Archive for the ‘02 Verse’ Category

Hundewetter

Montag, Juli 24th, 2023

Der Tag hat wieder einmal eine trübe,
So hässlich abgefeimte, dumme Fratze.
Ein Fleischwolf dreht uns durch das Zeitgeschiebe:
Am Morgen Haare, abends eine Glatze.

Und mittags in der prallen Sonne stehen,
O-beinig, an den Eiern tausend Zecken.
Der Wind will ständig Pirouetten drehen.
Ihr könnt mir alle fest das Arschloch lecken.

Ganz gleich wie spät es ist, die Stunden stinken,
Und die Gedanken fahren aus der Haut.
Die Waage pendelt zwischen Schweiß und Trinken.
Welch Hundewetter, Hitze, ach, mir graut.

Zukunftsmelodie

Donnerstag, Juli 13th, 2023

Ich steh am Gipfel, spiele Saxophon.
Die Sterne funkeln, schenken einen stummen
Applaus. Ich neige mich. Doch nackter Hohn
Beherrscht die Welt. Von ferne naht ein Brummen.

Die Bombe fällt genau auf meinen Scheitel.
Der Schädel explodiert. Ein Distelstrauch
Wächst aus dem Hals. Ein rot gegerbter Beutel
Birgt Schnecken, in den Häusern kalter Rauch.

Dort zwischen Felsen kleben Nase, Ohren.
Termiten tragen sie in ihren Bau.
Die Stunden rasen, treiben Silbersporen
In ihre Leiber, stecken fest im Stau.

Der Zeck

Dienstag, Juli 4th, 2023

Mein linker Fuß ist eine Dreizack-Klaue,
Mein rechter aber ein beschuhter Huf.
Die Augen blicken fest wie Ankertaue.
Ich bin der Zeck. Das ist auch ein Beruf.

Entlang der hohen Hausfassaden, wo
An Fensterscheiben dicke Männer kleben,
Verläuft mein Weg, im Kopf ein Radio.
Das spielt oft schwarze Löcher in das Leben.

Ich bin der Zeck. Ich werke mit den Zähnen
An jeder Haut, ob haarig oder kahl.
Und trinke Blut aus prall gefüllten Venen.
Doch heute schmeckt es faulig, schmeckt es schal.

Die Botschaft *

Dienstag, Juni 6th, 2023

Kreuz und quer hasten die Leute
Fette Termiten durch die Straßen
Der kreißenden Stadt

Von gläsernern Türmen
Hängt der Bauch des Himmels
Eine faulige Frucht

Die Zeit steht auf dem Kopf und ihre Beine
Schlenkern haltlos im Maul
Bissiger Winde

*Neufassung

Nachtmusik (TS)

Mittwoch, Mai 24th, 2023

Dem Schläfer wird die Haut vom Leib gezogen,
Gegerbt, der Kopf geschrumpft, und dann hinweg
Mit Stulpen, Steigern, dem Orchesterdreck.
Die Nacht entblößt sich, spannt den Silberbogen.

Die Sehne singt. Der Pfeil durchbohrt das Ziel.
Ist’s die Hyäne nicht, ist’s ein Schakal.
Vom Gipfel schau ich Zwerge tief im Tal,
Mit blauen Kiemen, breitem Brustventil.

Am Himmel überholt der Große Wagen
Die Bleichgesichter in der ersten Reihe.
Ein Echo brandet gegen Schläfen. Schreie

Vergeßner Völker, die Melonen tragen,
Zum Nordpol. In den Venen klimpert Eis.
Die Pumpe läuft und läuft sich glühend heiß.

Leben in Lügen

Sonntag, Mai 7th, 2023

Unter schmutzigem Himmel, den Rücken gekrümmt,
So trotteln wir angstvoll durch unser Leben.
Nicht existente Viren haben gezeigt,
dass wir in Netzen voll Lügen kleben.

Was hat es zu bedeuten (S)

Mittwoch, April 12th, 2023

Vom Himmel fallen weißbehaarte Kröten,
Im Keller hängt die Nachbarin am Strick,
Der Abend bringt das Dunkel ohne Glück,
Ein Schüler platzt beim Essen aus den Nähten.

Ein Fremder wirft durchs Fenster einen Blick,
Im Dachstuhl blasen Nackte Feuchttrompeten,
Verholzte Hände falten sich zum Beten,
Nur aus dem Grab kommt keiner mehr zurück.

Mit schweren Knüppeln klopfen Polizisten
Am Gehsteig weiße Köpfe rot zu Brei,
Mit Blaulicht rast die Ambulanz vorbei.

Die Bürger kaufen Fleisch in Kunststoffkisten,
Indes vom Kirchturm Glocken dauerläuten,
Und mancher fragt, was hat es zu bedeuten.

Erstfassung 2008

Blickfeld

Freitag, März 24th, 2023

Ein Fluch, verdammt, ich habe keine Pläne
Für morgen, nicht für heute, irgendwie
Bewundere ich jene Kapitäne,
Die stets auf Kurs sind, auch bei Stürmen nie
Das große Klappern kriegen mit den Zähnen.

Ich bin nicht einer von den Kandidaten,
Die sich am Bildschirm für den Hauptgewinn
Mit Pudding schminken und mit einem Spaten
Im Keller schaufeln nach des Lebens Sinn
Und mit dem Teufel um die Wette raten.

Vorm Fenster rast ein Motorrad vorbei.
Sein Lärm läßt meine Nerven voll vibrieren.
Ein Bild besagt, die Hölle sei ein Schrei.
Ich glaube es, doch was muß noch passieren,
Daß Menschen nicht mehr sagen einerlei.

Ein Heldenstück für Gauner, ein Choral
Mit dem die toten Regimenter ziehen
Hinein ins blau und gelb lackierte Tal,
Wo rechts und links Gedanken geistlos sprühen.
Und vor dir ist die Landschaft nackt und kahl.

Gestern Heute

Mittwoch, März 15th, 2023

Gestern war der Tag noch so wie immer.
Ich schritt voran und blieb dabei nicht stehn.
Und aufgeräumt war jedes meiner Zimmer,
Wo die Gedanken hausen stets bequem.
Mit Stilkrawatte und als Daseinsschwimmer
Hielt ich das Tempo, ohne viel zu sehn.

Heute kann ich mich nicht konzentrieren.
Die Ordnung, die ich schuf, zerfließt zu Brei.
Doch kümmert es mich nicht, sie zu verlieren,
Macht doch Verlust die Menschen manchmal frei.
Mein Herzschlag öffnet alle Fenster, Türen,
Und was ich sehe, sehe ich wie neu.

Mode

Dienstag, März 7th, 2023

Ich weiß, Demokratie
Ist längst schon nicht mehr in.
Nach Wohlstands-Diktatur
Steht allen uns der Sinn.
Wer ausschert aus der Spur,
Kriegt eine Vollrasur.