Archive for the ‘02 Verse’ Category

Glücksspiel

Sonntag, April 5th, 2009

Groß in Mode ist das Spiel:
Haus verlosen - Haus gewinnen!
Glück wird so des Daseins Ziel.
Glück beherrscht der Menschen Sinnen,
Wie der Horizont die Sicht
Oder Zeit den engen Raum:
Gitterfenster, trübes Licht.
Wie der Jugend kurzer Traum
Die Gedanken kerbt und flieht:
Asche der Erinnerung.
Falls die Hoffnung einst geschieht,
Existiert sie nur als Dung;
Glieder einer schweren Kette
Hämmern Stunden, wenn sie gehn.
Wie Verlierer einer Wette
Platzen nach zu starkem Blähn.

Das Konkurrenzprinzip

Samstag, April 4th, 2009

Mit den Köpfen krachen sie
Aufeinand und immer wieder,
Daß die Knochen knirschen wie
Grauser Totentänze Lieder.
Konkurrenz wird so gebracht
Auf den Punkt und praxisnah,
Denn Gewalt, gepaart mit Macht,
Herrscht nicht nur in Afrika.

Hundeklo Wien

Samstag, April 4th, 2009

Wer kennt das nicht von euch: Du gehst spazieren
Am Trottoir und denkst nichts weiter so,
Da spürst du deinen Fuß durch Scheiße schmieren
Und weißt, du bist in Wien, dem Hundeklo.
Denn nichts ist anders seit dem Kack-Verbot:
Blickst du zu Boden, siehst du Haufen Kot.

Verse zum Tag

Freitag, April 3rd, 2009

Des Frühlings Antlitz lächelt seit zwei Tagen.
Die Vögel singen und die Pflanzen sprießen.
Es sei zu spät, hör ich die Leute klagen,
Zu dumm, um jetzt das Schöne zu genießen.
So gilt der Konjunktiv uns als Maxime
Im kurzen Gastspiel auf der Daseins-Bühne.

Der neue Reisepaß

Donnerstag, April 2nd, 2009

Seit gestern hab ich einen neuen Paß.
Der ist so sicher - sagt mann - wie der Tod
Vor Fälschung. Aber wird vom Schweiß er naß,
So ist´s für ihn wie Schimmelpilz fürs Brot.

Empfindlich ist das Ding wie Säuglingsbacken,
Denn machst du deine Hose ihm zum Nest,
So faßt beim Zoll dich eine Hand am Nacken
Und nimmt dich zur Kontrolle einfach fest.

Was bis jetzt einzig für Verbrecher galt,
Der Finger Abdruck den Behörden geben,
Ist Bürgerpflicht nun, läßt die Bürger kalt.
Gern nimmt die Freiheit Abschied so vom Leben.

Zum Maß der Dinge macht mann Sicherheit.
Doch nicht die eigne, sondern der Instanzen,
Die uns beherrschen voll Gefräßigkeit,
Indem sie Leib und Seele uns verwanzen.

Mehr-und Minderheit

Mittwoch, April 1st, 2009

Es ist das immer gleiche Spiel.
Hier ist die Mehrheit, dort die Minderheit.
Und die zu diffamieren heißt das Ziel.
Wobei als bestes Mittel gilt der Neid.
Warn´s gestern noch die Rentner, sind es heute
Die Lehrer, als Schmarotzer vorgeführt
Von Politik und Medien als Beute,
Sodaß der Massen Dummheit jubiliert.

Wien heute

Dienstag, März 31st, 2009

In Wien da leben nicht so viele Leute,
Wie am Zentralfriedhof begraben liegen.
Ich sage das nur, weil des Todes Beute
Nichts braucht als Erde, um sich zu genügen.

Was alles hat sich nicht verändert hier,
Seit ich die Anker ausgeworfen habe.
Die Straßen säumen Bettler für und für
Doch selten reicht es für ´ne milde Gabe.

Der Anschluß an die Welt ging nicht verloren.
Nein, wahrlich nicht verstecken braucht sich Wien.
Ob Köpfe abgeschnitten oder Ohren,
Ob Rausch-Ekstasen: Alko wie -kain

Politisch ist gegossen in Beton
Die Farbe rot, und wird es weiter bleiben.
Trotz Schimmelpilz kennt sie nur Spott und Hohn
Für alle, die es nicht mit ihr eng treiben.

Doch was mir vollauf reicht- ich hab´s so satt:
Das ist das “Wienerische” an sich, ist
Das Selbstbild der Bewohner dieser Stadt,
Das Hunden gleich ans Bein dir ständig pisst.

Im Namen des Terrors

Montag, März 30th, 2009

Was ist denn eigentlich noch nicht verboten?
Umzingelt wird der Einzelne von Schranken.
Das Normative reicht bis zu den Toten.
Nein weiter noch, zu Worten und Gedanken.
Dem Terror dienend, werden sie Verbrechen.
Da würde Orwell sich im Grab umdrehen,
Wozu sich Demokraten heut erfrechen,
Indem sie bis in unsre Windeln spähen.

Der Verlassene

Sonntag, März 29th, 2009

Schon wieder steht wer draußen vor der Tür.
Ist es ein Sammler von obszönen Fragen,
Der Rauchfangkehrer oder Gaskassier,
Ein Hund, der kommt, sein Wasser abzuschlagen,

Der Nachbar, den es ständig zu mir treibt,
Vielleicht ein Rudel alter Vagabunden,
Ein Würger, der sich schon die Hände reibt,
Die Armut selbst, getreten und zerschunden,

Ob Pilger, Bürgerpflicht, ob Polizist,
Verwandte, Fremde oder Tagediebe,
Das Tor bleibt zugesperrt, so wie es ist,
Seit von hier fortgezogen ist die Liebe.

Nur du, der du mich einst verlassen hast,
Wärst einzig mir willkommen noch als Gast.

für. G.

Zum Abgewöhnen

Sonntag, März 29th, 2009

Kein Kaffee mehr in der Früh
Und auch keine Zigaretten.
Kein Genuß, stattdessen Müh,
Ist das Dasein so zu retten?
Bin vom Nikotin ich frei,
Kommt was Neues, das mir droht.
Ja, der Spaß, der ist vorbei,
Und was anderes tut not.
Ja, der Spaß, der ist vorbei,
Und was anderes tut not.