Archive for the ‘02 Verse’ Category

Die Zeiger drehn

Samstag, August 2nd, 2008

Die Zeiger drehn den Morgenhimmel grau;
Verschlafen schmeißen Leute ein paar Bissen
Den Schlund hinab. Die Schläfen ticken, müssen
Den Tag beginnen, Blechgewölk und Stau.

Die Zeiger drehn sich schneller, Stunden rinnen
Wie Rotz von Blutern, braun verfärbter Schweiß.
Verraucht ein Mensch, dann war er glühend heiß.
Es sind die Zeiger, die den Tag gewinnen.

Im Stoßverkehr, da heißt es Finger schärfen.
Am Lenkrad krallt im Manne sich die Wut.
Falls Therapeuten sich vor Räder werfen,
Dann wird gemäht, der Meister mitsamt Brut.

Die Zeiger drehn den Abendhimmel grau.
Heim will ein jeder, rasch in seine Stube.
Doch mancher steckt noch immer fest im Stau,
Und mancher fährt direkt in eine Grube.

Fleischballade

Samstag, August 2nd, 2008

Ein Rüpelslave, neureich rhythmisiert,
Vom Schuppenhals tropft eine Fettkrawatte,
Den Bauch gefüllt mit Champus, Fischlaich, hatte
Wohl unter Zwang die Rückwand braun lackiert.

Das Ehefleisch, nicht faul, sie treibt Karate,
Hat ihm deshalb die Warzen eingeseift,
Das Geld im Haus, auch Groschen, eingestreift.
Jetzt geigt ihr stündlich ein Potenzmulatte.

Den ödet schon das Hin-und Hergeschiebe,
Ihr welker Schenkelduft, der ekle Saft.
Und in der Nacht versetzt er ihr drei Hiebe,
So stark, daß sie im Tod noch reizvoll klafft.

Ein Knorpelfischer knüpft den frühen Morgen,
Da hängt ein freches Weibsbein an der Schnur.
Welch Fest und keine hormonellen Sorgen,
Schnaubt er. Am Grund, da tickt die Knochenuhr..

Der Sinn des Lebens

Freitag, August 1st, 2008

Am Sinn des Lebens ist so manche Stirn zerschellt.
Das Gute scheidet nach wie vor die Geister.
Das Böse ist zu oft der wahre Meister,
Wenn es aus Menschenhirnen eilig quillt.

An der Gerechtigkeit verzweifeln noch die Leichen,
Und Frömmeln ist beizeiten hochmodern.
Doch winkt den Eiferern kein heller Stern,
Wenn sie ein glattes Ziel erreichen.

Den Lohn für lebenslanges Pflichterfüllen
Erfährt der Mensch meist im Spital
Und endet dort erbärmlich trivial.
Es fehlte nicht am Willen.

Am Sinn des Lebens hängt ein Fragezeichen
Für jene, die nichts haben und doch sind
Ein Spielball in den Händen von zu Reichen,
Und eins vor allem, hundert Jahre blind.

Magistratsweisheit

Freitag, August 1st, 2008

Wer Tauben füttert,
Füttert Ratten,
Sagt der Affe
Zur Banane,
Die ins Maul
Er sich schiebt
Mit Genuß.
Und die Schale
Fällt zu Boden,
Wo sie liegt
Und verfault.

Die Häuser stehen…

Dienstag, Juli 29th, 2008

Die Häuser stehen aneinand gedrängt,
Die Dächer flach, der Himmel weit,
Die Fenster blind und voll verhängt,
Die Tore zu, als ob wer scheut
Vor dieser Welt, vor dieser Zeit.

Sommerlied

Dienstag, Juli 29th, 2008

Ich rinne, rinne, rinne;
Der Körper schwimmt in Schweiß.
Was ich dabei gewinne,
Ist weder kalt noch heiß.

Ich renne, renne, renne,
Mein Herz ist vorm Zerspringen,
Wobei ich das schon kenne,
Die Flucht vor Tag und Dingen.

Ich liege, liege, liege
Am Boden und ganz flach,
Indes Gedanken fliegen
Hinfort von diesem Krach.

Ich hasse, hasse, hasse
Die Menschen allesamt,
Ganz gleich aus welcher Klasse,
Verdammt sind sie, verdammt.

Postmoderne

Dienstag, Juli 29th, 2008

40 Jahre Postmoderne,
40 Jahr´ Beliebigkeit,
Und ich würde doch so gerne
Spucken wie ein Lama weit.
Doch die Herren vom Feuilleton
Und die Herrn Verleger
Bräuchten eine Injektion
Oder Hosenträger.

In der Zeitung

Dienstag, Juli 29th, 2008

In der Zeitung steht geschrieben,
Und am Bildschirm ist zu sehen,
Wie sich Prominente lieben,
Bettler schnell wie Wachs zergehen,
Und in den globalen Netzen
Staut sich der globale Müll,
Während die Verbraucher hetzen,
Wie der freie Markt es will.

Zum Verzweifeln

Dienstag, Juli 29th, 2008

Bambusstock in einer Hand
Und die andere als Faust,
Mit dem Rücken an der Wand,
Wie mir vor dem Leben graust,
Wie mir graust vor diesem Land,
Das ist zum Verzweifeln.

Weiß nicht…

Sonntag, Juli 27th, 2008

Weiß nicht, ob der Tag ein guter
Ist und wird vielleicht nur Mist.
Aber was er kann, das tut er,
Und er schließt wie jede Frist.