Archive for the ‘02 Verse’ Category

Sommerlied

Mittwoch, Juli 31st, 2013

Ich rinne, rinne, rinne;
Der Körper schwimmt in Schweiß.
Was ich dabei gewinne,
Ist weder kalt noch heiß.

Ich renne, renne, renne,
Mein Herz ist vorm Zerspringen,
Wobei ich das schon kenne,
Die Flucht vor Tag und Dingen.

Ich liege, liege, liege
Am Boden und ganz flach,
Indes Gedanken fliegen
Hinfort von diesem Krach.

2.Fassung

Jugendfreunde

Mittwoch, Juli 10th, 2013

Du warst doch auch mal einer von den Typen,
Der ganz genau sah, was so lief ringsum,
Der Steine warf beim Angriff der Polypen
Und abends Haschisch rauchte im Kawumm.

Heut fährst du einen Audi, trägst Krawatte
Und spielst in Vatis Firma Regisseur.
Du passt dich schneller an als eine Ratte,
Glaubst wohl, des Lebens Sinn sei Zubehör.

Uns alle nennst du Loser, machst gern Witze,
Wie Fred in Goa hängt, zu nah am Rand,
Und Emma, sagst du, wohnt in einer Pfütze,
Die sich den Mieter ihrer Träume fand.

Ich selber trink Tequila, schreibe Sätze
Von schwarzen Löchern und der neuen Brut,
Besuche manchmal noch die alten Plätze,
Den Geist, der in der trüben Flasche ruht.

Die Halde

Montag, Mai 27th, 2013

Brennnesseln Schierling
Blüht Brombeergesträuch zwischen
Losem Felsgestein
Liegt ein nackter Leib Fliegen
Larven bevölkern das Fleisch

eine Erinnerung

Metropole*

Samstag, Mai 11th, 2013

Auf spitzen Dächern
Grast der Himmel pfeift
Wind braune Rhapsodien
Bis zum Horizont
Reicht das Netz in dem
Die Jahre kleben
Tausende und viel
Mehr Mumien vor
Palästen kriechen
Bettler glühn Büßer
Auf dem Trottoir
Führn Damen Rüden
An der Nabelschnur
Spazieren ein Fluss
Teilt die Stadt in zwei
Lügen mit Stahlhelm
Auf den Wellen tanzt
Unser Phantom zieht
Tag und Nacht an den
Fettigen Haaren
Hinab auf den Grund

*Neufassung von “Babel”

Bis zum Grund (T)

Sonntag, April 21st, 2013

Jahresringe drehn
Sich vor den Augen das Licht
Zerfließt auf Asphalt
Erdwespen graben Stollen
Unter die Wurzeln des Traums

Ich will küssen

Freitag, April 12th, 2013

Der Himmel wankt auf Krücken, und ich muß
Die harten Stiefel schnüren, denn vier Stunden
Genügen nicht, die Erde zu umrunden.
Der Schotter steigt die Venen hoch, ein Kuß

Von dir, mit deinen rabenschwarzen Haaren,
Mit Händen wie kristallisch reiner Schnee
Und Augen, tiefer als die Beringsee,
Die wir, der Sonne hinterher, befahren.

Dann mit den Vogelschwärmen in den Süden,
Für Augenblicke in den Wolken träumen,
Bevor der Nachtmahr anfängt, Blut zu schäumen,
Ein letzter Kuß noch für den Tag, den müden.

Der Regenwurm (H) *

Montag, April 8th, 2013

Bin Regenwurm bin
Futter nur für alle bring
Leben mir den Tod

* Dem ersten Regenwurm, der nach endlos langem Winter meinen Weg kreuzte

Existenz Haiku

Freitag, April 5th, 2013

Glocken am Himmel
Löcher in der Erde und
Viel Scheiße im Hirn

Der Berg (T)

Sonntag, März 24th, 2013

Ich sitze am Rand
Des Weges vor mir der Berg
Wir blicken uns an
Über die Stunden hinweg
Unter dem endlosen Blau

Feuer…(T)

Donnerstag, Februar 28th, 2013

Feuer auf dem Mond
Menschen beißen Hunde mich
Würfeln die Tage
Über den Filz des Daseins
Bis der Horizont zerspringt