd, 2011

Das Reich der Träume ist wild und weit.
Kein Grenzzaun steht. Am Horizont
Öffnet der Regenbogen sein Tor.

Hier hausen seltsam fremde Wesen.
Es leben die Räume. Und die Zeit
Ist glatt rasiert und bärtig zugleich.

Und mitten in diesem wüsten Treiben
Seh ich das Mädchen mit winkendem Arm
Und einem Lächeln, das Jugend heißt,

Und Augen funkelnd wie Edelgestein.
Kaum ruf ich laut, da wendet es schnell
Mir den Rücken zu und eilt hinfort.

Durch Leibergewühl in düsteren Gassen,
Der Schönen folgend, die mir entflieht
Leichten Fußes durch ein Labyrinth

Aus endlos engen Schächten, grell
Öffnen sich Mäuler in den Wänden,
Und borstige Zungen schlängeln heraus,

So flieg ich dahin als wär ich der Wind,
Dem Mädchen, der Liebe, dem Leben nach,
Von Schatten verfolgt und Nachtgeziefer.

Und hat meine Hand dich endlich berührt,
Dann dreht dein Gesicht sich langsam herum,
Mit Augen aus Glas, und die Haut ist Stroh.